Filmkritik: Lost in Budapest

16. Zurich Film Festival 2020
Hände hoch!
Hände hoch! © Zurich Film Festival

Márta Vizy (Natasa Stork) ist vor 20 Jahren von Budapest nach New Jersey ausgewandert und praktiziert dort als Neurochirurgin. An einem Kongress trifft sie auf János Drexler (Viktor Bodó), einen Arzt aus Budapest. Sie fühlt, dass er die Liebe ihres Lebens ist und vereinbart mit ihm, sich in einem Monat auf der Freiheitsbrücke in Budapest zu treffen. Márta fliegt von New Jersey nach Budapest und wartet vergebens auf János. Als sie ihn in einem örtlichen Krankenhaus aufspürt und anspricht, unterbreitet ihr János, dass er sich nicht an sie erinnern kann.

Ob dieser Nachricht schockiert fällt Márta in Ohnmacht. Passanten helfen ihr wieder auf die Beine, unter ihnen Alex (Benett Vilmányi). Bereits auf dem Weg zurück nach New Jersey entschliesst sie sich kurzerhand, nicht zurückzufliegen und sich in Budapest niederzulassen. Für Márta beginnt daraufhin eine Suche nach den Gründen für János' Verhalten.

Eine aussergewöhnliche Idee macht noch keinen guten Film. Dies beweist leider Preparations to be Together for an Unknown Period of Time. So sperrig der Titel, so sperrig auch die Umsetzung. Die Hauptdarstellerin Natasa Stork zeigt als Márta gar wenig Emotionen. Doch ihre schauspielerische Leistung ist nicht das Hauptproblem. Vielmehr ist es die Verhaltensweise der Charaktere, die die Zuschauer vermutlich mehrmals die Stirn runzeln lässt.

Nach dem 2015 erschienenen Film Wednesday Child ist Preparations to be Together for an Unknown Period of Time der zweite Lang-Spielfilm von Regisseurin Lili Horvát. Zudem schrieb sie auch das Drehbuch für dieses Drama. Leider wirkt darin die Hauptdarstellerin Natasa Stork in der Rolle der Márta etwas gar unterkühlt, und auch ihr männliches Pendant Viktor Bodó als Janós macht es nicht besser. Der einzige kleine Lichtblick ist Benett Vilmányi, der Alex spielt, einen Sohn eines Patienten von Márta.

Doch die Schauspieler sind nicht das grösste Problem des Filmes, sondern die Verhaltensweisen der Charaktere, die schwer nachzuvollziehen sind. Die Geschichte wirkt irgendwie zusammengeflickt. Nebst der guten Grundidee folgen bei einzelnen Charakteren und einzelnen Szenen kleine Versprechen, die jedoch nicht oder nur sehr dürftig eingelöst werden. Es wird vieles angedeutet, ohne dass jedoch tiefer darauf eingegangen wird.

Beim Schauen von Preparations to be Together for an Unknown Period of Time darf man zudem nicht allzu zart besaitet sein. Ein chirurgischer Eingriff am Hirn wird ziemlich detailliert und vor allem ziemlich lange gezeigt. Zwischendurch wähnt man sich auch in einer Krankenhausserie, aber ohne die in diesen Serien üblichen Emotionen.

Es gibt einzelne Szenen im Film, die als Lichtblicke gelten können, so zum Beispiel wenn Janós die sich auf dem gegenüberliegenden Troittoir befindliche Márta wortwörtlich auf Schritt und Tritt verfolgt, ohne dass sich die beiden aus den Augen verlieren. Doch in diesem nur 95 Minuten dauernden Film sind ähnliche Szenen leider sehr spärlich gesät.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:42