Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga (2020)

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  2. 120 Minuten

Filmkritik: USA, zero points

Netflix
Modern Thorking
Modern Thorking © Netflix

Als der kleine Lars Zeuge des ABBA-Auftritts beim Eurovision Song Contest 1974 wird, ists um ihn geschehen. Er und seine Kindheitsfreundin Sigrit wussten von da an, dass sie einmal an diesem Wettbewerb teilnehmen wollen. Jahrzehnte später proben die beiden immernoch im Keller und habens nicht weiter als in ihr kleines isländisches Dorf geschafft. Sigrit (Rachel McAdams) arbeitet als Lehrerin, Lars (Will Ferrell) sitzt seinem beschämten Vater (Pierce Brosnan) auf der Pelle.

«Nice! I like!»
«Nice! I like!» © Netflix

Durch reinen Zufall wird ihre Amateur-Band Fire Saga für die isländische Qualifikation gezogen. Die beiden sind komplett aus dem Häuschen - und verbocken natürlich ihren Auftritt. Aufgrund eines Unglücks qualifizieren sie sich tatsächlich für die Endrunde. Da treffen sie auf den extrovertierten Russen Alexander (Dan Stevens) und die charmante Griechin Mita (Melissanthi Mahut), die nicht ganz so vom Contest besessen sind, aber die Beziehung der beiden Isländer ganz schön durcheinander wirbeln.

Will Ferrell dreht einen Film über den Eurovision Song Contest - und scheitert. The Story of Fire Saga ist nicht besonders witzig und mit über zwei Stunden viel zu lang. Zeit für die interessanteren Nebenfiguren fällt dabei diversen nutzlosen Nebenhandlungen und einem miesen Pop-Medley zum Opfer. Ansonsten ist die Musik zwar gelungen und die generelle Atmosphäre des Song Contests wird gut eingefangen. Aber dieser amerikanische Film versteht weder das Herz noch den Kommerz des ESC. USA, zero points.

Seit Piero Esteriores Nullrunde 2004 hat die Schweiz mit dem Eurovision abgeschlossen. Ob der letztjährige vierte Platz von Luca Hänni das ändert, wird sich zeigen. Doch wer den ESC erst kürzlich entdeckte, sind die Amerikaner. Will Ferrell stiess auf den paneuropäischen Wettbewerb über seine schwedische Frau und war davon total begeistert. Nun hat er einen Film darüber gedreht. Dieser beginnt mit ABBAs Waterloo - und danach gehts nur noch bergab.

Will Ferrell selbst macht seinen üblichen Klamauk und auch Rachel McAdams kann das Duo nicht retten. Dessen Chemie stimmt zwar, aber die seltsam inkonsistenten Akzente nerven und ihre Darstellungen fallen in den ungeliebten Graben zwischen Ernsthaftigkeit und Overacting. Sie sorgen auch nur selten für Lacher, denn der Humor ist dafür weder clever noch doof genug. Ein Shake-Weight-Witz im Jahr 2020? Das geht besser.

Dan Stevens' Alexander und Melissanthi Mahuts Mita wären die interessanteren Figuren gewesen, auch wenn Stevens mit seinem boratesken Auftreten zu Beginn etwas vor den Kopf stösst. Und trotz den über zwei Stunden Laufzeit erfährt man über die beiden zu wenig. Die unnötig lange Laufzeit ist wohl auch den verschiedenen Sideplots geschuldet, die alle angerissen, aber nie relevant werden. So fühlt sich der Film länger an als der eigentliche Contest.

Und um diesen gehts dann auch kaum. Schade, denn wenn dieser im Mittelpunkt steht, ist The Story of Fire Saga ganz okay. Die Production Value und der ganze Vibe der Show wurden nämlich richtig gut eingefangen. Leider sind die Parodien der Teilnehmer nicht halb so gut wie ihre Vorlagen. Da hilft auch keine Pop-Kopie der finnischen Monster-Band Lordi. Wenigstens sind die Songs gelungen; «Double Trouble» ist ein ziemlicher Ohrwurm und Dan Stevens' Beitrag «Lion of Love» überzeugt auch. Handkehrum wird in der Mitte des Films ein Medley gespielt, das gar nicht passt. Zwar treten einige ehemalige Eurovision-Sieger auf, aber es werden auch andere Popsongs wie Black Eyed Peas' «I Gotta Feeling» reingemischt.

Es fehlt The Story of Fire Saga schlussendlich nicht an Herz, den den hat er auf dem rechten Fleck. Aber es ist ein amerikanischer Film über ein europäisches Phänomen, der die beiden Hauptdarsteller statt dem Contest ins Zentrum rückt. So versteht er weder das Herz noch den Kommerz dieses Wettbewerbs und lässt auch die politischen Hintergründe aussen vor. Für Amerikaner mag dieser Film witzig sein, für das europäische Publikum eher weniger. Da ist der reale Contest interessanter.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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Kommentare Total: 3

swo

Etwas zu lang und eine seltsame Mischung aus Parodie und RomCom. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt.

oscon

Ich geb's zu, mir gefallen Musikfilme, sei es "Pitch Perfekt", "A Star is born" oder auch "Bohemian Rhapsody" und bin deshalb ev. etwas voreingenommen!
Was ist nun "Eurovison" ? Ist es eine Hommage an die Kultverstaltung oder doch (nur) ein beliebiger Film über "skandinavische Looser", welche sich den Traum Ihres Lebens erfüllen möchten?
Auf jeden Fall ist es ein (nicht zu verblödelter) Feel Good Movie mit dem Herz am richtigen Fleck:
Island Tourism wird wahrscheinlich nun noch mehr von Touristen aller Welt überrannt werden...
...und sei es nur, um die Elfen (die gibt es wirklich: schaut den Film!)
Dem Anlass wird der Film aber trotz aller Kritik mehr als gerecht:
Da gibt es die "Lordi" ähnliche Truppe aus Weissrussland, die Sexy mediterrane Diva aus Griechenlandund, sowie den tragisch überspitzten Power-Bariton aus Russland (Stichwort: Mutter Russland will das nicht...)
Schauspielerisch muss man jetzt nicht Oscar-reife Darbietungen erwarten, den im Zentrum steht die Suche nach dem perfekten Eurovision-Song:
So ist der Soundtrack im Eurodance Stil zwar überschaubar, aber der Ohrwurm "Double Trouble" und die wirklich gute Power Ballade "Husavik" stechen (neben den Klamauknummern) heraus!
Ganz witzig ist nebenbei der isländische Slang, wenn man den Film in Originalsprache anschaut
Zu mindestens in den USA scheint der Film ein Erfolg für Netflix zu werden...
Mit viel Liebe zur Musik 4 Sterne (****)

nna

Filmkritik: USA, zero points

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