Escape from Pretoria (2020)

Escape from Pretoria (2020)

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  2. 106 Minuten

Filmkritik: Potter und die hölzernen Schlüssel

Heiss heute, Mister Potter?
Heiss heute, Mister Potter? © Koch Media

Im Südafrika der 1970er-Jahre herrscht die Apartheid und zieht das ganze Land in Mitleidenschaft. Der politische Widerstand wächst und im Zuge dessen verteilen auch junge Menschen wie Tim (Daniel Radcliffe) und Stephen (Daniel Webber) fleissig Flugblätter auf spektakuläre Art. Nachdem sie bei ihrer jüngsten Aktion festgenommen worden sind, werden sie für mehrere Jahre Haft im härtesten Knast der Gegend, der Pretoria-Haftanstalt, verurteilt. Mit bösartigen Wächtern, ignoranten Direktoren und schiesswütigen Aufsehern wartet nun ein Leben voller Qual und Demütigung auf die beiden Freunde.

... und der wachsame Wächter.
... und der wachsame Wächter. © Koch Media

Bald schon ist für Tim und Stephen klar, dass sie so rasch wie möglich raus wollen. Die Idee, mittels Holzstücken Schlüssel nachzufeilen, scheint wahnsinnig, wird aber gestartet. Mit riesigem Aufwand, enormer Geduld und vielen Tests und versteckten Aktionen läuft der Plan an und wird vom Franzosen Leonard (Mark Leonard Winter) unterstützt, der endlich wieder seinen kleinen Sohn sehen will. Aber kann man wirklich mit hölzernen Schlüsseln unter den Augen der Wächter und im permanenten Fokus den Ausbruch aus einer Haftanstalt schaffen, aus der noch niemand hat fliehen können?

Escape from Pretoria spielt in einer politisch heissen Zeit, nimmt aber am Ende relativ wenig Bezug darauf, sondern setzt komplett auf den Ausbruch und die darin involvierte kleine Gruppe. Dies jedoch schaffen die Macher mit Spannung und Thrill, sodass dem Zuschauer zwar nicht der grosse Politthriller geboten wird, aber ein Escape-Abenteuer, das in diesem Gebiet absolut überzeugt.

Daniel Radcliffe hat sich in den letzten Jahren wunderbar vom Nachwuchszauberer zum ernsthaften Schauspieler gewandelt. Dazu kommt eine Filmauswahl, die zwischen schräg (Swiss Army Man), kommerziell (Now you see me 2), animiert (Playmobil: The Movie) oder rasant (Guns Akimbo) pendelt. Sein neuester Streich lässt ihn eine waghalsige Ausbruchsaktion planen und durchführen und garantiert in Escape from Pretoria Spannung zum Fingernägelkauen.

Vor dem politischen Hintergrund der Apartheid macht Radcliffe in Escape from Pretoria einen auf Prison Break und nimmt den Zuschauer mit auf eine spannende Reise durch verschiedene Türen und Tore, immer auf der Hut vor dem Wachmann und gespickt mit Pannen, abgebrochenen Schlüsseln, falschem Timing und Momenten, in denen man auch im behaglichen Sessel kaum zu atmen wagt. In diesen Momenten holt Escape from Pretoria alles aus der Story raus, während er hinsichtlich seiner politischen Bezugnahme oder der Charakterentwicklung jenen deutlich hinterherhinkt.

Die Figuren von Tim und Stephen bleiben nämlich, wie auch der Franzose, recht oberflächlich gezeichnet und so setzt Regisseur Francis Annan fast komplett auf Spannung und den Ausbruchsversuch. Jegliche Nebengestalten, wie beispielsweise der von Ian Hart gespielte Denis Goldberg, der damals schon mit Mandela persönlich auf der Strasse demonstriert haben soll, bleiben im Halbdunkel. Zumindest letzterer Charakter hätte eine bessere Ausarbeitung verdient.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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