Enkel für Anfänger (2020)

Enkel für Anfänger (2020)

  1. 105 Minuten

Filmkritik: Rent a Rentner

Gumpi old Men
Gumpi old Men

Karen (Maren Kroymann) möchte unbedingt nach Neuseeland reisen. Obwohl sie bereits vor einer Weile das Rentenalter erreicht hat, möchte sie noch etwas erleben. Ihr Ehemann, mit dem sie seit mehr als 40 Jahren verheiratet ist, möchte lieber nur herumhocken und Modelllokomotiven bemalen. Seine Schwester Philippa (Barbara Sukowa) hält er für komplett verrückt, da sie sich als eine Art Leih-Oma um fremde Kinder kümmert.

Wer ist hier das Kind?
Wer ist hier das Kind?

Von ihrer Schwägerin inspiriert, meldet sich Karen bei der selben Agentur an und kriegt schon bald die Möglichkeit, auf einen lebhaften Jungen aufzupassen. Sie überredet auch ihren alten Freund Gerhard (Heiner Lauterbach), einen homosexuellen Ex-Arzt, der gerade seinen Lebenspartner verloren hat, sich auch um einen Enkel zu bewerben. Das Leben beider wird sich durch diesen Entscheid für immer verändern.

Enkel für Anfänger hat viel Potenzial für endlose Altenwitze und Pupshumor, hält sich glücklicherweise aber zurück mit den Kapriolen. Nur Barbara Sukowas Hippietante Philippa nervt mit ihrer erzwungen überdrehten Art gewaltig und ihr gesamter Erzählstrang enttäuscht. Im Gegensatz dazu wirken die anderen Figuren trotz gewisser Überspitztheit geradezu subtil gezeichnet. Die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Generationen gehen ans Herz, und Maren Kroymann steht zurecht im Mittelpunkt des Geschehens. Als harmloser Zeitvertreib absolut empfehlenswert.

Kinder- und Jugendspezialist Wolfgang Groos (Die Vampirschwestern) beschäftigt sich für einmal mit der älteren Generation. Dafür hat er sich mit Heiner Lauterbach, Maren Kroyman und Barbara Sukowa ein erfahrenes Trio von Hauptdarstellern ins Boot geholt. Durch die drei verschiedenen Hauptfiguren spaltet sich die Story in drei Richtungen ab, wobei Kroyman als Karin dominiert. Glücklicherweise ist ihre Geschichte die vielschichtigste, spannendste und bewegendste. Ihre Beziehung zu Teenagerin Merle überrascht mit grossen Emotionen und einer authentischen Performance von Maya Lauterbach.

Ihr Vater Reiner zeigt sich als schwuler Rentner auch von seiner ruhigeren Seite. Der Film greift nicht wahnsinnig tief, was sein Innenleben angeht, handelt aber einige relevante Themen ab und. Er stellt seine Homosexualität nie plakativ in den Vordergrund, sondern normalisiert sie zeitgemäss. Auch seine Verbundenheit mit seinem «ausgeliehenen» Enkel geht ans Herz, egal wie manipulativ sie sein mag.

Bauchlandungen macht Enkel für Anfänger immer dann, wenn er typische, laute Komödienelemente einbaut wie eine Parodie eines jungen Hipsterpärchens oder eine Szene mit Alzheimerwitzen. Diese Peinlichkeiten passieren immer dann, wenn Barbara Sukowas schrullige Philippa auf der Leinwand herumnervt, weshalb dieser Teil lieber ganz gestrichen worden wäre. Während passende Songs den Soundtrack zieren, ist die komponierte Filmmusik Budgetgeplärre vom schlimmsten. Diese Negativpunkte fallen durch ihre grosse Präsenz leider doch ziemlich ins Gewicht.

/ ma