Dream Horse (2020)

Dream Horse (2020)

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  2. 113 Minuten

Filmkritik: Eine Kleinstadt erwacht aus ihrer Lethargie

16. Zurich Film Festival 2020
Das Leben ist nicht nur Arbeit.
Das Leben ist nicht nur Arbeit. © Impuls Pictures AG

Der dröge Alltag in einer walisischen Kleinstadt setzt Jan Vokes (Toni Collette) immer mehr zu. Der Himmel ist ständig grau, die Häuser sind heruntergekommen, die Menschen perspektivlos. Jan ist sich bewusst, dass ihr Leben festgefahren ist. Der Job im Supermarkt ist langweilig, ihr Mann aus dem Sessel vor dem TV nicht wegzukriegen und ständig ist irgendwas mit ihren Eltern. Was Jan fehlt, ist ein Sinn im Leben, ein Traum, den sie verfolgen kann. Jetzt, da die Kinder aus dem Haus sind und sie ihre Taubenzucht aufgegeben hat, ist da nur noch eine Leere.

Manchmal ist es auch ein Pokal.
Manchmal ist es auch ein Pokal. © Impuls Pictures AG

Während sie über eine neue Freizeitbeschäftigung grübelt, bekommt sie eines Abends mit, wie im Pub über Pferderennsport diskutiert wird. Inspiriert von diesem Gespräch, beschliesst sie aus heiterem Himmel, ein eigenes Rennpferd heranzuzüchten. Da das ein kostspieliges Unterfangen ist, überzeugt sie kurzerhand weitere Einwohner des Ortes, sich an dem Gemeinschaftsprojekt zu beteiligen. Von den Profis zunächst nur milde belächelt, gelingt den Aussenseitern die Aufzucht eines Tieres, dass einen Sieg nach dem anderen Sieg holt - bis ein Schicksalsschlag den Traum zu zerstören droht.

Mit skurrilen Figuren, viel Wortwitz und dem typisch britischen Humor erzählt Dream Horse eine Geschichte, die so unglaublich ist, dass nur das echte Leben sie schreiben kann. Allerdings gelingt es dem Film nicht, die anfängliche Energie durchgehend beizubehalten. Stellenweise droht die Geschichte zu stark ins Sentimentale zu verfallen. Ab dem zweiten Rennen schleichen sich dann auch zusehends Längen ein.

Dream Horse ist eine Komödie, die auf wahren Begebenheiten beruht. Besonders erwähnenswert ist Toni Collettes überzeugende Verkörperung der Jan. Sie vermag die Trostlosigkeit und Leere von Jans Leben auf eindrückliche Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Ausdruckslosigkeit ihres Gesichts und die mechanischen Bewegungen zeugen von Resignation. Man ist sich nicht sicher, ob man lachen oder weinen soll, wenn man ihr bei der Arbeit zuschaut.

Allgemein sind es die Charaktere, von denen der Film lebt. Bis in die kleinsten Nebenrollen passend besetzt, trifft man auf Figuren, die mit ihren Eigenheiten und Marotten wunderbar in diese Geschichte hineinpassen. Diese bunte Mischung aus diversen Charakteren, die sich zusammenfindet, um gemeinsam mit Jan das Projekt «Dream Alliance» zu realisieren, zeichnet sich zudem durch Gegensätzlichkeiten aus. Das wiederum bietet Stoff für verbale Auseinandersetzungen, die den Witz des Filmes ausmachen.

Diese Energie, die von verbalem Schlagabtausch und trockenem Humor herrührt, nimmt aber im Laufe des Films immer stärker ab. Die Vorhersehbarkeit der Geschichte und die wiederholten Pferderennen nehmen dem Film den Drive. Zudem kommen noch einige arg sentimentale Szenen hinzu. Dadurch schleichen sich zum Ende hin immer mehr Längen ein.

Dream Horse ist ein solide gemachter Film ähnlich anderer Filme über Pferderennen und bietet entsprechend keine grossen Überraschungen. Zwar lassen sich einige Längen nicht vermeiden. Doch der Film wartet mit schrägen Figuren und trockenem Humor auf und überzeugt insbesondere durch seine Hauptdarstellerin.

Sule Durmazkeser [sul]

Sule schreibt seit 2019 als Freelancerin für OutNow. Sie ist Hitchcock-Fan, liebt das Hollywoodkino der Sechziger- und Siebzigerjahre und hat eine Schwäche für paranormale Horrorfilme und düstere Thriller. Mit dem derben Humor vieler US-Komödien kann sie wenig anfangen.

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Trailer Englisch, 02:24