Dragon Rider (2020)

Dragon Rider (2020)

Drachenreiter
  1. , ,
  2. 100 Minuten

Filmkritik: Drachenscheitern leicht gemacht

16. Zurich Film Festival 2020
"I don't like Sand"
"I don't like Sand" © Praesens Film

Vor langer Zeit lebten auf unserer Erde eine Vielzahl von Drachen, doch ein durch Menschen angezettelter Krieg liess das Monster Nesselbrand (deutsche Stimme: Rick Kavanian) auf die eigentlich friedlichen Drachen los und die meisten Überlebenden flüchteten zum Saum des Himmels. An diesem sagenumwobenen Ort haben sie sich eine neue Gesellschaft aufgebaut. Auch heute gibt es noch eine kleine Anzahl von im Verborgenen lebenden Drachen, doch erneut werden sie von den Menschen verdrängt und machen es sich zur Mission, ihre Vorfahren im Saum des Himmels aufzusuchen, um ihre Spezies ein für allemal vor den Menschen zu retten.

Dünensurfen auf Arrakis
Dünensurfen auf Arrakis © Praesens Film

Diese gefährliche Reise soll der unerfahrene Drache Lung mit Hilfe der Waldkoboldin Schwefelfell (deutsche Stimme: Dagi Bee) antreten. Unterwegs treffen sie auf den Waisenjungen Ben, den sie als Drachenreiter zu identifizieren glauben. Nur wenn Ben auf Lungs Rücken sitzt, kann dieser nämlich Feuer speien. Das Trio erlebt auf seiner langen, interkontinentalen Odyssee ein Abenteuer nach dem anderen und merkt auch bald, dass Nesselbrand tatsächlich existiert und ihnen dicht auf den Fersen ist.

Liebe zum Detail, knuffige Figuren, cleveren Humor und einen tollen Soundtrack: Das alles findet man in How to train your Dragon. Obwohl Drachenreiter dem Dreamworks-Hit einiges schuldet, hat er vergessen, diese positiven Punkte zu übernehmen. Die lose Romanverfilmung ist eine lieblose Angelegenheit, die meint, den humoristischen Finger am Puls der Zeit zu haben. Stattdessen gibt es einen Rohrkrepierer nach dem anderen, der bereits übermorgen an Relevanz verloren haben wird. Ein rassistischer Ausflug nach Indien und schwaches Charakterdesign tragen ihr weiteres dazu bei, dass diese belgisch-deutsche Koproduktion besser vergessen bleibt.

Cornelia Funkes Roman «Drachenreiter» erschien 1997 und hat es ein paar Jahre später sogar in den USA auf die Bestsellerliste geschafft. Der erfolgreiche Stoff wurde nun zu einem CGI-Trickfilm vermurkst, der mehr Bruchlandungen als Höhenflüge mit sich bringt. Das Design der Figuren ist lieblos und schaut aus wie ein Kurztrickfilm aus einem mittelklassigen Vergnügungspark. Schwefelfell mit ihren weiblichen Rundungen erweckt unerwünschte Flashbacks an Cats.

Die Geschichte an sich ist eine für Abenteuerfilme typische Schnitzeljagd, bei der mehrere Rätsel gelöst und Hindernisse überwunden werden müssen. Besonders spannend ist diese Reise nicht, da sie dem Film eine episodenhafte Struktur gibt und so den Fluss immer wieder abbremst. Diese Episoden an sich sind auch ziemlich doof und fallen immer wieder auf «zeitgemässen» Humor zurück. So benutzt das Monster Nesselbrand zum Beispiel eine Dating-App oder kommuniziert per Skype mit seinem Schergen Fliegenbein. Diese Seitenhiebe auf die Social-Media-Generation sind weder lustig, noch werden sie in der Zukunft noch relevant sein. Dies nimmt dem Film die Chance auf Zeitlosigkeit.

Eines der Abenteuer führt die Drachenreiter-Crew nach Indien, wo sie einem alten Ehepaar begegnet. Curry und arrangierte Ehe als Pointen dürfen hier ebenso wenig fehlen wie ein übertriebener Akzent (beide Rollen werden in der deutschen Version gesprochen vom türkischstämmigen Kaya Nayar). Diese Art von überzeichneten Stereotypen in Kinderfilmen ist unangebracht, da sie ihren Humor aus der Andersartigkeit des Volkes schöpfen, ohne einen neuen Einfall oder einen Kontext bieten. Spätestens mir dieser Sequenz verschwindet der letzte Goodwill, den man diesem simplen Animations-Spass noch hätte entgegen bringen können.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd