Dracula (2020)

Dracula (2020 / Mini-Serie)

  1. ,
  2. 270 Minuten

Miniserie-Review: Immer schön den Fliegen nach!

Netflix
Feuriger Herr des Hauses
Feuriger Herr des Hauses

«Folge Eins: The Rules of the Beast»
Schwester Agatha (Dolly Wells) besucht einen mysteriösen Patienten in ihrer Abtei. Gemeinsam mit einer anderen (Begleit-)Schwester soll sie den Mann zu den Ereignissen befragen, die ihn in einem schwer verletzten und verwirrten Zustand zu ihr brachten. Sein Name ist Jonathan Harker (John Hefferman) und der Mann hat eine gar wunderliche Story zu berichten. Er sei nämlich von einem geheimnisvollen Fürsten namens Dracula (Claes Bang) nach Transylvanien bestellt worden und habe dort den ultimativen Horror erlebt. Nur mit Glück sei ihm die Flucht gelungen, allerdings habe er sich dabei sichtlich verändert. Agatha hingegen weiss genau, was es mit diesem Dracula auf sich hat und will ihn mit Mut und Gottesfurcht bekämpfen.

Häsch es Tüechli?
Häsch es Tüechli?

«Folge Zwei: Blood Vessel»
Graf Dracula will nach London! Er quartiert sich auf einem Schiff ein und lässt es sich inmitten illustrer Gesellschaft gut gehen. Dass die anderen Passagiere dabei vor allem der Blutgier des Grafen dienen, und auch den komischen Nebel, der das Sonnenlicht stetig blockt, bemerkt die Besatzung allerdings zu spät; der Herr Blutsauger hat bereits begonnen, seinen Hunger zu stillen. Während man noch darüber rätselt, wer denn da in der Dunkelheit mordet, steht Dracula mittendrin und freut sich, dass sein Plan aufgeht. Bis dieser dank einer starken Persönlichkeit ins Wanken gerät.

Neuestes Modell!
Neuestes Modell!

«Dritte Folge: The Dark Compass»
Graf Dracula ist in der Gegenwart angekommen, wo er sofort von einer Spezialeinheit der «Jonathan Harker Stiftung» in Beschlag genommen wird. Eine Wissenschaftlerin (Dolly Wells) versucht verzweifelt, die Schwäche des Grafen zu eruieren, während sie selber dem Tod ins Auge blickt. In London hingegen feiert die Jugend das Leben, wobei vor allem die hübsche Lucy (Lydia West) in den Mittelpunkt gerät. Sie hat einen geheimen Verehrer, den sie regelmässig trifft, obwohl ihre eigene Hochzeit vor der Tür steht. Einmal mehr beweist Graf Dracula somit, dass er selbst in der Moderne seinen Mann stehen kann und Skype oder Tinder für ihn wie Menükarten sind. Doch die gute Gegenseite hat noch nicht aufgegeben und konfrontiert den Vampir ein letztes Mal mit einem Plan, der alles auf's Spiel setzt.

Von den drei Episoden von Dracula überzeugen vor allem die ersten beiden Folgen praktisch komplett. Der Sprung in die Gegenwart kommt dann ein bisschen holprig, kriegt aber aufgrund von starken Darstellern und witzigen Dialogen doch auch noch die Kurve. Somit bekommen wir mit Dracula knapp 270 Minuten hervorragende Unterhaltung, gespickt mit viel Blut, Gruselfiguren und Sprachwitz. So muss das gemacht werden - Bravo!

Von Bela Lugosi über Christopher Lee bis hin zu Gary Oldman und Gerard Butler. Ja, selbst Komiker Leslie Nielsen war schon im Umhang mit Fangzähnen zu sehen und Klaus Kinski verkörperte ihn ebenfalls vor vielen Jahren. Die Figur des Grafen Dracula ist viel besetzt, viel verfilmt und trotzdem noch immer eine der interessantesten Romanfiguren, die es zu spielen gilt. In der neuesten Netflix-Mini-Serie Dracula hat der gebürtige Däne Claes Bang den Part übernommen und bietet uns über drei Folgen (à je 90 Minuten) einen Vampirfürsten, der charmant, sexy, brutal und blutgeil ist. Also genau so, wie wir ihn gerne haben möchten....

Die Geschichte von Dracula folgt der klassischen Vorlage von Bram Stoker. Der Besuch Jonathan Harkers im gruseligen Schloss, das Aufwachen des Grafen und die Reise nach London spielen mit spektakulären Szenen in der Vergangenheit. Die Serie im letzten Abschnitt macht hingegen einen Sprung in die Gegenwart, wo sich der Graf mit allerlei modernem Schnickschnack anfreunden muss. Erfreulicherweise legen die Macher von Sherlock dabei ein passendes Tempo vor, sparen nicht mit Gruselmomenten und setzen auf starke Darsteller.

Allen voran glänzt in Dracula natürlich Claes Bang, welcher auch in den ausweglosesten Situationen eine Gefährlichkeit ausstrahlt und dessen Darstellung man als Zuschauer bald erliegt. Er fährt die Schiene von Christopher Lee und macht dabei praktisch alles richtig. Seine grosse Gegenspielerin heisst Dolly Wells und zeigt sich vor allem in der ersten Folge als schlagfertige, sarkastische und wahnsinnig interessante Nonne von ihrer besten Seite. Wer die Story des Grafen ein bisschen kennt, der dürfte nicht überrascht sein, wenn dann auch bald ihr wirklicher Name enthüllt wird und man somit auf die klassische Konfrontation der Story setzt.

/ muri