Dolittle (2020)

Dolittle (2020)

Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
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  2. 101 Minuten

Filmkritik: Animals Assemble

Neulich im Züri Zoo
Neulich im Züri Zoo

Durch seine Fähigkeit, mit Tieren sprechen zu können, ist Doktor Dolittle (Robert Downey jr.) nicht nur ein viel aufgesuchter Arzt für Menschen, sondern auch einer, der Tiere aller Art empfängt und sie behandelt. Für seine Tätigkeit wurde Dolittle vor Jahren von der Königin von England mit einem prächtigen Anwesen belohnt, wo der Arzt seither praktiziert. Doch nach einem schweren Schicksalsschlag hat Dolittle der Welt den Rücken gekehrt, lebt mit seinen tierischen Freunden auf dem Anwesen und empfängt keine Gäste oder Patienten mehr.

Pain and Glory
Pain and Glory

Aber dann benötigt die Königin von England dringend Hilfe. Die einzige Möglichkeit, die Königin von einer schweren Krankheit zu retten, ist in See zu stechen, um eine sagenumwobene Insel zu finden, auf der es ein Heilmittel geben soll. Zusammen mit einem Papagei, einem Eisbären, einem Gorilla und weiteren Tieren geht Dolittle auf das Abenteuer seines Lebens.

Dolittle ist dank seiner herzigen Tier-Figuren ein gmögiger Kinderfilm, bei dem jedoch weit nicht alle Wortwitze zünden. Das Abenteuer, auf welches Robert Downey jr. mit seinen Tieren geht, hat genügend Tempo, um während 100 Minuten bei der Stange zu halten, auch wenn das grosse Finale dann etwas gar seltsam anmutet. Kein Muss, aber auch kein zweiter Cats, wie uns dies die Kritiker in den USA glauben lassen wollten.

Die US-amerikanischen Kritiker hatten zu Beginn des Jahres die Messer mal wieder gewetzt: Dolittle sei eine Vollkatastrophe. Ein Kritiker schrieb sogar, dass man wegen dieses Filmes dem Studio Universal Pictures nun auch Cats verzeihen könne. Da widersprechen wir jedoch vehement. Erstens werden wir noch viele Male unsere Augen auswaschen müssen, bis wir uns von Tom Hoopers Werk erholt haben und zweitens ist Dolittle bei weitem nicht so schlimm, wie es den Anschein hat.

Wirklich gut ist das 175 Millionen Dollar teure Projekt aber auch nicht. Man merkt dem Ganzen schon an, dass das Studio Nachdrehs von 21 Tagen veranlasste, weil die erste Version anscheinend nicht familienfreundlich genug war. Auch wenn es ein paar düstere Momente gibt, werden immer wieder Tierfiguren ins Zentrum gerückt, die lustige Sachen machen und sagen. So kommt Dolittle trotzdem sehr kindgerecht daher - auch wenn lange nicht alle Wortwitze ihr Ziel finden, sprich Lacher auslösen. So wird einmal ein tobender Vogelstrauss als "Angry Bird" bezeichnet. Wer jetzt nicht ein bisschen schmunzeln musste, wird es schwer haben.

Die Kleinen werden aber auf jeden Fall den grössten Spass haben, besonders wenn Dolittles Segelschiff unter anderem mit der Hilfe eines Wals versucht, einem Kriegsschiff zu entkommen. Die Tiercharaktere sind allesamt überzeugend animiert, und die meisten von ihnen sind schön kuschlig weich. Es scheint so, als wäre das Drehbuch von einem Kind geschrieben worden, das mit seinen Plüschtieren in den heimischen vier Wänden auf ein ausgedachtes Abenteuer geht. Nicht unsympathisch, diese Vorstellung.

Obwohl sich grosse Teile des Filmes auf hoher See abspielen, wird einmal auch Halt auf einer Insel gemacht. Dort gibt es Action- und Slapstick-Momente, welche an Spielbergs Tintin-Umsetzung und an die Pirates of the Caribbean-Filme erinnern. Von letzterer Reihe, genauer gesagt von Johnny Depps Jack Sparrow, liess sich offensichtlich auch Robert Downey jr. für seinen Dolittle inspirieren - übrigens des Schauspielers erste Rolle nach Avengers: Endgame. Die Titelfigur besitzt ebenfalls einen seltsamen Akzent und benimmt sich immer mal wieder sonderbar. Eine sehr gewöhnungsbedürftige Performance.

Mit einem angenehmen Erzähltempo tuckert dieses Unterhaltungsschiff dann zu einer sagenumwobenen Insel, wo ein feuriges Finale stattfindet. Wie die Helden schlussendlich an ihr Ziel gelangen, löst dann doch rechtes Kopfschütteln aus. Wir wollen hier nicht spoilern, aber man fragt sich beim Abspann schon, was die Macher genau geritten hat, um mit diesem lauen Lüftchen einer Auflösung zu fahren. Aber eben: Die Kinder werden giggelen - und das war wohl (nachträglich) das Ziel, das nun auch erreicht worden ist.

/ crs