The Dissident (2020)

The Dissident (2020)

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  2. 119 Minuten

Filmkritik: Arabian Horror Story

16. Zurich Film Festival 2020
© Zurich Film Festival

Der berühmte arabische Journalist Jamal Khashoggi und seine zukünftige Verlobte Hatice Cengiz konnten noch nichts von dem baldigen Gräuel ahnen, als sie sich am 2. Oktober 2018 auf dem Weg zum arabischen Konsulat in Istanbul machten. Eigentlich ging es ihnen dabei nur darum, sich die nötigen Papiere für ihre geplante Hochzeit zu organisieren. Doch nachdem sich Khashoggi alleine in das Konsulat begeben hatte, sollte er niemals wieder daraus herauskommen. Er wurde das Opfer eines brutalen Mordes, der rund um die Welt Schlagzeilen und Empörung auslöste.

Doch wie kam es zu diesem Mord? Warum hatte Khashoggi sich einen solchen Hass von Seiten des Regimes Saudi Arabiens zugezogen? Dies sind nur wenige der Fragen, mit denen sich diese Dokumentation befasst. Verschiedenste Beteiligte an den Untersuchungen, als auch engste Angehörige von Khashoggi selbst, kommen dabei zu Wort. Auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird dabei gründlich durchleuchtet. Kam der Befehl zum Mord von seiner Seite, oder handelten seine treusten Untergegeben doch nur aus eigenen Rachegelüsten?

Mit The Dissident präsentiert Dokumentarfilmer Bryan Fogel einen Film, der voll in die Magengrube geht. Sowohl die schockierenden Informationen als auch die spannende Inszenierung im Stile eines Politthrillers halten die Zuschauer während der gesamten Länge ohne Probleme bei der Stange. Zwar hätte es stellenweise auch eine weniger plakative Darstellungsweise getan, doch solange der Film auf eine so packende Art und Weise seine Geschichte erzählt, sei ihm das gegönnt. Ein Film der alleine wegen seiner Thematik von möglichst vielen Menschen gesehen werden sollte.

Als sich im Oktober 2018 der Vorfall um Khashoggi ereignete, konnte man sich nur schwer der weltweiten Berichterstattung entziehen. Der erste Gedanke über eine Dokumentation, welche sich gerade mit diesem Thema befasst, könnte nun sein, dass man doch schon alles darüber wisse. Doch Regisseur Bryan Fogel beweist mit seinem Werk, dass zum Thema noch weit nicht alles gesagt worden ist. Man merkt dem Film an, dass noch einiges an zusätzlicher Recherche von Seiten des Filmteams in die Thematik investiert wurde, welche oftmals haarsträubende Fakten hervorbrachte.

Dabei wurde dem Regisseur auch vieles an Ermittlungsmaterial von den türkischen Behörden überlassen, und auch Vertreter der CIA und der UNO kommen zu Wort. Oft benutzt Fogel auch computergenerierte Bilder, um das Hacken von Telefonen oder die Twitter-Beeinflussung visuell darstellen zu können. Vereinzelt übertreibt er es dabei auch ein bisschen, wie es ein Angriff auf Twitter durch «Trolle», hier durch Bienen dargestellt, beweist. Zuweilen erinnern die Bilder auch ein bisschen zu gar an eine Zwischensequenz aus dem Videospiel Call of Duty oder an die bekannte TV-Serie 24.

Dies sind jedoch nur Einzelfälle. Sonst punktet der Film nämlich gerade mit seiner Darstellung im Stile eines spannenden Politthrillers. Es ist eine Dokumentation, die bewusst aneckt und provoziert. Doch wenn man dem Film Glauben schenken darf, ist gerade eine solche Provokation auch nötig, um die Verantwortlichen für den Mord an Khashoggi zur Rechenschaft ziehen zu können. Es ist denn auch wünschenswert, dass der Film ein grosses Publikum erhält, damit die untragbaren Zustände auf korrekte Weise angegangen werden und doch noch ein Stückchen Gerechtigkeit eintritt.

Olivier Nüesch [oli]

Olivier schreibt seit 2012 für OutNow. Begonnen hat seine Filmleidenschaft schon sehr früh mit dem CGI-freien «Dschungelbuch». Mit der Gemütlichkeit probiert er es als Popkulturfreak nun jedoch auch mithilfe von Serien, Games, Büchern und Comics.

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