Da 5 Bloods (2020)

Da 5 Bloods (2020)

  1. ,
  2. 154 Minuten

Filmkritik: Rumble in da Jungle

Netflix
Ich scharre und in der Hand halte ich 'ne Knarre
Ich scharre und in der Hand halte ich 'ne Knarre © Netflix

Die vier Afroamerikaner Otis (Clarke Peters), Eddie (Norm Lewis), Paul (Delroy Lindo) und Melvin (Isiah Whitlock Jr.) treffen sich nach vielen Jahren in Ho-Chih-Minh-City wieder. Sie sind Vietnam-Veteranen und machen sich auf die Suche nach den sterblichen Überresten ihres Kommandanten Stormin‘ Norman (Chadwick Boseman), der damals im Krieg gefallen ist. Ganz in der Nähe hatten sie auch ein abgestürztes CIA-Flugzeug entdeckt, das eine Kiste Goldbarren geladen hatte, um die lokale Bevölkerung für ihren Widerstand gegen die Vietkong zu bezahlen. Falls sie es finden, haben sie vor, es ihrer Bevölkerung zukommen zu lassen.

Old School Hip-Hop
Old School Hip-Hop © Netflix

Otis besucht die Geschäftsfrau Tiên Luu, die ihnen helfen soll, das Gold in Geld umzusetzen und aus dem Land zu schaffen. Die beiden hatten damals eine Affäre, aus der die gemeinsame Tochter Michon (Sandy Huong Pham) hervorgegangen ist. Sie ist in Vietnam wegen ihrer gemischten Herkunft das ganze Leben diskriminiert und ausgegrenzt worden. Tiên Luu leitet die vier Veteranen an den Händler Desroche (Jean Reno) weiter, der den Deal für die Transaktion einfädeln soll. Da sie nicht ortskundig sind, heuern sie den Vietnamesen Vinh Tran (Johnny Nguyen) als Fremdenführer an.

Regisseur Spike Lee hat einen gelungenen Abenteuer-/Kriegsfilm inszeniert. Er thematisiert fernab des Gutmenschentums die Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA während des Konflikts in Vietnam. Die Reise in den Dschungel ist für die Figuren auch eine Reise zu sich selbst, und daraus ergibt sich eine spannende Wechselwirkung.

Der Film ist immer wieder mit Beispielen aus der Geschichte der Vereinigten Staaten unterlegt, die als Treiber der Story fungieren. Eine einheimische Radiomoderatorin spricht auf Sendung mit den afroamerikanischen US-Soldaten und stellt dabei die grundlegende Frage: Wieso ziehen afroamerikanische Streitkräfte für ein Land in den Krieg, das ihnen zuhause ihre grundlegenden Rechte negiert? Nun gut, sie hatten keine Wahl, und das zeigt die Tragik der afroamerikanischen Geschichte in den USA.

Der Film stellt einen erklärten Bezug zur Bewegung Black Lives Matter her, aber er touchiert das damit oft verbundene Gutmenschentum nur zwei Mal ganz kurz. Er thematisiert die Herausforderungen der Afroamerikaner im Alltag der USA sehr authentisch und stellt dabei den Menschen in den Vordergrund. Die Geschichte hat dadurch einen grossen Schwung. Diesen hält sie über den ganzen Film, der mit 154 Minuten doch eine stattliche Länge hat.

Da 5 Bloods ist ein beeindruckendes Stück über Schuld und Sühne. Sehr schnell fällt auf, dass die Thematik bei Weitem nicht nur die vier Hauptfiguren betrifft. In Vietnam stossen sie bei der einheimischen Bevölkerung sehr oft auf harsche Ablehnung. Die Suche nach ihrem Kommandanten und dem Gold ist aber auch ein Kampf zwischen Gier und Wohltätigkeit. Die Gier diskriminiert niemanden und ist zu allen Menschen neutral. Es geht darum, was wir aus ihr machen oder eben nicht.

Spike Lee kann in seinem jüngsten Werk auf ein exzellentes Schauspielerensemble zählen. Delroy Lindo als Vietnam-Veteran, der noch heute von seiner posttraumatischen Belastungsstörung geplagt wird, zeigt dabei grosse Klasse. Die Annäherung an seinen entfremdeten Sohn, der auf die Reise mitkommt, geht unter die Haut, aber in der Mitte des Filmes wirkt sie oft wie ein aus der Hüfte geschossenes Hin und Her.

Auch die Nebenrollen sind stark besetzt. Die noch wenig bekannte Mélanie Thierry als schwerreiche Idealistin Hedy taucht plötzlich als Minenräumerin im Dschungel und hält mit ihrer starken Präsenz mit den anderen Schauspielern sehr gut mit. Jean Reno als dubioser Geschäftsmann macht seine Sache sehr gut, ohne dass er dabei aber wirklich aus sich herauskommen muss. Der Film zeigt in Rückblenden, wie es den vier Hauptfiguren im Vietnamkrieg ergangen ist. Chadwick Boseman zeigt dabei als Kommandant Stormin‘ Norman, was für ein grosser Mime er war.

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss, aber er hat diese Zeit genossen. Er liebt die grosse Anzahl an denkwürdigen Filmen, aber drei Leute bilden für ihn das Triumvirat: Sergio Leone, Robert De Niro und Marlon Brando.

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Kommentare Total: 2

gia

Filmkritik: Rumble in da Jungle

oscon

Es ist typisch für die heutige Medienlandschaft, das (Leit-)Medien aktuelle Geschehnisse (leider) in Filme hinein interpretieren.
Für mich wirkt das leider nur "gesucht", nichts weiter...nur weil ein Film aktuelle Geschehnisse aufzugreifen scheint(?), ist er nicht besser!
Zum Film: Leider verdreht Spike Lee etwas die Geschichte 'rund um den Vietnamkrieg.
Nicht mal 66% der Afroamerikaner bestanden (mangels Schulbildung ?) den Aufnahmetest für den Einsatz in Vietnam.
So gesehen mutet der Film mit einem reinen schwarzen Team (dazu noch in der 1. Kavalerie Big Red One) etwas gar wie "Science Fiction" an., da falsch (?) rechchiert...
Der Film ist zwar technisch (z.B. mit den Kriegseinblendern) gut gemacht, ist zwischenzeitlich jedoch etwas gar langatmig und z.T. gespickt mit unglaubwürdigen Situationen.
Gerade die "Minenszene" wird durch zig vorhergehende Einstellungen richtig "heraufbeschworen", andere Szenen Tarantino-like "übertrieben" (aber uncool) dargestellt...
Schauspielerisch gefallen eigentlich mehrheitlich die Nebenrollen, wie Y. Lan als geheimnisvolle Tien, sowie (wie immer) Jean Reno und Johnny Nguyen als Vinh.
Delroy Lindo ist mit seinem manisch leuchtenden Augen solide, "Black Panther" Chadwick Boseman als glorifizierter Marcolm X Verfechter eher schwach (und unglaubwürdig).
Was bleibt, ist ein "Motherfucker-Bro" Film, der langatmigen Sorte ! 2 Sterne (**)

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