The Courier (2020)

The Courier (2020)

Der Spion
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  2. 112 Minuten

Filmkritik: Cheers, Genosse!

16. Zurich Film Festival 2020
«Du bisch ja voll strange.» - «Nei, das isch kein Marvelfilm.»
«Du bisch ja voll strange.» - «Nei, das isch kein Marvelfilm.» © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Der sowjetische Offizier Oleg Penkoskvy (Merab Ninidze) fühlt sich immer mehr distanziert von den Kriegsplänen seines Heimatlandes Russland. Aus diesem Grund beschliesst er, streng geheime Nuklearpläne seiner Nation den Geheimdiensten des Westens anzubieten. Dem britischen Geheimdienst MI6 und der amerikanischen CIA stellt sich nun jedoch die Frage: Wie können sie diese wichtigen Informationen von Penkoskvy erhalten, wenn sich dieser nicht ausserhalb von Russland bewegen kann? Die Antwort findet sich in einem englischen Geschäftsführer namens Greville Wynne (Benedict Cumberbatch), der unter einem geschäftlichen Vorwand nach Russland reisen soll, um Penkoskvy zu treffen und die wichtigen Nuklearpläne in den Westen zu bringen.

«Ich heisse Wynne.» - «Aha, super usegfunde, Sherlock!»
«Ich heisse Wynne.» - «Aha, super usegfunde, Sherlock!» © Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved.

Nach dem ersten Aufeinandertreffen in Russland entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem Engländer und dem Russen. Wynne unternimmt eine grosse Anzahl an Reisen nach Russland, um möglichst viele geheime Informationen den westlichen Geheimdiensten übergeben zu können. Doch der russische Geheimdienst droht mit seinen eigenen Ermittlungen dem geheimen Treiben Wynnes auf die Spur zu kommen. Und auch dessen Privatleben in England droht aufgrund seiner ständigen Abwesenheit ins Chaos zu stürzen.

The Courier alias Ironbark ist ein hochspannendes Stück Agentenfilm, welches sich vor allem durch seine gekonnte Inszenierung und das tolle Schauspiel von Benedict Cumberbatch und Merab Ninidze auszeichnet. Klar, alles läuft in ziemlich gewohnten Bahnen, wie man es sich von den meisten historischen Agentenfilmen gewohnt ist. Dennoch besitzt der Film eine genügend hohe Anzahl an eigenen Kniffs und Twists, um auch langfristig in Erinnerung zu bleiben.

The Courier oder etwa doch Ironbark? Lange Zeit war letztere Bezeichnung nämlich der Name, der für das Werk von Regisseur Dominic Cooke gewählt wurde. Nach Aussage Cooks kam der Namenswechsel jedoch zustande, weil man das Gefühl hatte, der Fokus des Films liege eher auf der Rolle von Benedict Cumberbatch als auf jener von Merab Ninidze, der im Film als «Ironbark» bezeichnet wird. Ob das schlussendlich wirklich der Fall ist, darüber lässt sich streiten, da beide die grosse Last des Films auf ihren Schultern tragen müssen. Hatte man vielleicht doch einfach nur Bedenken, den weitaus bekannteren Cumberbatch zu wenig in den Fokus zu rücken?

Wie dem auch sei, klar ist, dass die beiden Schauspieler auf gleichem Niveau agieren und die ungewöhnliche Freundschaft gekonnt darzustellen wissen. Auch die von der Amazon-Serie The Marvelous Mrs. Maisel bekannte Rachel Brosnahan weiss durch ihre Darstellung der taffen CIA-Agentin zu überzeugen.

Dominic Cooke scheint es daran gelegen gewesen zu sein, seine Geschichte schnörkellos und klar zu erzählen, wobei auch eine Huldigung an den klassischen Agentenfilm spürbar bleibt. Doch anstatt dass dies zu einer langweiligen Geschichtsstunde mit den üblichen «Twists and turns» verkommt, lockt Cooke dem Genre eine menschliche Komponente ab, welche vor allem gegen Ende hin zu berühren weiss. Vor allem in der ersten Hälfte weiss das Drehbuch auch von der todernsten Stimmung abzuweichen und bietet viel Humor und tolle Dialoge zwischen den Charaktern.

In Sachen Aufbau und Struktur könnte man dem Film vorwerfen, ein bisschen zu sehr auf der sicheren Seite zu agieren. Doch solange eine so gute Unterhaltung wie hier geboten wird, nimmt man das gern hin. Denn schlussendlich ist es die Geschichte des Filmes, welcher auf wahren Ereignissen beruht, wert, erzählt und von Zuschauern erlebt zu werden.

Olivier Nüesch [oli]

Olivier schreibt seit 2012 für OutNow. Begonnen hat seine Filmleidenschaft schon sehr früh mit dem CGI-freien «Dschungelbuch». Mit der Gemütlichkeit probiert er es als Popkulturfreak nun jedoch auch mithilfe von Serien, Games, Büchern und Comics.

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