Concrete Cowboy (2020)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Horsin' Around

45th Toronto International Film Festival
Howdy!
Howdy! © Courtesy of TIFF

Der 15-jährige Cole (Caleb McLaughlin) hat sich überhaupt nicht unter Kontrolle, weshalb mal wieder die Polizei in seiner Schule vorstellig werden muss. Seine Mutter hat genug von ihrem Bengel und fährt diesen von Detroit in das 600 Meilen entfernte Philadelphia, wo Cole bei seinem Vater Harp (Idris Elba) leben soll, von dem er schon seit Jahren nichts mehr gehört hat. Wie Cole schnell merkt, ist Harp ein schweigsamer Einzelgänger, der mehr Interesse an Pferden als an seinem Sohn zeigt. Denn Harp ist Mitglied beim Fletcher Street Urban Riding Club, einer Gruppe von Afroamerikanern, die sich im Norden Philadelphias den Pferden verschrieben hat.

Jetzt kommt doch mal von eurem hohen Ross herunter.
Jetzt kommt doch mal von eurem hohen Ross herunter. © Courtesy of TIFF

Cole kann erstmal damit gar nichts anfangen und hängt stattdessen mit seinem Kumpel Smush (Jharrel Jerome) ab, den er noch aus seiner Kindheit kennt. Doch da Smuth mit Drogen zu tun hat, droht Cole in ein gefährliches Metier abzurutschen. Harp möchte dies natürlich verhindern und nimmt Cole in den Pferde-Club auf. Doch dessen Existenz wird bedroht durch genervte Anwohner, die sich über den Gestank beschweren.

Concrete Cowboy zeigt eine interessante Gruppe von afroamerikanischen Reitern, die in Philadelphia Gutes bewirken wollen. Dies basiert auf Fakten. Da ist es schade, dass Regisseur Ricky Staub mit einer faden Coming-of-Age-Story die Sicht auf diese spannende Welt der Grossstadtcowboys versperrt und stattdessen die Pferde auf ausgelatschte Pfade des Genres führt.

Den im Film gezeigten «Fletcher Street Urban Riding Club» gibt es wirklich. Wie es auf der offiziellen Website heisst, ist der Club für viele Kinder im Norden Philadelphias der einzige sichere Ort, an dem sie betreut werden, sich wohl fühlen und wichtige Lektionen in Verantwortung und Disziplin lernen. Eine tolle Sache also und sicher einen Dokumentarfilm wert. Nur ist Concrete Cowboy ein Coming-of-Age-Drama, welches zu viele Klischees des Genres abarbeitet, anstatt einen wirklichen Einblick in diese verschworene Community zu bieten.

Es ist ein beliebtes Stilmittel, sich einer nicht bekannten Welt in Filmform mit einer Aussenseiterfigur zu nähern. Denn alles, was dieser Protagonist sieht und lernt, ist auch für den Grossteil des Publikums neu. Wir erkunden so die Welt mit der Hauptfigur. Leider trägt der im Film zentrale Cole seinen eigenen, mit Problemen gefüllten Rucksack mit sich herum, hat erstmal überhaupt keinen Bock auf Pferde und verrennt sich stattdessen in einem Drogendeal-Subplot, der viel zu viel Zeit einnimmt.

Vor allem in der ersten Hälfte führt dies zu vielen Längen, da der Film eigentlich fast nur zwischen Party- und Stallausmisten-Szenen abwechselt. «Aber was ist denn jetzt genau mit diesen Grossstadt-Cowboys?», möchte man die Leinwand anschreien. Denn das wäre das eigentlich Interessante. Alles andere haben wir zu Genüge gesehen und wissen schnell, dass das mit den Drogen zwangsläufig furchtbar schief geben muss.

Natürlich möchte der Film so die Gefahren aufzeigen, die es für junge Menschen in so einer Gegend gibt. Verfällt Cole dem Lockruf der Partys, der Drogen und des Geldes oder erkennt er mit Hilfe der Pferde und des Clubs, dass ein anständiges Leben besser ist? Schade, dass die Art, wie der Protagonist auf die schiefe Bahn gerät, dermassen klischeehaft ist, dass man dies irgendwann nicht mehr ernstnehmen kann. Zudem schafft es Stranger Things-Star Caleb McLaughlin nicht wirklich, Emotionen bei den Zuschauern auszulösen. Der grösste Star des Filmes, Idris Elba, bleibt zudem eher im Hintergrund.

So sind es letzten Endes die in Nebenrollen auftretenden echten Mitglieder des «Fletcher Street Urban Riding Club», die dem Film ein Herz geben. Von ihnen würde man gerne mehr sehen - wie bereits erwähnt besser in einem Dokumentarfilm über das Thema.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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