Cinquième set (2020)

Cinquième set (2020)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: Spiel, Satz, Sieg?

16. Zurich Film Festival 2020
Siiiiiiiiii!!!
Siiiiiiiiii!!! © Praesens Film

Mit 37 möchte der alternde Tennisprofi Thomas Edisson (Alex Lutz) nach mehreren Knieoperationen unbedingt ein Comeback geben. Sein Arzt rät ihm davon ab, denn er hat genetisch gesehen einfach keine guten Bänder in den Knien. Dennoch trainiert er verbissen für sein Comeback. Seine äusserst verständnisvolle Frau Eve (Ana Girardot) steht voll hinter ihm. Das Verhältnis zu seiner Mutter Judith (Kristin Scott Thomas) ist angespannt. Sie hat ihn als Tennis-Trainerin bis fast an die Spitze geführt und gibt Thomas immer wieder gut gemeinte Ratschläge. Er hat jedoch Mühe, sie anzunehmen und nimmt sie etwas süffisant auf, aber befolgt sie schlussendlich.

Als Thomas keine Wild Card für das French Open bekommt, geht er durch die Qualifikation. Stets hat er das Halbfinale von 2001 vor Augen, als er nach einem Matchball doch noch verlor. Die ersten Erfolge stellen sich mittlerweile ein, aber er spielt nicht mit viel Freude. Die Beziehung zu seiner Frau beginnt darunter zu leiden.

Der Film ist irgendwie nach hinten losgegangen. Die Sportszenen sind mit vielen Zeitlupen sehr ästhetisch gefilmt, aber das Drehbuch und die Geschichte bleiben auf der Strecke. Die Gratwanderung zwischen Talent, Verbissenheit und Älterwerden hat grosses erzählerisches Potential, das auf dem Tennisplatz in Roland Garros aber im wahrsten Sinne des Wortes versandet.

Die Sportwelt ist voll von prominenten Comebacks. Die Risiken und Schattenseiten sind dabei offensichtlich, denn längst nicht immer waren sie vom Erfolg gekrönt. Michael Schumacher drehte im Mercedes während drei Jahren seine Ehrenrunden, konnte aber nicht an seine Erfolge anknüpfen. Lance Armstrong versenkte mit seinem Comeback sogar seine ganze Karriere, wäre er doch ohne Wiedereinstieg wohl ungeschoren davongekommen. Die Geschichte des Comebacks eines alternden Tennisspielers, der zu seinen besten Zeiten nahe bei an der Spitze war - aber auch nicht mehr - hat zwar viel Potenzial, erweist sich aber schlussendlich als überflüssig.

Der Film stellt am Anfang sehr spannende Fragen in den Raum. Ist ein Comeback seine Mühe wert? Hatte und habe ich genug Talent dazu? Wo ist mein Platz nach meiner Karriere? Wo ist die Quelle meines Selbstwertgefühls? Kampfgeist, Elan und Krampf sind gerade bei einem Comeback nahe beieinander und logischerweise hat diese Gratwanderung Einfluss auf das nahe Umfeld von Thomas Edison. Es ist spannende Ausgangslage, aber das schwache Drehbuch nimmt dem Film den Drive. Hinzu kommt, dass der Hauptdarsteller Alex Lutz einfach zu wenig Präsenz hat. Sowohl Ana Girardot als seine Frau Eva und Kristin Scott Thomas als seine Mutter Judith spielen ihn komplett an die Wand. Mit einem guten Drehbuch wäre der Unterschied da wohl noch viel grösser gewesen.

Dem Film fehlt der Erzählrhythmus. Die Sportaufnahmen in Zeitlupe sind schön anzuschauen, aber es gibt einfach zu viele davon. Es ist zugegebenermassen sehr schwer, die Dramatik eines Live-Spiels mit ungewissem Ausgang in einem Spielfilm zu inszenieren. Die Tennisspiele sind schön gefilmt, aber im echten Tennis ist es einfach spannender.

Giancarlo Schwendener [gia]

Giancarlo ist James Bond 15 Jahre lang auf Augenhöhe begegnet. Mit dem Abgang von Daniel Craig ist damit vorerst Schluss, aber er hat diese Zeit genossen. Er liebt die grosse Anzahl an denkwürdigen Filmen, aber drei Leute bilden für ihn das Triumvirat: Sergio Leone, Robert De Niro und Marlon Brando.

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