Capone (2020)

Capone (2020)

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  3. 103 Minuten

Filmkritik: Wenn Gangsterboss auf Pennywise und Bugs Bunny trifft

Piff, Paff, Puff
Piff, Paff, Puff © 2021 LEONINE DISTRIBUTION GMBH - ALLE RECHTE VORBEHALTEN.

Nach zehnjähriger Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung lebt Al Capone (Tom Hardy) mit seiner Familie in einem luxuriösen Anwesen in Florida. Aufgrund seiner (Neuro-)Syphilis-Erkrankung befindet sich Capone in einem psychisch labilen Zustand. Albträume und Wahnvorstellungen prägen seinen Alltag. Aber nicht nur die Psyche, auch der der Rest des Körpers gehorcht ihm nicht mehr. Von der früheren medialen Glanzerscheinung Capone ist nicht mehr viel übrig.

«Sorry, verwählt.»
«Sorry, verwählt.» © 2021 LEONINE DISTRIBUTION GMBH - ALLE RECHTE VORBEHALTEN.

Dennoch beobachtet das FBI jeden Schritt und belauscht jedes gesprochene Wort des weltberühmten Gangsterbosses. Schliesslich wird vermutet, dass er noch irgendwo zehn Millionen Dollar versteckt hat. In seiner geistigen Umnachtung kann sich Capone aber selbst nicht daran erinnern, wo dieser Schatz verborgen sein könnte. Wenigstens befindet sich Capones Frau Mary (Linda Cardellini) an seiner Seite, obschon auch sie vor einem finanziellen Scherbenhaufen steht.

Identifiziert man sich gerne mit Hauptfiguren, funktioniert dieser Film gut. Denn am Ende fühlt man sich verwirrt wie Al Capone. Dies liegt vor allem an der schauspielerischen Leistung Tom Hardys, der aus wenig Text viel Wirkung hervorzaubert. Kombiniert mit einzelnen Momenten, deren Tragik einen zum Lachen bringen, lohnen sich die kurzweiligen 103 Minuten durchaus.

Wer in der Gelateria vor den aufgereihten Kübeln verschiedener Eissorten steht und sich für Basilikum-, Rosmarin- oder Knoblaucheis entscheidet, sollte sich Capone anschauen. Regisseur Josh Trank lässt einen mit diesem Film verwirrt zurück. Sollte der Film traurig sein? Lustig? Spannend? Man weiss es nicht. Genauso wenig weiss man, ob Kräuter wie Basilikum als Eis taugen. Diese Irritation passt allerdings zur Hauptfigur Al Capone, die sich durch ihre Wahnvorstellungen auszeichnet und Sein und Schein nicht mehr voneinander trennen kann. Vergleiche mit Filmen wie Hide and Seek, Shutter Island oder Joker - letzterer hat dieselben Produzenten wie Capone - drängen sich während des Schauens aber wie von selbst auf.

Verglichen mit anderen Filmen, in denen er mitspielte, gehört Capone sicherlich zu den besseren Leistungen Tom Hardys. Zu sehen und hören, mit wie wenig Worten und mit wie viel Mimik und Blicken dieser Mann Wirkung erzeugt, lässt einen sprachlos werden. Auch die Arbeit von Linda Cardellini kann nur gelobt werden - zumindest solange man zu den Menschen gehört, die in der Gelateria immer wieder zur Kugel Vanilleeis greifen. Cardellini scheint sich in der Rolle als fürsorgliche Ehefrau und Mutter schlichtweg wohlzufühlen (siehe Daddy's Home, Avengers: Age of Ultron, Green Book).

Ganz klassisch zeigt sich auch die Gartendekoration Capones in seinem monumentalen Anwesen in Florida. Statuen griechischer Götter und Göttinnen zeigen die vermeintliche Unsterblichkeit des US-amerikanischen Mobsters. Doch parallel zur stetigen Verschlechterung von Capones Gesundheitszustand werden die Büsten verpackt und wegtransportiert. Diese Tragik wird immer weiter gesteigert. Spätestens wenn Capone anstelle einer Zigarre eine Karotte in seinem Mund pafft, lässt sich ein kurzes Lachen nicht unterdrücken. So fies es klingen mag: Dem Zerfall von Al Capone auf diese irritierende Weise zuzuschauen, macht aus filmischer Perspektive Freude. Zwischendurch schmeckt ja auch eine Kugel Basilikumeis ganz interessant.

Thomas Abplanalp [abt]

Thomas schreibt seit 2015 als Freelancer Filmkritiken für Outnow. Kinematografisches impressioniert nämlichen ohnegleichen: Filmisches ist leidenschaftlich multiplex. Originalität und traumhafte Nostalgie orchestrieren wunderbar.

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Trailer Englisch, 01:26