Bruised (2020)

Bruised (2020)

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  2. 129 Minuten

Filmkritik: The Pretty Bull is done!

Netflix
Wer kann böser gucken?
Wer kann böser gucken? © Courtesy of TIFF

Jackie Justice (Halle Berry) ist eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, deren letzter Kampf aber in einem Skandal endete, als sie über das Ringgitter floh. Nun sitzt sie im sozialen Nirgendwo, wird von ihrem Freund (und Manager) durch den Untergrund gezogen, wo sie für Geld kämpfen soll. Zwischen Alkohol und heimischer Prügelei muss sich Jackie damit abfinden, dass ihr Leben kaum schlechter werden kann, wenn sie sich nicht selbst aus der Gosse zieht. Als eines Tages dann auch noch ein kleiner Bub vor der Türe sitzt, der sich als Jackie's leiblicher Sohn herausstellt, ist die tapfere Frau am Ende.

Knuddelzeit mit Käsebelag
Knuddelzeit mit Käsebelag © Courtesy of TIFF

Einen Hoffnungsschimmer hat die Kämpferin aber: Als sie sich wieder in der Trainingshalle blicken lässt, zieht sie die Aufmerksamkeit des Promoters «Immaculate» (Shamier Anderson) auf sich. Der ist überzeugt, dass die MMA-Karriere von Jackie Justice noch nicht vorüber ist und setzt sie bei Trainerin Buddhakan (Sheila Atim) auf die Trainingsliste. Mit einem potenziellen Titelkampf vor den Augen muss Jackie nun ihr Leben im und ausserhalb des Ringes ins Reine bringen. Als die Chance für die Wiedergutmachung in ihrem Sport tatsächlich wahr wird, braucht Jackie alle Unterstützung, die sie kriegen kann, um endlich alleine auf ihren Beinen stehen zu können.

Bruised spielt seine Stärken in den Szenen ausserhalb des Ringes aus, in denen Halle Berry zeigen kann, warum sie damals von der Academy ausgezeichnet wurde. Das Setting mit dem MMA-Ring sorgt zwar für etwas Action und vielleicht auch Nervenkitzel, bleibt aber halt nur der Rahmen für die familiäre Dramatik. Die ist allerdigns stark gespielt und solide erzählt.

Halle Berry kennen wir natürlich als Schauspielerin, die beispielsweise für ihre Rolle in Monster's Ball mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Weitere Parts in Filmen wie X-Men, Swordfish oder Kidnap liessen die hübsche Dame aus Cleveland zum Hollywoodstar aufsteigen. Nun wagt sich Halle hinter die Kamera und präsentiert mit Bruised nicht nur ihr Regie-Debüt, sondern vor allem ein überlanges Drama, das aber der Hauptdarstellerin (naürlich Berry selber) viel abverlangt.

Bruised versucht dabei den Spagat zwischen Sportfilm und persönlicher Tragödie, wobei der Fokus stärker auf dem Privatleben der Hauptfigur liegt, welcher wir in die Gosse folgen und sie dann beim «rauskämpfen» unterstützen. Dass dabei der schlagwütige Freund, die unverstandene Grossmutter und die verständnisvolle (und mehr) Trainerin nicht fehlen dürfen, kommt nicht ganz überraschend. Richtig, der Weg von Bruised geht einer vorgegebenen Route nach, von der Regisseurin Berry nicht abweicht und somit auch keinerlei Wendungen oder Überraschungen bietet.

Während Berry in den überzeugend gespielten Familiensequenzen ihre Stärke zeigt, versucht sie das noch zusätzlich mit harten Kämpfen zu untermalen. Hier kriegt sie, wir haben es erwartet, erstmal die Schnauze poliert, bevor es dann mit beinhartem Training in Richtung Comeback geht. Dabei scheint der Star an den Trainingsmontagen mit Musikuntermalung Gefallen gefunden zu haben, denn diese präsentiert sie gleich mehrfach. Dreckige Strassen, ungemütliche Umgebung und ein fetter Beat. So werden Champions gemacht, das hat uns schon Rocky demonstriert ;)

So bleibt ein Film, in dem sich die Hauptfigur von ihrer verletzlichsten Seite zeigt und Halle Berry damit punkten kann. Das ganze Drumherum ist zwar beeindruckend und zeigt den Aufwand, welchen der Star betreiben musste, bleibt aber trotzdem sekundär.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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