Bronx (2020)

Bronx (2020)

Banden von Marseille
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  2. 116 Minuten

Filmkritik: Bärtige böse Jungs im Kugelregen

2. OutNow Film Festival 2021
Die neuste Bad-Boy-Kollektion ist da!
Die neuste Bad-Boy-Kollektion ist da! © Netflix

In der Hafengegend von Marseille kommt es in einer Bar zu einem brutalen Mordanschlag. Das blutige Massaker fordert vierzehn Todesopfer und mehrere Verletzte, wobei es sich bei diesen mehrheitlich um arabischstämmige Bandenmitglieder handelt. Einem der Überlebenden werden Verbindungen zur korsischen Mafia nachgesagt. Richard Vronski (Lannick Gautry), Anführer der Antigang-Einheit der Polizei von Marseille, kauft diesem nicht ab, dass er rein zufällig als Gast vor Ort war, als es zum Anschlag kam. Er vermutet, dass die Korsen hinter dem kriminellen Akt stecken, doch eine Befragung des Überlebenden wird ihm verunmöglicht. Dies übernimmt der zwielichtige Mario Costa (Moussa Maaskri) vom Drogendezernat.

Reno kommt, um zu renovieren.
Reno kommt, um zu renovieren. © Netflix

Neben Costa erschwert auch der neue Polizeichef Ange Leonetti (Jean Reno) Vronski die Arbeit. Statt ihn und dessen Einheit zu unterstützen, übt er mit harscher Kritik grossen Druck auf sie aus. Um sein Team zu schützen und die Banden effizient zu bekämpfen, sieht sich Vronski gezwungen, nach seinen eigenen Regeln zu handeln und seine eigenen Methoden anzuwenden. Denn Korruption und Verrat sind innerhalb der eigenen Reihen bereits tief verankert.

Olivier Marchals Bronx versucht so angestrengt, ein knallharter, cooler Crime-Thriller zu sein, dass der Film nur noch lächerlich wirkt und kläglich scheitert. Den wichtigen Figuren wird keinerlei Tiefe oder Entwicklungsspielraum gewährt, bei den Actionszenen wird mehrheitlich auf einen Spannungsaufbau verzichtet und die Erzählung verkommt im ganzen Kugelhagel sowieso zur Belanglosigkeit. Weder all die schön getrimmten Bärte und gutsitzenden Frisuren noch die Schauspielgrössen Jean Reno und Claudia Cardinale können dieses Werk retten.

Der französische Schauspieler und Regisseur Olivier Marchal (MR 73, Les Lyonnais) war in seiner Vergangenheit als Inspektor bei der Kriminalpolizei von Versailles sowie bei der Antiterroreinheit tätig. Es überrascht also wenig, dass er sich mit seinem Filmschaffen als Regisseur seit der Jahrtausendwende vorwiegend dem Genre des Krimis und des Thrillers widmet. Und es wäre zu erwarten, dass sich seine Erfahrungen als Polizist auch in psychologischer Hinsicht in der Erzählung all seiner Filme widerspiegelt. Leider trifft dies auf sein neustes Werk Bronx nicht zu.

Statt seinen Figuren psychologische Tiefe zu verschaffen, wird hier der Fokus eindeutig anders gelegt. Fast schon verzweifelt wird versucht, aufzuzeigen, wie knallhart es in diesem Metier zu- und hergeht. Es wird schonungslos drauflosgeballert und die Gangster und Polizisten sterben weg wie die Fliegen. Für emotionale Momente wird nicht im Geringsten Platz geschaffen, womit es den Zuschauern schwerfällt, irgendeiner der Figuren nachzutrauern, geschweige denn, sich mit ihnen zu identifizieren. Zudem werden insgesamt viel zu viele Figuren in die Geschichte eingeführt, ohne dass diesen eine wesentliche Bedeutung für den Verlauf der Erzählung zukommt, was es schwierig macht, all die Namen zuzuordnen.

Korruption und Verrat werden von Beginn weg in derart hohem Masse präsentiert, dass sie keinerlei Überraschung mehr generieren und somit belanglos werden. Und Spannung wird kaum kreiert, weil sich der Film sogar bei den eigentlich ansprechend umgesetzten actionreichen Szenen keine Zeit nimmt, diese sorgfältig aufzubauen.

Wer sich gute französische Cop-Thriller und Kriminalfilme anschauen will, ist mit Werken wie Les rivières pourpres, La French oder ganz aktuell Les Misérables definitiv besser bedient.

Gianluca Izzo [gli]

Gianluca ist seit 2013 als Freelancer für OutNow tätig. Er liebt es, verborgene Perlen an Filmfestivals zu entdecken, insbesondere in Venedig. Neben seinem Faible für italienische und skandinavische Filme bewundert er die Werke von Scorsese, Lynch, Villeneuve und Chazelle sowie die Bond-Klassiker.

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