Filmkritik: Ausgelutschte Sexy-Time!

Maskenpflicht!
Maskenpflicht! © Amazon Prime Video

Vor 14 Jahren wollte Reporter Borat Sagdiyev (Sacha Baron Cohen) mit seiner Dokumentation Amerika erobern und sein Land Kasachstan in der Welt bekannt und populär machen. Dieser Auftrag klappte nicht so recht und deshalb schuftet Borat seither in den Minen und hofft auf Rehabilitierung. Diese ist in greifbarer Nähe, als er einen Geheimauftrag ausführen soll: Der bekannteste Affe des Landes soll als Geschenk dem amerikanischen Präsidenten überbracht werden. Das heisst, diesem kann Borat ja nicht mehr unter die Augen treten, also muss Vize Mike Pence herhalten.

Da Borat aber in Amerika überall erkannt wird und auch noch seine Tochter Tutar (Maria Bakalova) statt dem Affen in der Transportkiste auftaucht, wird es dem Starreporter unwohl. Da Borat nun Tutar als Geschenk für den mächtigen Amerikaner überreichen soll, muss die junge Dame erst mal aufgepimpt werden. Während sie nun also bei einer Influencerin die ersten Schritte dazu unternimmt, wirft sich Borat in diversen Verkleidungen unters Volk und führt die Amerikaner einmal mehr an der Nase herum. Als das Töchterchen aber verschwindet, beginnt eine Suche durch diverse Peinlichkeiten.

Borat 2 ist stellenweise sicher lustig und bietet Clownerie mit einfältigen Opfern. Dass aber rundherum noch eine zähe Storyline präsentiert wird, schadet dem Spass. Zumal selbst «Jagshemash» oder «Sexy Time» inzwischen recht Staub angesetzt haben. Manchmal bricht der «böse» Borat aber durch - nur leider viel zu selten. Und die Covid-19-Jokes sind auch von ganz unten in der Witzkiste ausgegraben worden.

2006 überraschte uns der Komiker Sacha Baron Cohen mit Borat: Cultural Learnings of America for Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan und zeigte während knapp 90 Minuten gnadenlos auf, was da drüben in Amerika so schief laufen kann. Da die Kunstfigur «Borat» damit zu weltweiter Popularität erlangte, waren weitere Filme mit der Thematik nicht möglich. Man hätte Cohen schlichtweg erkannt. Nun, 14 Jahre später, hat es der Engländer wieder getan! Das Sequel Borat Subsequent Moviefilm: Delivery of Prodigious Bribe to American Regime for Make Benefit Once Glorious Nation of Kazakhstan wird aber nicht mehr gross im Kinosaal gezeigt, sondern ist per Streaming zu sehen.

«I hear McDonald Trump he put Mexicans in cages. High Five!»

Borat 2 ist auch mehr wie ein Spielfilm denn als Dokumentation aufgezogen. Es ergeben sich zwar immer noch Situationen, die den Zuschauer mit dem Kopf schütteln lassen (QAnon, Ausdruckstanz, Synagoge), aber so richtig aufschreckend oder entlarvend ist dieses Sequel leider nicht mehr. Während uns im Original das Lachen im Hals stecken blieb, fehlen in der Fortsetzung die Kreativität, der Witz und vor allem die Spontaneität. Die einzelnen Abschnitte wirken konstruiert, mühsam und ausgeleiert.

«No, when a woman owns a business her brain breaks and her head falls off.»

Neben dem omnipräsenten Hauptdarsteller sticht vor allem seine junge Partnerin Maria Bakalova heraus. Die junge Dame aus Bulgarien ist sich für keine Ekelhaftigkeit zu schade, macht eine sehenswerte Entwicklung durch und darf Trumps bestem Freund Rudy Giuliani den Kopf verdrehen. Überhaupt entpuppt sich diese angesprochene Skandalszene im Hotelzimmer als gnadenlos überbewertet und wird dem Hype nicht im Geringsten gerecht. Das gilt auch für Borat 2, der zwar einige witzige Szenen bietet, aber längst nicht mehr die Originalität und Unschuld des Vorgängers hat.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 2

yan

Meiner Meinung nach ist der zweite sogar besser als der erste Teil, weil mit näherem Bezug zur Aktualität. Heute ist man als einigermassen informierter Zuschauer zwar vielleicht nicht mehr ganz so überrascht über das Gezeigte, das Lachen bleibt einem dadurch des Öfteren im Halse stecken, als das lauthals losgebrüllt werden kann. Die Abtreibungsszene, der «Käfig-Verkäufer», die Hillbillies, Giuliani und der Debütantinnenball sind Highlights in einer Satire, die nicht immer ins Schwarze trifft und auch einige doofe Momente mit sich bringt.

Trotzdem hält Sascha Baron Cohen der Gesellschaft den Spiegel vor, wie wir es von ihm gewohnt sind.

Völlig egal, ob die Szenen nun echt oder gescripted sind, Borat Subsequent Moviefilm liefert eine klare Antwort auf die von Joaquin Phoenix gestellte Frage in Joker: «Is it just me, or is it getting crazier out there?» - Ja, die Welt spinnt & es wird immer schlimmer!

muri

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