La boda de Rosa (2020)

La boda de Rosa (2020)

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  3. 97 Minuten

Filmkritik: Kampf gegen die Selbstverständlichkeit

«Du hast da was im Gesicht.»
«Du hast da was im Gesicht.» © Natxo Martínez

Die alleinstehende Rosa (Candela Peña) ist für ihre Verwandten, Bekannten und Arbeitskolleg*innen die Frau für alle Fälle. Egal, ob noch schnell neue Kostüme für einen Filmdreh hermüssen, ein Babysitter spontan benötigt wird oder das Familienoberhaupt nach dem Tod der Ehefrau nicht mehr alleine sein möchte: sie alle stehen bei jedem Problem schnell mal bei Rosa auf der Matte. Doch damit ist jetzt Schluss! Rosa will nicht mehr nur immer für andere da sein, sondern auch mal für sich alleine schauen.

Am Ziel?
Am Ziel? © Natxo Martínez

So verlässt sie von einem Tag auf den anderen Valencia, um sich in einem kleinem Küstenort einen Traum zu erfüllen: Im leerstehenden Schneiderladen ihrer Mutter möchte sie ein eigenes Geschäft eröffnen. Doch es dauert nicht lange, bis ihre Geschwister von ihrem Aufenthaltsort erfahren und sie wieder um alles Mögliche bitten. So beschliesst Rosa mit einer ganz speziellen Hochzeit ein Zeichen zu setzen, dass es so nicht weitergehen kann.

La boda de Rosa feiert jene Menschen, deren Schaffen oft leider als selbstverständlich angesehen und deshalb viel zu wenig gewürdigt wird. Die Sommerkomödie trifft dabei oft den richtigen Ton und hält die Balance zwischen Tragik und Lachern souverän. Sergi López als dauerquasselnder Bruder ist zudem zum Schiessen - obwohl man so ein Familienmitglied im echten Leben am liebsten auf den Mond schiessen würde.

Wir kennen bestimmt alle Menschen wie Rosa. Nette Personen, die immer für alle herumrennen und sich nie wirklich beklagen. Da passiert es leicht, dass alles, was sie machen, zu einer Selbstverständlichkeit wird. Doch sollte das genau eben nicht passieren. Denn auch nette Menschen sind auch nur Menschen. Menschen mit Wünschen und Träumen, die auch mal eine Pause vom ständigen Herumrennen benötigen. La Boda de Rosa zeigt, wie eine solche liebe Person nun gegen diese Selbstverständlichkeit ankämpft - und der Komödie willen dabei mehr Probleme bekundet, als ihr lieb ist.

Die Idee zum Film stammt aus dem fernen Japan. Dort hat sich eine Agentur auf ungewöhnliche Hochzeiten spezialisiert, die ohne Partnerin oder Partner durchgeführt werden. Also Hochzeiten mit sich selbst. Es geht darum, sich in seinem Leben mal selbst ins Zentrum zu stellen und sich zu lieben. Regisseurin Icíar Bollaín, von der auch das Balletttänzer-Biopic Yuli stammt, hat zusammen mit ihrer Co-Autorin Alicia Luna daraus eine echte Feel-Good-Komödie gezimmert, bei der die gute Rosa nun wahrlich nicht zu beneiden ist. Vor allem ihre engsten Familienmitglieder (unter anderem Pan's Labyrith-Monster Sergi López) sind echte Stressköpfe, die nicht aufhören können zu labern und ihre Probleme immer vor alles andere stellen. Und selbst wenn sie glauben, mal etwas richtig zu machen, ist meist das Gegenteil der Fall. So kommt es immer wieder zu absurder, jedoch gelungener Situationskomik.

Am Ende geht es aber natürlich um Rosa - und wie sich diese ihren Weg bahnt, ist recht berührend. Sie stösst damit zwar auch einige vor den Kopf, doch letzten Endes ist es ihr gewählter Weg und den geht sie voller Stolz und Überzeugung. Es tut gut diese zu Beginn so verschupfte Person am Ende glücklich und mit sich im Reinen zu sehen. Ein Film, der durchaus glücklich macht, jedoch etwas gar schnell vorbeizieht und deshalb nicht sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. Aber für einen gemütlichen Sommerabend der ideale Film, um etwas zu lachen und auszuspannen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Seit er als Kind in einen Kessel voller Videokassetten gefallen ist, schaut er sich mit viel Begeisterung alles Mögliche an, wobei es ihm die Filmfestivals in Cannes und Toronto besonders angetan haben.

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Trailer Spanisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:46