Earwig and the Witch - Aya to majo (2020)

Earwig and the Witch - Aya to majo (2020)

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  2. 82 Minuten

Filmkritik: Eindimensional

19. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2021
Putz di furt
Putz di furt © Gorō Miyazaki

Earwig (Aya im Original) wird im Babyalter von ihrer Mutter in einem Waisenhaus abgegeben, denn sie wird von einem Dutzend Hexen verfolgt. Die kleine Earwig wächst darauf mit ihrem Kumpel Custard auf. Schnell bemerkt sie, dass sie ein Talent darin hat, andere nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Sie schleicht sich mit Custard aufs Dach der Hauses und kriegt immer den hausgemachten Shepherd's Pie. Sie kann also tun und lassen, was sie will.

Doch dies ändert sich schlagartig, als die grosse Bella Yaga und ihr noch grösserer Mann sie adoptieren. Deren Absicht war es aber nie, eine Tochter zu adoptieren - sondern eine Haushaltshilfe. Und Bella benötigt nicht etwa Hilfe bei normalen Tätigkeiten, sondern beim Zubereiten von Zaubertränken. Dies passt Earwig gar nicht, ist sie sich doch ein beinahe prinzessinhaftes Dasein gewohnt. Zusammen mit der sprechenden Katze Thomas schmiedet sie einen Plan, wie sie auch ihre Adoptiveltern um den Finger wickeln kann.

Das 3D-Experiment von Hayao Miyazakis Sohn Goro ist mehrheitlich missglückt. Die Geschichte an sich in okay und langweilt nicht, und der Film sieht meistens ganz ordentlich aus. Doch aus dem Haus Ghibli darf man schlicht mehr erwarten als «ordentlich». Dazu kommen der schlecht strukturierte Plot mit zu hastigem Start und Ende sowie die mehrheitlich nervigen Figuren. So wurde lediglich der Stil dreidimensional, inhaltlich hat Earwig and the Witch aber eine Dimension verloren.

Die Filme von Hayao Miyazaki (Spirited Away, Prinzessin Mononoke) sind Anime-Klassiker. Die Erwartungen an seinen Sohn Goro Miyazaki sind entsprechend hoch. Er verfilmt hier den gleichnamigen Roman der britischen Autorin Diana Wynne Jones, deren Buch bereits die Vorlage für Howl's Moving Castle bot. Doch im Unterschied zu den bisherigen Werken von Studio Ghibli ist Earwig nicht mehr zwei-, sondern dreidimensional. Zumindest in der Animation, inhaltlich jedoch nicht.

Leider verliert dieser Anime bei der Transformation in den dreidimensionalen Raum jeglichen Charme. Earwig sieht nicht per se schlecht aus. Das Prädikat «nicht schlecht» genügt für einen Ghibli-Film, die sonst nur so vor Ideenreichtum und wunderschönen Visuals strotzen, einfach nicht. Oftmals wirken die Animationen und Hintergründe ältelig und starr.

Da helfen auch weder die misslungene Struktur noch die unliebsamen Figuren. Sowohl der Anfang als auch das Ende wirken furchtbar hastig. Zwar wird die Geschichte an sich abgeschlossen, jedoch scheint mindestens eine Viertelstunde im dritten Akt zu fehlen. Dabei verwundert es umso mehr, dass der Film in der Mitte eine gefühlte Ewigkeit damit verbringt, Earwig und Bella sich anschnauzen zu lassen.

Und dieses Duo nervt. Earwig ist ein verzogenes Gör, das über die ganze Zeit des Films nur zum Ziel hat, seine Mitmenschen zu manipulieren. Als die beiden dann langsam miteinander auskommen, zieht der Plot den Turbo und schliesst alles in kürzester Zeit ab. Einzig Mandrake, Bellas Mann, ist ein chic designter Charakter mit einigen netten Momenten, aber auch er kriegt zu wenig Screentime. Was aber richtig gelungen ist, ist die Musik. Der Song «Don't Disturb Me», der durch den ganzen Film begleitet, fetzt. Doch auch dieser kann dem Film das verlorene Leben nicht mehr einhauchen.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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