True Mothers - Asa ga Kuru (2020)

True Mothers - Asa ga Kuru (2020)

  1. 140 Minuten

Filmkritik: Nicht ohne meinen Sohn

«Da stimmt doch was nicht, die hat ja gar keine schwarzen Haare.»
«Da stimmt doch was nicht, die hat ja gar keine schwarzen Haare.» © Filmcoopi

Satoko (Hiromi Nagasaku) und Kiyokazu (Arata Iura) leben mit ihrem fünfjährigen Sohn Asato (Reo Sato) ein glückliches Leben. Schon als Baby haben sie Asato adoptiert. Ab und an gibt es Ärger im Kindergarten, beispielsweise, wenn er beschuldigt wird, einen anderen Buben gestossen zu haben und der nun leicht verletzt sei. Wenig später stellt sich das dann aber als eine Lüge des anderen Jungen heraus. Alles verläuft schliesslich wieder in den geordneten Bahnen.

«Ich bin die Königin der Welt!»
«Ich bin die Königin der Welt!» © Filmcoopi

Eines Tages erhalten Satoko und Kiyokazu den Anruf einer Frau, die sich als Asatos leibliche Mutter Hikari vorstellt. Sehr schnell ist klar: Sie will ihren Sohn zurück. Satoko und Kiyokazu erklären sich dazu bereit, Hikari zu treffen. Beim Gespräch in der Wohnung der Familie stellt sich aber heraus, dass sie Hikari mit Geld abspeisen wollen. Zudem glauben sie ihr nicht, dass sie wirklich Hikari ist, da sie am Tag der Adoption von Asato dessen leibliche Mutter kennengelernt hätten.

True Mothers - Asa ga Kuru ist nicht nur aufgrund seiner zweieinhalb Stunden Laufzeit ein aussergewöhnlicher Film. Durch seine ständigen Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen muss man den Film sehr aufmerksam verfolgen, was aber durch seine extrem langsame Erzählweise kein Problem ist. Die Charaktere erscheinen ziemlich egal. Das Hauptproblem aber ist, dass der Film 90 Minuten braucht, bis er wirklich packend wird. Dies passiert fast unmerklich. Dennoch ein guter Film, für den man aber sehr viel Geduld aufwenden muss.

Das 150-minütige japanische Drama True Mothers - Asa ga Kuru macht innerhalb seiner Laufzeit einen aussergewöhnlichen Wandel durch. Von anfänglich noch amüsanter Langsamkeit mit ein paar netten, teils witzigen Dialogen, hin zu einer Handlung, die sich zähflüssiger als erstarrende Lava anfühlt - um am Ende emotional völlig unerwartet zu packen.

Regisseurin Naomi Kawase, die unter anderem bei den Filmen An und Still the Water - Futatsume no mado Regie geführt hatte, strapaziert mit ihrem neuesten Werk die Nerven der Zuschauer ganz schön. Viele Elemente hätte man weglassen können, an der Hauptstory hätte es nichts geändert. Bleibt nur die Frage, ob mit einer anderen Erzählweise die Geschichte am Ende den Zuschauer emotional so mitgerissen hätte.

Die Wandlung, sowohl was das Äussere und was auch die Charakterentwicklung von Hauptdarstellerin Aju Makita in der Rolle der Hikari angeht, war ebenso erstaunlich: weg von einer farblosen Figur hin zu einem mitreissenden Charakter. Die noch immer nicht ganz 20-jährige Aju Makita dürfte vor allem als Mitglied der Familie Shibata aus dem Film Shoplifters bekannt sein.

Immerhin überzeugt True Mothers - Asa ga Kuru audiovisuell während des ganzen Films. Die Musik ist immer stimmig und begleitet die Handlung ohne je sonderlich aufzufallen. Die Bilder laden teilweise sogar zum Träumen ein, auch wenn bei der ein oder anderen Szene ein wenig viel Kitsch dabei ist. Da käme einem eine kürzere Laufzeit auch etwas entgegen.

Christoph Reiser [chr]

Christoph arbeitet seit 2020 als Freelancer für OutNow. Er weiss, dass man Animationsfilme nicht hassen darf, dafür liebt er Sergio-Leone-Western. Der Besuch eines Filmfestivals ist zuoberst auf seiner Bucket-List, naja fast. Und er mag kein Popcorn im Kino, denn er steht auf Chips.

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