Artemis Fowl (2020)

Artemis Fowl (2020)

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Filmkritik: Es ist etwas Fowl im Staate Irland

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Boy in Black
Boy in Black © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Der 12-jährige Artemis Fowl (Ferdia Shaw) lebt mit seinem Vater (Colin Farrell) in einem stattlichen Gutshaus an der Küste von Irland. Artemis ist ein Genie und nimmt‘s deshalb in der Schule ziemlich locker. Von seinem Vater bekommt er vor allem irische Sagen und Märchen erzählt, die der Sohnemann bis ins letzte Detail auswendig lernen muss. Als der Vater plötzlich verschwindet und in den Medien spekuliert wird, ob der vermeintliche Geschäftsmann vielleicht hinter einer Reihe spektakulärer Kunstraubzüge steht, versucht Artemis, den geheimen Machenschaften seines Vaters auf die Spur zu kommen.

It's not easy being green ...
It's not easy being green ... © The Walt Disney Company Switzerland. All Rights Reserved.

Ungeahnt von den Menschen leben unterirdisch in Haven City im Geheimen die Feenwesen. Als eine riesige Kreatur unerlaubt in die Menschenwelt eindringt, wird die tüchtige junge Fee Holly Short (Lara McDonnell) an die Erdoberfläche geschickt, um das Wesen zu stoppen, bevor die Menschen etwas von dessen Existenz erfahren. Als Holly nach getaner Arbeit einen Umweg macht, wird sie von Artemis und seinem Butler Domovoi (Nonso Anozie) gefangengenommen. Artemis weiss nämlich, dass sein Vater von einem unbekannten Feenwesen entführt worden ist. Dieses fordert, dass Artemis ihm das mächtige Artefakt Aculos bringt. Weil aber auch die Feen scharf auf das mysteriöse Ding sind, kommt es zum grossen Clash zwischen den zwei Welten.

Kenneth Branaghs filmische Interpretation der Welt des beliebten Fantasyhelden sieht nach grossem Budget aus, verpasst es jedoch gleich auf mehreren Ebenen, einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Figuren werden nur rudimentär etabliert und vermögen so auch kaum Sympathiewerte zu sammeln, die Schauwerte in der Feenwelt überzeugen selten und die jungen Darsteller treten ziemlich schwach auf. Richtig störend ist zudem die Rahmenhandlung um Bartli Mulch (Josh Gad), der als Erzähler der Filmereignisse dient und mit seinen übererklärenden Kommentaren die Ereignisse um Artemis leider auch immer wieder unnötig aufbricht.

Es war ein langer Weg, bis Eoin Colfers Gaunerheld Artemis Fowl den Weg auf unsere heimischen Bildschirme fand. Erschienen waren die Bücher bereits ab 2001, auf dem Höhepunkt der Pottermania, als die Filmstudios ganz heiss auf weitere Fantasystorys für Kids waren. Danach drehte der freche Kindergauner aber gleich einige Jahre Extrarunden in der sogenannten development hell. Erst geplant bei Miramax, später bei Disney, fand man schliesslich in Kenneth Branagh einen namhaften Regisseur, der sich in diese fantastische Welt stürzen wollte, nachdem er bereits Cinderella neuinterpretiert hatte.

Artemis Fowl wird häufig als eine Art Bond-Bösewicht beschrieben. Diesen bekommen wir im Film allerdings (leider) nicht zu sehen. Anstatt einen Meisterdieb auf der Höhe seines Könnens zu zeigen, verwendet der Film erst viel Zeit damit, Artemis als cleveren Schüler zu etablieren, der erst nach und nach herausfindet, dass die Wesen aus den irischen Sagen und Märchen tatsächlich existieren. Ob man vielleicht dem Publikum schlicht nicht zutraute, gleich ins kalte Fantasywasser geworfen zu werden? Artemis' Einführung in die Zauberwelt zieht sich jedenfalls ordentlich hin, obwohl eigentlich gar nicht viel passiert, und lässt die Wow-Momente anderer magischen Filmwelten deutlich vermissen.

Dass weder die Etablierung der Figuren noch der fantastischen Elemente auch nur ansatzweise grosses Interesse zu wecken vermögen, liegt nicht zuletzt auch an der übererklärenden Erzählweise. Josh Gads Figur Mulch - ein riesiger Zwerg mit Hang zur Kleptomanie - dient hier als Erzählfigur, welche in einer völlig unnötigen, schwarzweiss gehaltenen Rahmengeschichte vom kleinsten Fairy-Welten-Detail bis zum Innenleben von Artemis alles zu kommentieren weiss. Leider wirkt dies überhaupt nicht cineastisch; anstatt der Handlung gespannt zu folgen, fragt man sich höchstens wiederholt, warum man sich jemanden wie Josh Gad holt, der den ganzen Film damit verbringt, sein Piepsstimmchen tiefer zu stellen.

Artemis Fowl mag einige Actionsequenzen haben, die auf dem Papier spektakulär sind und bestimmt auch nicht billig zu produzieren waren. Die Mischung aus Fantasystory, Science-Fiction-Ausstattung und Men in Black-Ästhetik ist aber bei weitem nicht so cool, wie der Film vorgibt zu sein. Wenn dann am Schluss auch noch Wendungen nicht erklärt werden oder gar nicht wirklich aufgehen, dann kann man sich nicht einmal gross drüber aufregen. Denn auch für einen richtigen Aufreger reicht es diesem Film nicht wirklich.

Petra Schrackmann [pps]

Petra arbeitet seit 2007 für OutNow und haut auch für Lektorat und Listicles in die Tasten. Als Genrefan verbringt sie ihre Film- und Serienabende lieber mit Zombies, Hobbits oder RVAGs als mit Rom-Coms. Als Leseratte ist sie fasziniert von Comic- und Buchverfilmungen (sogar den schlechten!).

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Kommentare Total: 2

pps

Filmkritik: Es ist etwas Fowl im Staate Irland

muri

Kenne die Bücher nur halbwegs, aber so eine schwache Verfilmung haben sie nicht verdient. Wenn der im regulären Kino gelaufen wäre, ich hätte mich geärgert. Im Streamingchannel ist so ein laues Ding besser aufgehoben. Macht halt einfach wirklich keinen Spass und Josh Gad würde ich auch lieber heute als morgen aus sämtlichen Filmproduktionen streichen.

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