The Art of Love (2020)

The Art of Love (2020)

Filmkritik: Der Dildo zwischen uns

17. Zurich Film Festival 2021
Eva hat sich für ihren Mann herausgeputzt.
Eva hat sich für ihren Mann herausgeputzt. © Zurich Film Festival

Adam (Oliver Walker) ist das Aushängeschild des Konzerns Art of Love, das Sexspielzeug für Männer und Frauen entwickelt. Nach aussen aalglatt mit unzähligen Followern auf den sozialen Medien, verbirgt er eine tiefe Unsicherheit, die sich in Arroganz manifestiert. Damit wird auch Eva (Alexandra Gilbreath) konfrontiert, die für das gleiche Unternehmen arbeitet. Sie schreibt Testberichte für neue Produkte. Diese sind so gut, dass Hector (Kenneth Collard) sie zusammen mit Adam an die Entwicklung eines mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten neuen Spielzeugs setzt.

Nach den ersten Anpassungsschwierigkeiten entwickelt sich zwischen den beiden eine ehrliche Freundschaft. Gegenseitig verhelfen sie einander zu neuem Selbstvertrauen. Adam nähert sich seiner hübschen Nachbarin an und Eva emanzipiert sich von ihrem grummeligen Mann (Jeremy Swift), der ihre Bemühungen für ein harmonisches Eheleben nicht zu schätzen weiss. Als er erfährt, dass sie neben ihrer Arbeit als Fahrkartenverkäuferin auch Sexspielzeugrezensionen schreibt, fühlt er sich in seiner männlichen Ehre verletzt.

Angesiedelt hat der Schweizer Regisseur Philippe Weibel seine romantische Komödie und Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft im London der Gegenwart. Sein Film ist das empathische Porträt zweier Menschen in einer modernen, zunehmend anonymisierten und von Oberflächlichkeiten geprägten Gesellschaft. Nach einem etwas zu karikaturhaften Beginn entwickelt sich der Film zu einer differenzierten, amüsanten und in Teilen anrührenden Geschichte, in der sich vermutlich die meisten auf die eine oder andere Weise wiederfinden werden.

Wie der Filmtitel suggeriert, sind Liebe und Intimität Dinge, die erlernt werden können - oder müssen. Zumindest braucht es Mut, sich auf beides einzulassen und für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Zu dieser Erkenntnis kommen auch die beiden Protagonisten der Geschichte und finden im jeweils anderen die nötige Kraft, den Weg in die Selbstbestimmung zu gehen. Die Konfrontation der beiden ungleichen Charaktere, die ihre anfängliche gegenseitige Abscheu überwinden und zu Vertrauten werden, macht den Mittelteil des Films aus, der auch der stärkste ist. Die Dialoge wirken natürlich, die Chemie zwischen den beiden Darstellern stimmt. Insbesondere Alexandra Gilbreath als Eva zeigt Charisma und ein souveränes Auftreten.

Gegen Ende rauscht die Handlung etwas an einem vorbei, die letzten Wendungen wirken etwas forciert, etwas zu versöhnlich. Doch im Grunde ist es genau das, was der Film sein möchte: eine Komödie, die sowohl auf Moralisierung als auch sensationalistische Zuspitzung verzichtet. Gleichzeitig versteht sich der Film auch als Pamphlet dafür, sich nicht in Schubladen stecken zu lassen und im Leben das zu tun, was man wirklich liebt. Für andere, auch nicht für den eigenen Partner, sollte man sich nicht verleugnen.

Irgendwann rückt das Sexspielzeug, das so innovativ nicht ist, in den Hintergrund. Konkrete Sexszenen sind nur wenige vorhanden und kann man als harmlos einstufen, explizit sieht man nichts - was einer sinnvollen und intelligenten Herangehensweise entspricht. Ein wenig verpasst der Film die Gelegenheit, die Symbolik rund um das Sexspielzeug selbst oder auch anderen an sich interessanten Motiven auszubauen. Doch insgesamt hat Weibel mit seinem ersten Langspielfilm die richtigen Darsteller gewählt, einen weitgehend mitreissenden Rhythmus gefunden und eine Vielzahl an amüsanten Szenen geschaffen, die The Art of Love zu einer kurzweiligen Vergnügen machen. Es lohnt sich, nach den nächsten Projekten des Regisseurs Ausschau zu halten.

Teresa Vena [ter]

Alles begann bei Teresa damit, dass sie, noch viel zu jung dafür, ihren Vater überzeugen konnte, «Gremlins» im Fernsehen schauen zu dürfen. Seitdem gehört absurder Humor und Spannung zu jedem guten Film dazu. Kino aus Asien und Lateinamerika, aber auch aus der Schweiz sind ihre Steckenpferde.

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Kommentare Total: 15

Mirage Warrior

I've laughed from the beginning to the end of the film, it's very funny. It covers a fairly current topic and shows it in a friendly way. The actors are incredible, honestly, they act very well, I admire them, especially the main actors. On the other hand, I love England, its landscapes, the English accent, this is a very personal appreciation but it definitely made me like the movie even more.

Fernanda

kateH

It was so much fun being an extra in this film, and then getting to see it at the film festival in Zürich. A very professional production all round. The concept of the story made me think about what could be possible in the future!

th

der film scheint auch ein überaus fleissiges marketingteam zu haben :-)

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