Amulet (2020)

Amulet (2020)

  1. ,
  2. 99 Minuten

Filmkritik: Auf dem Dachboden rappelt's gern

«Wir müssen mal reden, Kleines!»
«Wir müssen mal reden, Kleines!» © Elite Home Entertainment

Tomas (Alec Secareanu) ist ein ehemaliger Soldat, der inzwischen obdachlos in London lebt und verzweifelt versucht, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Mit dem Auftauchen von Schwester Claire (Imelda Staunton) scheint sich seine Lage zu verbessern, denn sie bringt ihn in ein altes Haus, in dem die junge Magda (Carla Juri) mit ihrer Mutter lebt. Diese ist aber im Dachgeschoss eingesperrt und macht unheimliche Geräusche. Das sei jedoch normal und deshalb müsse sie gepflegt werden. Tomas versucht, die nächtlichen Töne zu ignorieren. Er ist vor allem froh, ein Dach über dem Kopf zu haben.

«Ruhe jetzt, Mister Potter!»
«Ruhe jetzt, Mister Potter!» © Elite Home Entertainment

Je länger unser Soldat in diesem verlotterten Haus wohnt, desto näher kommt er Magda. Als er sich schlussendlich in sie verliebt, will er mehr darüber wissen, was da oben unter dem Dach hinter streng verschlossenen Türen vor sich geht. Er hat nämlich den Eindruck, dass Magda unter einem Einfluss steht, der nicht normal ist. Er beginnt, das Problem der scheinbar sterbenden Mutter selbst in die Hand zu nehmen und ist dann doch überrascht, was für eine wichtige Rolle die gute Nonne spielt, die sich immer wieder einmischt.

Amulet ist ein stiller und düsterer Film, der nicht so recht aus den Startlöchern kommt. Der erwartete Grusel bleibt aus, Imelda Staunton taucht zu wenig auf und wenn im Finale dann nochmals alle Register gezogen werden, hat man mit der Story schon längst abgeschlossen. So wird aus einem vielversprechenden Regiedebüt ein rechter Schnarcher, der auch in den letzten zehn Minuten nichts mehr retten kann.

Mit Amulet liefert die englische Schauspielerin Romola Garai ihr Regiedebüt ab und setzt dabei auf unheimliche Töne, eklige Spezialeffekte und eine Story, die auf den ersten Blick normal und typisch klingt, sich aber dann doch als etwas schwererer Brocken Film entpuppt.

Im Mittelpunkt steht der Rumäne Alec Secareanu, der einige Erfahrung (God's own Country) mitbringt und den gezeichneten Ex-Soldaten damit plausibel und glaubhaft porträtieren kann. Das Zusammenspiel mit Kollegin Carla Juri (Blade Runner 2049, Als Hitler das Rosa Kanninchen stahl) klappt zwar nicht ganz so überzeugend, aber vor allem gegen Ende von Amulet sieht man diesbezüglich eine Steigerung.

Der Fokus dürfte sicherlich am ehesten auf dem grössten Namen im Cast liegen: Imelda Staunton (Vera Drake, Harry Potter and the Order oft he Phoenix) taucht immer wieder gerne in kleineren Filmen auf und bringt diese regelmässig auf eine höhere Stufe. In Amulet schafft sie das leider nicht, denn einerseits ist ihre Rolle viel zu klein, andererseits taucht sie auch erst im Finale kraftvoll auf. Doch dann ist die zähe Story schon lange nicht mehr interessant und hat sich in seinen Dialogen und Rückblicken verloren.

Überhaupt, Amulet mag ein vielversprechendes Thema haben, was jedoch nicht spannend genug umgesetzt wurde. Es wird sich enorm viel Zeit gelassen, um die Charaktere zu zeigen, ohne jedoch diese Möglichkeit zu nutzen, die Figuren auch interessant zu machen. So bleibt der Soldat farblos, die junge Frau oberflächlich und die Gruselsequenzen im Dachboden mögen eklig und ein bisschen unheimlich sein, aber so richtig vermögen auch sie nicht den Film zu retten.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. facebook
  5. Instagram
  6. Website