Amants (2020)

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  2. 102 Minuten

Filmkritik: Ménage-à-trois

77. Mostra Internazionale d'Arte Cinematografica 2020
Nymphomaniacs
Nymphomaniacs © Studio / Produzent

Lisa (Stacy Martin) und Simon (Pierre Niney) sind seit ihrer Jugend schwer verliebt. Das hübsche junge Paar lebt gemeinsam in Paris. Während Lisa in der Gastrobranche tätig ist, verdient sich Simon seine Brötchen mit unseriöseren Methoden. Er ist Drogendealer und geht dabei geschickt und höchst umsichtig vor. Seine Kunden besucht er direkt in deren Büros, auf dem Tennisplatz oder in einem Café. Als er einen guten Freund nach längerer Zeit mal wieder beliefert, lädt dieser Simon und Lisa zum Nachtessen ein. Am besagten Abend werden von Beginn weg fröhlich Drogen konsumiert, bis Simons Freund plötzlich einen Krampfanfall erleidet und das Bewusstsein verliert. Verzweifelt versucht Simon ihn zu reanimieren, doch vergebens. Sein Freund stirbt an Ort und Stelle, worauf Simon unverzüglich die Flucht ergreift.

Komm, ich bezahl. Bin reich und trotzdem nett.
Komm, ich bezahl. Bin reich und trotzdem nett. © Studio / Produzent

Lisa hört drei Jahre lang nichts mehr von ihrer Jugendliebe. Sie ist unterdessen mit dem deutlich älteren und steinreichen Geschäftsmann Leo (Benoît Magimel) verheiratet. Als sie ihre Ferien auf einer einsamen Insel im Indischen Ozean verbringen und Lisa sich im Hotel gerade eine Massage gönnen will, erblickt sie draussen im Eingangsbereich ein vertrautes Gesicht: Simon.

Nicole Garcias Amants hat den Anspruch, ein aufregender Thriller zu sein. Obwohl sie einige typische Stilmittel und Merkmale gekonnt einsetzt, fehlt es dem Werk deutlich an Spannung. Weder in den Dialogen noch in der Erzählweise lässt sich die nötige Würze finden. Ein bisschen Sex, Drogen und Waffen reichen dazu eben noch lange nicht aus. Einiges ist zu klischeehaft umgesetzt, anderes viel zu weit hergeholt. Und Stacy Martins Figur wird so naiv und unbeholfen dargestellt, dass es fast schon schmerzt.

Die französische Regisseurin Nicole Garcia (Mal de pierres) packt in ihren neuen Film Amants beinahe alles mit rein, was zu einem Thriller oder Film Noir gehört. Die Atmosphäre ist kühl, die Bilder sind vorwiegend düster, es gibt eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung und die Figuren wirken geheimnisvoll und haben ihre dunklen Seiten. Aber die wichtigste Zutat wurde eindeutig vernachlässigt. Spannungsmomente und Überraschungen sind in der Erzählung leider rar. Und wenn versucht wird, zu überraschen, ist es zum Teil so weit hergeholt, dass es lächerlich wirkt. Zudem verliert der Film in der zweiten Hälfte das nötige Erzähltempo und schleppt sich nur langsam voran.

Die Geschichte gliedert Garcia in drei Kapitel, wobei jedes Kapitel den Namen des Schauplatzes trägt: Paris, Indischer Ozean, Genf. Die Szenen am Meer bieten eine gute Abwechslung zur sonst viel düsteren Bildgestaltung.

Der Cast ist insgesamt überzeugend und spielt solide, jedoch sticht keiner so richtig raus. Und weil es Stacy Martins Figur Lisa an Überzeugungs- und Entscheidungskraft sowie an Charisma fehlt, bleibt ihre Performance eher blass und zuweilen wirkt sie wie ein Mannequin, das durchwegs den gleichen regungslosen Gesichtsausdruck aufsetzt und nur zur Verschönerung der Bilder dient.

In der Dreiecksbeziehung muss sich Lisa zwischen ihrer langjährigen Jugendliebe, die sie im Stich gelassen hat, und ihrem steinreichen älteren Ehemann, den sie nicht wirklich liebt, entscheiden. Beides nicht die besten Optionen, hätten schlauere und selbstbewusstere junge Frauen wohl eher erkannt.

Gianluca Izzo [gli]

Gianluca ist seit 2013 als Freelancer für OutNow tätig. Er liebt es, verborgene Perlen an Filmfestivals zu entdecken, insbesondere in Venedig. Neben seinem Faible für italienische und skandinavische Filme bewundert er die Werke von Scorsese, Lynch, Villeneuve und Chazelle sowie die Bond-Klassiker.

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