Zeroville (2019)

Zeroville (2019)

  1. ,
  2. 96 Minuten

Filmkritik: The Shaved Cutter

Zurich Film Festival 2019
I believe it's a very good movie.
I believe it's a very good movie.

Der leicht autistische Glatzkopf Ike Jerome (James Franco), der von allen Vikar genannt wird, kommt 1969 nach Hollywood, wo er in der Branche Fuss fassen und gross herauskommen möchte. Er liebt Filme über alles und verehrt insbesondere die Schauspieler Montgomery Clift (Dave Franco) und Elizabeth Taylor, die er darum auch auf seinem rasierten Hinterkopf tätowiert hat.

C'mon Megan, bitte mach doch in meinem neuen Film mit!
C'mon Megan, bitte mach doch in meinem neuen Film mit!

In Los Angeles' Traumfabrik findet zu dieser Zeit allerdings gerade eine Verschiebung der Machtstrukturen statt. Da die grossen Studios Einbussen haben und nicht an den Erfolg von früher anknüpfen können, etablieren sich unabhängige Regisseure wie Francis Ford Coppola (Horatio Sanz) und steigen langsam die Karriereleiter empor. Für Vikar ist das die grosse Chance, in der Branche einzusteigen. Er kann als Designer und später als Cutter erste Erfahrungen im Business machen. Doch alles ändert sich, als er der hübschen Schauspielerin Soledad Paladin (Megan Fox) näher kommt.

Nach dem grottenschlechten Future World setzt Workaholic James Franco hier gleich noch eins drauf. Die grauenhafte Tragikkomödie schmeisst zwar mit künstlerischen Firlefanz, unzähligen Filmreferenzen und grossen Namen nur so um sich, hängenbleiben tut aber überhaupt nichts. Dies liegt in erster Linie an Franco selbst, der sich und den ganzen Film so selbstverliebt in Szene setzt, dass er dabei die vielen an sich interessanten Ideen bereits im Keim erstickt hat. Zeroville ist eine Zumutung und ohne Frage einer der schlechtesten Filme des Jahres.

Als James Franco im Oktober 2014 mit den Dreharbeiten für Zeroville begann, schien noch alles im Lot. Zusammen mit Seth Rogen, Will Ferrell und Danny McBride, seinem Bruder Dave, Joey King, mit der er bereits The Sound and the Fury gedreht hat, und Megan Fox, die ausser ihrer Rolle als April O'Neil bei Teenage Mutant Ninja Turtles kaum mehr auf der Leinwand zu sehen war, hat Franco eine namhafte Besetzung zusammengestellt, die Hoffnung auf eine unterhaltsame Komödie machte.

Die Rechte am Film wurden 2015 vom Verleih Alchemy erworben, der aber kurz darauf Insolvenz einreichte und Zeroville in einer juristischen Sackgasse zurückliess. Dass die Tragikkomödie, die auf dem gleichnamigen Roman von Steve Erickson basiert und lange Zeit als "unverfilmbar" galt, überhaupt noch veröffentlicht wurde, grenzt an ein Wunder. Ein Wunder, das wie sich nun herausstellt, keiner gebraucht hätte.

Zeroville ist ein chaotisches Kunstprojekt. Ohne roten Faden oder sichtbar durchgezogene Handschrift strotzt das Werk zwar vor Ideen und Stilmitteln, doch nichts ist anständig ausgearbeitet oder strukturiert. Der Film wirkt völlig desorientiert und trifft auch visuell keinen Ton: teilweise in Schwarzweiss, dann wieder in lächerlich-surrealen Neonfarben getauchten Shots mischt Franco alles zusammen, was er als künstlerisch hochstehend empfindet.

Francos Vikar erinnert mit tätowierter Glatze und dilettantischen Auftritt mehr an eine Mischung aus Charles Bronson und Tommy Wiseau als an einen cinephilen Autist. Gerade jetzt, als der Darsteller mit dem tollen Disaster Artist auf sich aufmerksam gemacht hat, landet er hier eine Bruchlandung. Selbstverliebt wie nie zuvor hat sich Franco hier deutlich überschätzt und viel zu viel zugemutet. Der einzig positive Aspekt an seiner ununterbrochenen Präsenz ist die Tatsache, dass man so das schreckliche Overacting von Will Ferrell nicht noch länger ertragen muss. Dieser brüllt, singt und spuckt sich hier nämlich peinlicher denn je durch die Szenerie.

Als eine Art Migros-Budget-Version von Tarantinos Once Upon a Time in Hollywood kann einem Zeroville sogar fast leid tun. Franco hat viel Risiko genommen und alles verloren. Auch wenn mit Craig Robinson als geschwätzigem Einbrecher, der sich als Filmliebhaber herausstellt, auch aufgezeigt wird, was möglich gewesen wäre, ist Zeroville in jeder Hinsicht eine filmische Katastrophe.

/ yan