The Forgotten - Zabuti (2019)

The Forgotten - Zabuti (2019)

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  2. 105 Minuten

Filmkritik: ... schon vergessen.

2. OutNow Film Festival 2021
© Wide

Luhansk, eine ukrainische Stadt nahe der russisch-ukrainischen Grenze, wird von pro-russischen Separatisten besetzt. In den Schulen soll nur noch russisch gesprochen werden und die ukrainische Flagge gilt als Zeichen des Landesverrats. Die 30-jährige Nina (Maryna Koshkina) arbeitet als Sprachlehrerin, jedoch will sie unter dieser Besetzung nicht leben und in die unbesetzte Ukraine flüchten.

An ihrer Schule wird ein junger Mann, Andrij (Danylo Kamenskyi), verhaftet, der eine grosse Ukraine-Fahne am Schuldach aufhängte. Um ihn vor möglicher Folter und Prügel zu schützen, holt sie Andrij aus dem Gefängnis - gegen eine entwürdigende «Bezahlung». Nina sieht in Andrij aber mehr als nur einen rebellischen Teenager und die beiden beginnen, Gefühle füreinander zu entwickeln.

The Forgotten wird sich nicht ins Gedächtnis einbrennen. Durch das politisch geladene Drama führt ein hauchdünner roter Faden in Form einer Romanze, die zu unverdient wirkt und die Laufzeit nicht zu tragen mag. Zwar überzeugt Maryna Koshkina in der Hauptrolle, mit der Zeit langweilt ihr «Ausbruch» aber mehr, als er unterhält. Der Backdrop der russischen Besetzung ist interessant, die Balance zwischen diesem und der unmotivierten Liebesgeschichte gelingt letztendlich aber einfach zu wenig.

Seit 2014 herrschen in der Ostukraine stetig Unruhen, das Gebiet um Luhansk hat sich als freie Republik Lugansk ausgerufen, ist international aber nicht anerkannt. Die Regisseurin der ukrainisch-schweizerischen Koproduktion, Daria Onyshchenko, behandelt hier politisch brisanten Stoff, dem eine Romanze als roter Faden dienen soll. Dieser Faden ist aber etwas gar dünn geraten und wird immer wieder von den anderen Themen weggedrückt.

Denn die Beziehung der Lehrerin Nina und dem Rebellen Andrij soll das narrative Herz dieser Geschichte bieten. Maryna Koshkina, die Nina spielt, trägt praktisch die gesamte Handlung auf ihren Schultern. Den Frust ihrer Figur, an diesem Ort gefangen zu sein, spielt sie richtig gut. Zudem wird die melancholisch-depressive Grundstimmung stark eingefangen. Das reicht allerdings nicht, um für über 100 Minuten zu packen.

Während der ganzen Laufzeit passiert kaum etwas, der Plot spaziert gemütlich auf ein unbefriedigendes Finale zu. Um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, ist die Motivation der Romanze zu schwammig und zu lapidar erzählt. Die sich im Hintergrund abspielende Besetzung bleibt das interessantere Thema, kriegt aber auch nicht genügend Zeit. Wenn sie aber in der Vordergrund rückt, beschert sie einige der effektivsten, wenn auch unangenehmsten Szenen des Films.

So gelingt es The Forgotten nicht, die Liebesgeschichte und den Backdrop zu balancieren. Zwar überzeugt Maryna Koshkina in der Hauptrolle, aber die Motivation ihrer Figur bleibt schwammig. Zudem vermag der Film nie richtig zu packen, weshalb sich die Laufzeit sehr träge anfühlt.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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