Yesterday (2019)

Yesterday (2019)

  1. , ,
  2. ,
  3. 116 Minuten

Filmkritik: Kein Film von gestern!

Green Room
Green Room

Die Musikkarriere von Jack Malik (Himesh Patel) will nicht so richtig abheben. Zwar beschafft ihm seine Managerin/Kindheitsfreundin Ellie (Lily James) regelmässige Auftritte, doch finden die meist in kleineren Pubs und zu Zeiten statt, wo kaum jemand zuhört. Malik ist fast schon bereit, seinen grossen Traum aufzugeben, doch dann geschieht während einer schicksalshaften Nacht etwas Sonderbares. Plötzlich gehen auf dem ganzen Planeten alle Lichter aus und Jack wird just in dem Moment auch noch von einem Bus angefahren.

"Rollkragen-Pullis finde ich voll sexy."
"Rollkragen-Pullis finde ich voll sexy."

Als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, hat er nicht nur zwei Zähne verloren, sondern muss auch erfahren, dass seine Gitarre hin ist. Als er von Freunden eine neue bekommt und als erstes Stück darauf den Beatles-Hit "Yesterday" spielt, sind alle hin und weg. Sie hätten alle noch nie einen solch schönen Song gehört. Jack ist verwirrt, doch merkt er schnell, dass sich ausser ihm anscheinend niemand mehr an die Beatles erinnern kann. Er beginnt die Musik von Paul, John, Ringo und George als seine eigenen Werke auszugeben und wird wenig später zum Star. Doch der kometenhafte Aufstieg hat seinen Preis.

Danny Boyles und Richard Curtis' Yesterday ist ein gmögiger Film mit einer durchaus kreativen Prämisse. Dank einem charmanten Hauptdarsteller, einem selbstironischen Ed Sheeran und einer guten Portion Feel-Good bietet der Streifen gute Unterhaltung, auch wenn die Story für 116 Minuten letzten Endes doch etwas wenig hergibt.

Nein, Yesterday ist nach Bohemian Rhapsody und Rocketman nicht gleich das nächste Biopic über Legenden der Musikbranche. Die Hits der Beatles spielen in dem Film von Danny Boyle zwar eine grosse Rolle, doch ist dies vor allem eine sympathische Dramödie mit einer durchaus netten Fantasy-Prämisse.

Wie schon im letzten von Richard Curtis produzierten Film About Time, in dem es um Zeitreisen ging, ist auch hier die Ausgangslage nicht gerade realistisch. Doch wird sie auch hier einfach als gegeben hingenommen und nicht mehr gross darüber nachgedacht, geschweige denn das Ganze in irgendeiner Weise erklärt. Es gibt hier immerhin noch eine Geschichte zu erzählen - eine mit einigem Feel-Good-Potential.

Es ist putzig, wie der chronisch erfolglose Musiker mit den Hits der Beatles plötzlich durchstartet und einen Erfolg an den anderen reiht. Zugegeben: Es ist nicht gerade sauber, was der Underdog hier macht. Aber ehrlich gesagt, wer würde vergleichsweise nicht die Lottozahlen spielen, von denen er/sie weiss, dass sie mit Sicherheit gezogen werden? Zudem bringt Himesh Patel genügend Charme für die Rolle des Jack mit. Ein kleines Highlight ist derweil Musik-Superstar Ed Sheeran, der eine Version seiner selbst spielt und sich immer wieder selbst hochnimmt. Den Job, sich gleich über die ganze Musikindustrie lustig zu machen, fällt derweil der sonst grossartigen Kate McKinnon zu. Schade, dass ihre Managerin völlig übertrieben ausgefallen ist, sodass es irgendwann gar nicht mehr lustig ist, wie geldgeil sie doch ist.

Regisseur Danny Boyle und die Autoren Richard Curtis und Jack Barth haben jedoch auch noch andere Mittel, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen. So sind in ihrer neugeschaffenen Beatles-losen Welt eben nicht nur die Fab Four verschwunden, sondern auch andere Sachen. Welche Dinge das genau sind, wollen wir hier natürlich nicht verraten, denn bei diesen wird man am besten selbst wie Protagonist Jack überrumpelt.

So lustig diese Abschnitte sind, so kommt die Handlung immer mal wieder zum Erliegen. Es ist klar, wohin die Reise geht und die Liebesgeschichte wirkt an einigen Stellen doch etwas gar forciert. Hier sind die etwas langen 116 Minuten dann auch zu spüren. Dem positiven Gesamteindruck tut dies jedoch keinen Abbruch. Trotz des Titels definitiv kein Film von gestern.

/ crs