Years and Years (2019)

Years and Years (2019 / Mini-Serie)

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  2. 360 Minuten

Miniserie-Review: Four Star Party - We don't give a f***!

Die Rettung?
Die Rettung? © HBO

Einmal im Jahr trifft sich die Lyons-Familie bei Granny (Anne Reid) zum grossen Fest: der mit Celeste (T'Nia Miller) nicht so recht glückliche Stephen (Rory Kinnear), der schwule Daniel (Russel Tovey), die wirblige Rosie (Ruth Madeley) und auch Edith (Jessicy Hynes), die weltretterisch unterwegs ist. Eigentlich eine ganz normale Truppe, die sich neckt und liebt und nun durch einen politischen Vorfall (inklusive landesweitem Alarm) aus der Spur geschossen wird. Nichts ist mehr gleich, alles verändert sich. Und das trifft die Lyons mit voller Wucht.

Schalt das Ding mal ein, Granny!
Schalt das Ding mal ein, Granny! © HBO

Die Welt ist nicht mehr die gleiche! Politische Regierungen ändern, Kriege stehen vor der Tür, Tyrannen bleiben an der Macht, vernünftig scheinende Politiker sterben, und mitten im Chaos steigt mit Vivienne Rock (Emma Thompson) und ihrer «Four Star»-Party eine neue Alternative auf, die den gebeutelten Menschen aus dem Herzen spricht. Die Parolen dieser reichen Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt, hören sich zwar vielversprechend an, allerdings beeinflussen ihre Methoden und Entscheide über die nächsten 15 Jahre die Weltordnung entscheidend.

Die Lyons kämpfen gleichzeitig über die Jahre mit persönlichen Verlusten, monetären Katastrophen, dem Wunsch, «digital» zu werden, neuen Beziehungen, zerbrochenen Lieben und vielem mehr. Die Welt verändert sich und die Menschen müssen sich anpassen. Der Graben zwischen der Elite und dem normalen Volk wird immer grösser.

Years and Years ist eine sechsteilige Serie, die jeweils Folgen von gut einer Stunde bietet. Wir begleiten die Familie durch die Jahre, werden Zeugen von politischen und technologischen Veränderungen, leiden bei Tragödien mit und schliessen die einzelnen Charaktere schnell in unsere Herzen. Ein ganz grosses Stück Seriengeschichte, das man sich unbedingt anschauen sollte. Vollgepackt mit Geschehnissen, überzeugt diese Serie die interessierten Zuschauer. Allerdings sollte man dafür schon ein bisschen interessiert am Weltgeschehen sein.

Eine Serie, die einer Familie über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren durch die Wirren der sich verändernden Welt folgt, tönt vielversprechend. Russel T. Davies, der schon Drehbücher für Queer as Folk und Torchwood schrieb, bringt seine Idee als Mini-Serie, besetzt die Figuren mit starken Darstellern und lässt uns teilhaben an einer Zukunft, die nicht mehr gar so weit weg und utopisch ist. Mit Years and Years schafft er TV-Drama auf höchstem Niveau.

Dass Emma Thompson eine starke Schauspielerin ist, wissen wir nicht erst seit Late Night oder The Children Act. Wenn sie in der Mini-Serie Years and Years als Politikerin auftritt, dann kann einem schon der kalte Schauer über den Rücken laufen. Mit einfachen Worten und Gesten, klaren Aussagen und einem Programm, das so verdammt bekannt vorkommt, hat sie trotz nur einer Handvoll Auftritten entscheidenden Einfluss auf die Geschichte eines Landes und dessen Bewohner.

Die technischen Veränderungen über die nächsten Jahre (implantiertes Handy, Überwachung) sind dabei zwar sehr interessant, der Fokus liegt auf der grossen Familie, die durch politische Entscheidungen jede Menge zu leiden hat. Diese Figuren, allesamt aus dem Leben gegriffen und authentisch dargestellt, haben ihre Stärken und Schwächen und tragen dazu bei, dass man bereits nach der ersten Folge mittendrin im Getümmel ist. Ob schwul, beeinträchtigt, missverstanden oder leidenschaftlich - die Lyons werden mächtig durchgerüttelt und brauchen sich gegenseitig, um die Jahre zu überstehen.

Darstellerisch haben wir es hier mit grosser Klasse zu tun. Ob Rory Kinnear (bald in No Time to Die zu sehen), Jessica Hynes (Paddington 2) oder auch die junge, zum digitalen Menschen werdende Lydia West (Dracula), es gibt niemanden, der abfällt oder unglaubwürdig ist. Sie alle tanzen gezwungenermassen nach fremden Pfeifen und sind dabei nicht zu beneiden.

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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