A Sun - Yangguang puzhao (2019)

A Sun - Yangguang puzhao (2019)

  1. ,
  2. 156 Minuten

Filmkritik: You are my Son-shine

2. OutNow Film Festival 2021
Karre statt Knarre
Karre statt Knarre © Courtesy of TIFF

Teenager A-Ho (Chien-Ho Wu) wird nach einem brutalen Angriff in einem Restaurant verhaftet. Obwohl er nur Komplize war, muss er für drei Jahre in den Jugendknast. Sein Vater unterstützt die Entscheidung des Richters und anerkennt A-Ho nach dessen Straftat nicht mehr als seinen Sohn an. A-Hos älterer Bruder A-Hao (Greg Han Hsu) besucht die Uni und ist nun der ganze Stolz seines Vaters, der als Fahrlehrer arbeitet.

Eines Tages steht die erst 14-jährige Xiao-Yu (Tai-Ling Wu) vor der Tür der Familie. Sie sei schwanger mit dem Kind von A-Ho. So beschliesst A-Hao, sie zu einem Besuch im Gefängnis zu begleiten, um seinem Bruder die Botschaft zu überbringen. Doch nach dem Besuch scheint A-Hao nicht mehr derselbe zu sein.

Mit seiner Jahre umfassenden Handlung und seiner ausgedehnten Laufzeit weist A Sun einige Längen auf, doch der Unterhaltungsfaktor überwiegt dank einigen Überraschungen und toll gezeichneten Figuren, deren Dynamik zueinander für eine ganze Palette an Emotionen sorgt. Viele Szenen sind vor allem wegen der säuselnden Musik oft nahe an Kitsch. Doch da der Film mühelos zwischen vielen verschiedenen Genres herumhüpft, wirken auch die übertrieben gefühlvollen Szenen nicht fehl am Platz, sondern gehen sogar auf wundersame Weise nahe. Eine kleine Trouvaille im unendlich scheinenden Netflix-Angebot.

Wenn in der Eröffnungsszene Splattereffekte zum Einsatz kommen und eine abgetrennte Hand im Suppenteller schwimmt, fragt man sich schon, ob man hier im richtigen Film ist. Rasch schaltet Regisseur Mong-Hong Chung danach auf seriöses Familiendrama um. Damit gibt er sich aber nicht zufrieden, sondern wechselt ohne Effort zu komödiantischen Szenen oder Thriller-Elementen und serviert so einen ganz besonderen Mix, in dessen Mittelpunkt die Beziehung eines Vaters zu seinen Söhnen steht.

Der Ensemblefilm jongliert viele Figuren und Handlungsränge. Yi-wen Chen sticht aus dem grossen Cast heraus. Er kann aus den Vollen schöpfen und sowohl seine dramatischen als auch seine komödiantischen Talente beweisen. Die Szenen in seiner Fahrschule sind witzig, während sein Monolog in der letzten Szene nur so nach «Oscar-Clip!» schreit. Bei so vielen Charakteren bleiben leider auch einige auf der Strecke. Die Frauen werden klar in den Hintergrund gedrängt und die Schwangerschaft von A-Hos Freundin nimmt weniger Raum ein, als sie verdient hätte.

Im Mittelteil verliert der Film etwas Zug und die Länge macht sich bemerkbar. Doch ein starkes letzten Drittel, welches überraschend spannende Szenen mit sich bringt und in einer hochemotionalen Szene endet, macht diese Längen wett. Diese finale Szene ist es, die das Drama wortwörtlich in der letzten Minute von «gut» zu «sehr gut» anhebt.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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