The Witcher - Season 1 (2019)

The Witcher - Season 1 (2019 / Serie)

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  3. 60 Minuten

Serien-Review: «Your Mother f*ck a Snowman?»

Netflix
Don't call me Clark!
Don't call me Clark! © Netflix

Sein Name ist Gerald von Rivia (Henry Cavill) und er ist ein Hexer. Ein Witcher, der «geschaffen und mutiert» wurde und nun, ausgerüstet mit Magie, Mut und Kraft durchs Land reist und Monster killt. Gegen Bezahlung natürlich, denn auch der Weisse Wolf macht seine Arbeit nicht gratis. Seine aktuelle Reise führt ihn in die Nähe einer jungen Zauberin, die Unmenschliches durchmachen musste. Als Bucklige von ihrer Familie verkauft und in der Zauberschule ausgebildet, hat sich Yennefer von Vengerberg (Anya Chalotra) über die Jahre zur mächtigen Magierin entwickelt, die auf der Suche nach der ultimativen Macht ist. In diesen Zeiten und Abenteuern begegnen sich Magierin und Hexer immer wieder und merken bald, dass ein Band zwischen ihnen besteht, das speziell zu sein scheint.

Mürrisch gucken ist geil!
Mürrisch gucken ist geil! © Netflix

Im Königreich Cintra gerät derweil die junge Prinzessin Cirilla in grösste Not. Das Königreich ihrer Grossmutter Calanthe wurde angegriffen, selbige besiegt und das «Löwenjunge» muss nun in Sicherheit gebracht werden. Ihre Mission ist es, den Hexer von Rivia zu finden, der sie beschützen soll. Doch der Weg zu dem ihr unbekannten Mann ist vollgepackt mit Gefahren und Verrätern. So muss die junge Prinzessin erst lernen, wem sie trauen kann und wer ihr den Dolch zwischen die Rippen stossen will.

Zwischen dem grossen Angriff der Krieger von Nilfgaard, dem Schicksal dreier miteinander auf geheimnisvolle Art verbundenen Figuren, einem plappernden Barden, verräterischen Gestaltwandlern und natürlich einigen hässlichen und todbringenden Monstern entwickelt sich ein Abenteuer, das die Helden an den Rand ihrer Leistungsfähigkeiten bringt.

Acht Folgen mit je einer knappen Stunde Laufzeit machen die erste Staffel von The Witcher zum gut geniessbarem Fantasyabenteuer, das mit der Einführung der Figuren und den ersten Geschichten den Grundstein für viele weitere Abenteuer legt. Die Darsteller gehen wunderbar in ihren Rollen auf, Witz und Spannung sind ansehnlich und die Brutalität und Roughness des Ganzen gefallen. Die Netflix-Serie zeigt kein herausgeputztes Heldentum, sondern bietet einen starken, aber blutigen Start, der bitte schnellstmöglich in die zweite Runde gehen darf.

Seit bekannt wurde, dass The Witcher, basierend auf der bekannten und beliebten Fantasybuchreihe von Andrzej Sapkowski, nach verschiedenen gefeierten Games nun auch eine filmische Umsetzung bekommen sollte, stiegen die Erwartungen an das finale Produkt stetig. Eine "neues Game of Thrones" sollte es sein, das die Brutalität der Geschichten gefälligst wie schon die Spiele perfekt umsetzt und in dem die Monster so spektakulär wie nur möglich inszeniert werden. Und überhaupt, kann Henry Cavill (der Kino-Superman aus Man of Steel und Justice League) denn richtig dunkel und brutal sein? Na klar! Und wie!

Deshalb dürfen wir feststellen, dass die Figur des Geralt von Rivia von Cavill hervorragend verkörpert und düster, mürrisch, wortfaul und knallhart dargestellt wird. Sein Schwert (er trägt «nur» eins auf dem Rücken) wird oft gebraucht, um den Gegnern die Köpfe oder Arme abzuschlagen oder sonst rumzumetzeln. Diese Actionmomente, vor allem der Kampf im Episode 2 im Hinterhof, bieten das, was die Fans wollen. Blutfontänen en masse sind garantiert.

Überraschenderweise (?) folgt The Witcher nicht stur unserem weissen Wolf, sondern erzählt drei Geschichten parallel. Dabei legen die Macher nebst derjenigen von Geralt vor allem den Fokus auf Yennefer, deren Story sich als interessant und vielversprechend entpuppt. Das liegt sicher auch daran, dass Anya Chalotra (bislang in verschiedenen TV-Rollen zu sehen) die Figur überragend anlegt und darstellt. Ihre Verwandlung, die Gelüste, der Weg zur Macht - das passt hervorragend zusammen und die Überkreuzungen mit Geralt sind interessant inszeniert und lassen für künftige Staffeln viel erwarten.

Die Storyline um die junge Prinzessin Ciri fällt hingegen im Vergleich etwas ab. Dies ist sicher nicht unbedingt die Schuld von Darstellerin Freya Allan, aber der Charakter spielt (noch) in einer anderen Liga als die zwei Kollegen. Das dürfte sich aber bald ändern, denn wenn die erste Season nach den ersten acht Folgen zu Ende geht, sind die Wege für die Zukunft schon eingeleitet worden. Da dürfte auch Prinzessin Ciri eine wichtigere Rolle spielen.

Für alle Monsterfans gibt es zudem ein paar Viecher, die spektakulär in Szene gesetzt werden: von der Kikimora ganz am Anfang über ein Dämonenbalg bis hin zum Drachen. Wir kriegen genug Action zu sehen, damit vor allem Henry Cavill seine Muskeln spielen lassen kann.

Ach ja, wer den Barden-Song «Toss a Coin to your Witcher» nicht genial findet, sollte dringend nochmal über die Bücher!

Dani Maurer [muri]

Muri ist als Methusalem seit 2002 bei OutNow. Er mag (fast) alles von Disney, Animation im Allgemeinen und Monsterfilme. Dazu liebt er Abenteuer aus fremden Welten, Sternenkriege und sogar intelligentes Kino. Nur bei Rom-Coms fängt er zu ächzen an. Wobei, im IMAX guckt er auch die!

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Kommentare Total: 4

daw

Naja, bin erst ab Folge 5 wirklich warm mit der Serie geworden. Es wird viel geredet aber halt doch nichts gesagt. Die verschiedenen Zeitachsen verwirren mehr als sie dazu beitragen die Story zu verstehen.

Mir hat das Game besser gefallen. Ich werde Staffel 2 aber sicher nochmals eine Chance geben.

db

The Witcher - Season 1

Das Flaggschiff von CD Projekt Red erhält die eigene Serie Adaption und macht seine Sache ganz ordentlich. Es ist eine erwachsene Angelegenheit, nackte Haut und Blut ist ebenfalls vorhanden und mit Henry Cavill haben sie auch einen Schauspieler gecastet der nicht nur ein Fan vom Material ist, sondern die Figur auch mit Respekt adaptiert.

Also ist das ein nächster Game of Thrones Kandidat? Leider nein - oder besser, noch nicht. Schon von Anfang an ist klar, dass hier nicht die Stärke eines HBO dahintersteckt und in vielen Momenten ist es offensichtlich, dass sie mit Budget, Umsetzung und CGI gekämpft haben. Vieles sieht einfach meh aus und das zieht sich durch viele Szenen durch. Klar kann vieles mit Story und Schauspiel kompensiert werden, aber oft wirkt es wie eine dieser vielen willkürlich gecancelten Syfy Produktionen anstatt eines Epos.

Von der Handlung her ist es - vor allem für Frischlinge - eine mehr oder weniger schwer zugängliche Produktion. Die Story wird non-linear erzählt und da die Serie auch überhaupt keine Hinweise gibt, sieht man oft völlig zusammenhangslose Szenen, welche erst am Ende der Staffel Sinn ergeben. Leider ist das nicht Westworld, wo alles sehr gut zusammen gepasst hat, es wirkt einfach unnötig kompliziert und bringt auch nicht wirklich einen Mehrwert für die Handlung sondern macht es lediglich bemühend kompliziert.

Ein zweites grosses Problem ist Worldbuilding. Wer Game of Thrones oder Lord of the Rings gesehen hat, das ist exzellentes Worldbuilding wo nicht nur die Welt, die Fraktionen und auch die verschiedenen Charaktere sehr gut vorgestellt werden. All dies findet sich bei Witcher kaum. Selbst nach einer Season wurde keine Übersicht über die Welt geboten in der wir uns bewegen. Die verschiedenen Fraktionen kennt man meistens nur beim Titel und selbst der Witcher wird erst spät wirklich vorgestellt. Selbst der eigentliche Gegenspieler, das Nilfgaard Empire, bleibt eine grob ausskizzierte Armee welche einfach die Länder annektieren will, aber kaum eine wirkliche Motivation erhält.

Fazit: The Witcher gehört zu den besseren Game / Buch Adaptionen und im Gegensatz zu vielen, Respektieren sie auch das Sourcematerial. Als Serie ist sie in der ersten Staffel enorm holprig. Erzählstruktur ist mühsam, viele Charaktere bleiben Hüllen ohne klar ausgezeichneten Motivationen und vom Casting her, ist es auch eher Miss als Hit. Mit mehr Worldbuilding, besseren Erklärungen und auch klar geführter Erzählstruktur - mit einem deutlich grösseren Budget - können sie da noch viel draus machen. Als Einstieg bleibt es jedoch eine recht verwirrende und zeitweilen schwer zugängliche Produktion bei der es wirklich alle Episoden benötigt, um wirklich aufzugehen. Deshalb guter Auftakt, doch da gibt es noch viel Raum nach oben.

yan

Nach den ersten zwei Folgen wollte ich schon beinahe aufgeben: wirr, zusammenhangslos, holprig in der Inszenierung und teilweise schwach gespielt, hatte ich grosse Mühe mit der ersten Staffel warm zu werden. Doch mit den weiteren Folgen entwickelt sich die Serie dann doch. Es gibt zwar auch im Verlauf noch ein paar eigenartige Momente und die unnötig wirre Erzählstruktur ist oft eine Herausforderung. GoT ist zwar noch weit entfernt, aber unterhaltsam ist die Welt von The Witcher allemal. Potential ist vorhanden und mit Yennefer von Vengerberg hat die Serie eine Figur, die Henry Cavills Geralt locker das Wasser reicht.

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