Le voyage du prince (2019)

Le voyage du prince (2019)

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Filmkritik: Es menschelt schon sehr bei den Affen...

17. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2019
Singetopolis
Singetopolis

Ein etwas in die Jahre gekommener Prinz der Affen macht sich mit seiner Armee auf, in der Ferne andere Affenvölker zu suchen. Beim Versuch das gefrorene Meer zu überqueren, brechen sie im Eis ein und versinken im eisigen Wasser. Nur der Prinz wird lebendig ans Ufer getrieben, wo er vom Affenjungen Tom gefunden wird. Tom, der als einziger die Sprache des Fremden verstehen kann, bringt diesen zu seinen Adoptiveltern, die in einem verlassenen Museum am Rande des Dschungels leben und forschen. Während sich Tom zunehmend mit dem Fremden anfreundet, sieht sein Vater, ein bei der wissenschaftlichen Akademie in Ungnade gefallener Evolutionsforscher, im angeblichen Prinzen die Chance, seine Reputation zu retten.

"Hab ich dir schon von den Bienen und Blumen erzählt?"
"Hab ich dir schon von den Bienen und Blumen erzählt?"

Der Prinz seinerseits möchte diese fremde Welt mit ihren unbekannten Maschinen und der Konsumgier besser kennenlernen. Und er möchte mit den Anführern dieses Affenvolkes Handelsbeziehungen eingehen. Doch die Akademiker sehen in ihm trotz seiner feinen Gewänder nur einen ungebildeten Wilden und wollen ihn als neue Sensation im Zoo ausstellen.

Le voyage du prince ist ein animiertes philosophisches Traktat über Menschsein (oder besser gesagt: Affensein), welches verschiedene Gesellschaftsentwürfe einander gegenüberstellt. Die an feine Maltechnik erinnernde 2D-Computeranimation wirkt wie eine Art Reise durch die menschliche Gesellschaftssgeschichte - nicht zufällig sind die Affen nur wenige Gesichtszüge vom Menschen entfernt dargestellt. In dezenten Farben und schönen Bildkompositionen, aber ohne grosse Spannungsmomente stellt der Film Fragen nach dem Sinn des äffischen und somit auch des menschlichen Daseins.

In seinen früheren Werken setzte Regisseur Jean-François Laguionie den Schwerpunkt weniger auf die Story seiner Animationsfilme, sondern liess seine Filme wie Le Tableau und Louise en Hiver in erster Linie durch zauberhaft animierte Bilder beeindrucken. Die Handlung war dabei eher assoziativ zu erschliessen. In Le voyage du Prince, den er zusammen mit Xavier Picard und einmal mehr mit Drehbuchautorin Anik Leray realisiert hat, nimmt das Visuelle hingegen einen deutlich weniger dominanten Stellenwert ein.

Im Grunde genommen handelt es sich bei dieser Geschichte um eine Art philosophisches Gedankenspiel, das an Werke wie Thomas Morus' "Utopia" oder Satiren wie Voltaires "Candide" erinnert. Dabei bewegt sich der Affenprotagonist von seiner eher mittelalterlichen respektive renaissancenhaften Heimat in eine industrialisierte viktorianische Welt des Kapitalismus, in der allein der Konsum regiert, und endet schliesslich in einer friedlichen, ja fast schon paradiesischen Welt der Nachhaltigkeit in den Baumwipfeln des Dschungels.

Durch die Gegenüberstellung von Natur und Zivilisation, Freundschaft und Eigensucht bezieht der Film soziopolitisch deutlich Stellung. Insbesondere der joviale Prinz und sein junger Freund Tom vertreten als Sympathieträger die Position einer naturbasierten offenen Gesellschaft und werden als Gegensatz zur eigensüchtigen Wissenschaftselite in der verklemmt-kapitalistisch dargestellten Affenrepublik inszeniert. Viele Überraschungen birgt dieses Konzept zwar nicht, denn die allgemeine Stossrichtung ist bald einmal klar. Mit den feinen Bildkompositionen und dem sympathische Affenduo im Zentrum der Ereignisse bietet der Film aber eine interessante Philosophiestunde mit gelegentlich auftretenden Abenteuerelementen. Damit schliesst Laguionie an seinen Klassiker Le château des singes an, in dem er bereits vor 20 Jahren ähnliche Themen mithilfe von Animation bearbeitet hat.

/ pps