VFW (2019)

VFW (2019)

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  2. 92 Minuten

Filmkritik: Veteran with a Shotgun

NIFFF 2020
Fehlt nur noch die Maschinengewehr-Beinnprothese
Fehlt nur noch die Maschinengewehr-Beinnprothese © NIFFF

Barinhaber und Vietnamveteran Fred Parras (Stephen Lang) wollte mit seinen alten Kriegsfreunden bloss wie jeden Abend ein paar Kurze trinken und in seiner kleinen heruntergekommenen Kneipe über die alten Heldentaten plaudern. Seine Freunde haben aber andere Pläne. Fred hat nämlich Geburtstag und wird in ein Striplokal eingeladen. Doch so weit kommt es nicht.

Als die Altmännertruppe eigentlich gerade aufbrechen will, rennt ein verängstigtes Mädchen in die Bar. Wie sich herausstellt, ist Lizard, so der Name des vorlauten Teenies, auf der Flucht von ein paar gemeinen Drogendealern, die ihre grosse Schwester auf dem Gewissen haben. Als Rache hat sich Lizard den ganzen Stoff der Dealer geschnappt und ich abgehauen. Die alten Herren machen sich bereit für ein letztes Gefecht.

Mit VFW, kurz für «Veterans of Foreign Wars», ist Joe Begos (Bliss) seine bisher beste Regiearbeit gelungen. Die unterhaltsame Hommage an die ultra-blutigen B-Action-Thriller der Achtziger bedient sich an diversen Genrefilmen dieser Zeit und sieht auch so aus, als wäre er direkt der VHS-Epoche entsprungen. Dies ist alles nicht besonders originell inszeniert, weshalb VFW auch kaum lange in Erinnerung bleiben wird. Dafür ist auch die Story viel zu unspektakulär. Der ausgezeichnete Cast und die coolen Oneliner sind es aber wert, dem kleinen Retro-Actioner eine Chance zu geben.

Ohne aufklärende Texttafeln wäre das Intro zu Joe Begos VFW bereits ein Grund, den Film auszumachen. Völlig konzept-und ambitionslos zeigt der Regisseur eine gewaltverherrlichende und drogenverseuchte Welt, in der eine Droge namens Hype die lebenden Menschen zu wandelnden Zombies verwandelt hat. Dem Bösen ein Gesicht zu geben, missglückt Begos dabei völlig, denn die Antagonisten, inklusive dem schlecht aufspielenden Travis Hammer als Drogendealer-Boss sind nicht mehr als Schablonen, die einer nach dem anderem das Zeitliche segnen.

Zum Glück funktioniert da die Einführung der robusten und trinkfesten Veteranen-Truppe um Welten besser. Die sympathischen Altherren, gespielt von Stephen Lang (Don't Breathe), Fred Williamson (From Dusk Till Dawn), William Sadler (The Mist), David Patrick Kelly (Twin Peaks) und Martin Kove (Rambo: First Blood Part II) sind mit ihren Sticheleien gegeneinander und den witzigen Onelinern unterhaltsamer als jede Blutfontäne. Und davon gibt es so einige in VFW. Leider ist die Grindhouse-Produktion aber in vielen Szenen zu dunkel geraten. So fällt es schwer, im blau-rot getünchten, grobkörnigen Blutbad viel von den handgemachten Splatter-Effekten zu erkennen. Doch auch so ist VFW kein Film für Zartbesaitete. Hier wird geschlitzt, was das Zeug hält.

Storytechnisch darf man vom Retro-Actioner aber ja nicht zu viel erwarten. Hier wird kein Tiefgang geboten, und auch eine Entwicklung der Charaktere sucht man vergebens. Diese Schlachtpalette dient der anspruchslosen Unterhaltung. Als eine Art Rip-off von Assault on Precinct 13 mit Hobo with a Shotgun-Elementen gelingt das Joe Begos ordentlich, wenn auch nicht eindrücklich. VFW ist ein mässiger Retro-Splatter mit witzigen Dialogen, aber ohne Wiedererkennungswert.

Yannick Suter [yan]

Yannick arbeitet seit 2010 als Freelancer für OutNow. Sci-Fi-, Horror- und Mindfuck-Filme sind seine Favorites. Wenig anfangen kann er mit Kostümfilmen und allzu prätentiösen Arthouse-Produktionen. Wer aber etwas über äusserst verstörende Filme erfahren möchte, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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