The Two Popes (2019)

The Two Popes (2019)

Die zwei Päpste
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  3. 125 Minuten

Filmkritik: Benedikt v Franziskus

44th Toronto International Film Festival
"Jesus, he knows me, and he knows I'm right."
"Jesus, he knows me, and he knows I'm right." © Netflix

Im Jahr 2013 bestellt der amtierende Papst Benedikt XIV. (Anthony Hopkins) den argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio (Jonathan Pryce) zu sich ins Castel Gandolfo. Dem progressiven Bergolio kommt das gerade recht, möchte er doch schon seit geraumer Zeit sein Amt niederlegen. Einige Briefe hat er deswegen bereits in den Vatikan geschickt, bis jetzt kam allerdings keine Antwort zurück. Kein Wunder, denn Benedikt denkt nicht daran, Bergolios Gesuch gutzuheissen.

Mehr noch, der konservativ eingestellte Benedikt möchte selbst auf sein Amt verzichten. Bergoglio wäre ein möglicher Nachfolger, doch der amtierende Papst möchte zuerst seine Zweifel aus dem Weg geräumt haben. Denn die beiden Männer waren in der Vergangenheit nicht immer der gleichen Meinung. In den folgenden Tagen debattieren sie im Castel und innerhalb der heiligen Mauern des Vatikans über Tradition, Fortschritt und die Zukunft der katholischen Kirche.

Zwei Geistliche sprechen über die Zukunft der katholischen Kirche. Was furchtbar trocken und öde klingt, ist dank Situationskomik, gut geschriebenen Dialogen und den beiden Klasse-Darstellern Anthony Hopkins und Jonathan Pryce ein durchaus gemütlicher Crowdpleaser - auch für Leute, die nichts mit der Kirche am Hut haben. In diesem Sinn: Gehet hin und schauet euch diesen (Netflix-)Film an!

Gleich am Anfang pfeift der von Jonathan Pryce toll verkörperte Bergoglio (der spätere Papst Franziskus) innerhalb der heiligen Mauern des Vatikans die Melodie des ABBA-Hits «Dancing Queen». Dafür erntet er vom von Anthony Hopkins verkörperten Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) nicht viel mehr als Kopfschütteln. Damit ist der Bogen gespannt zur letzten Szene, die den WM-Final von 2014 zwischen Deutschland und Argentinien aufgreift. Dort kommt das Gepfeife aus dem Fernseher. Übrigens: Dieser Film wurde von keinen Pfeifen produziert.

Regie führte der Brasilianer Fernando Mereilles, der unter anderem Filme wie City of God und The Constant Gardener gedreht hatte. Es mag zwar auf den ersten Moment nicht gerade sehr prickelnd klingen, wenn zwei alte Herren sich über Religion austauschen, doch Mereilles macht aus Anthony McCartens Buchvorlage «The Pope: Francis, Benedict, and the Decision That Shook the World» ein unterhaltsames Filmerlebnis.

Der Film beleuchtet nicht beide Päpste gleich stark. Er ist vielmehr ein Porträt von Bergoglio, der hier als Mann des Volkes gezeigt wird und nichts mit dem ganzen Pomp der Kirche anfangen kann. Lieber kocht er mit den einfachen Leuten, schaut in einer Bar Fussball und fährt mit dem Fahrrad durch die Gassen. Auch werden Bergoglio Rückblenden zugestanden, welche seinen Werdegang und einige schwierige Entscheidungen in den Siebzigern zeigten. Leider verliert der Film dabei seinen Rhythmus, der von den toll geschriebenen, humorvollen Dialogen zwischen Hopkins und Pryce vorgegeben wird.

Hinsichtlich der Person Ratzingers und dessen Zeit als Papst geht der Film kaum in die Tiefe. Schwere Themen wie Kindesmissbrauch werden nur kurz angeschnitten und nicht gross debattiert. Stattdessen wird der mitunter fortschrittsscheu porträtierte Ratzinger als Fan von Kommissar Rex gezeigt. Hopkins holt trotzdem das Maximum aus seiner Rolle heraus und Pryce tut es ihm gleich. Es ist schlichtweg eine Freude diesen grossartigen Schauspielern bei diesem zwischendurch recht lustigen Kammerspiel zuzusehen. Sie machen The Two Popes sehenswert und dank ihnen verzeiht man dem Streifen auch die billig wirkende TV-Optik. Vielleicht wollte Mereilles damit auch ein Statement abgeben, denn The Two Popes wird nach einem kurzen Kinorelease exklusiv nur auf Netflix - und damit auf dem heimischen Fernseher - zu sehen sein.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

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Trailer Englisch, 02:09