Toy Story 4 (2019)

Toy Story 4 (2019)

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando
  1. , ,
  2. 100 Minuten

Filmkritik: So long, Sheriff

"Bis zur Unendlichkeit..." - "Hey, das ist mein Spruch."
"Bis zur Unendlichkeit..." - "Hey, das ist mein Spruch."

Die Spielzeuge um Woody, Buzz und Jessie haben bei Bonnie ein neues Zuhause gefunden, wo mit ihnen wie bei ihrem Vorbesitzer Andy lieb umgegangen wird. Doch nun steht der Kindergarten-Infotag an und Bonnie hat grosse Angst davor. Obwohl ihre Eltern es dem kleinen Mädchen nicht erlauben, ein Spielzeug mitzunehmen, schleicht sich Woody heimlich in den Rucksack und versucht zu helfen, wo er kann. Schnell bastelt sich Bonnie jedoch im Kindergarten aus einem weggeworfenen Göffel und anderem Müll ein neues Spielzeug mit dem Namen Forky zusammen, welches sie wenig später mit anderen Spielsachen mit auf einen Ausflug nimmt.

Göffeldeckelnamal
Göffeldeckelnamal

Das Problem ist nur, dass sich Forky gar nicht wie ein Spielzeug fühlt und deswegen immer wieder in den Mülleimer springen will. Als er eines Abends aus dem fahrenden Wohnmobil springt, tut es ihm Woody gleich. Immerhin sieht es der Cowboy als seine Aufgabe an, sich um das Wohlergeben von Forky und damit auch von Bonnie zu kümmern. Auf ihrem langen Weg zurück trifft das ungleiche Duo auf neue Freunde, unheimliche Feinde und alte Bekannte.

Toy Story 4 ist nach dem dritten Teil ein weiterer berührender Abschluss der fast perfekten Film-Reihe von Pixar. Die altbekannten Figuren sind immer noch herrlich, die Gags sitzen und zudem geht das alles auch noch recht zu Herzen. Alle, welche dachten, dass es sich hier um reine Geldmacherei handelt, werden mit einem grossartigen Animationsfilm eines Besseren belehrt.

Neun Jahre ist es her, als nicht nur wir schrieben, dass Toy Story 3 "ein gefühlsvoller Abschluss der Reihe ist, welche nun keinen weiteren Teil mehr braucht." Doch "leider" spielt der Film als erster Animationsstreifen überhaupt weltweit mehr als eine Milliarde Dollar ein und die in den Jahren darauf produzierten Kurzfilme erfreuten sich grosser Beliebtheit. Als wurden die Spielzeuge nun aus der Kiste geholt und wieder auf die Leinwand gebracht. Das schreit nach reiner Geldmacherei. Doch nach dem Anschauen des Filmes muss man zugeben, dass Toy Story 4 eine wirkliche Story zu erzählen hat, welche die Reihe ein weiteres Mal sauber zu einem berührenden Abschluss bringt.

Die Ausgangslage des allerersten Toy Story war simpel: Was ist, wenn die Spielzeuge in den Kinderzimmern lebendig werden, wenn kein Mensch im Raum ist. Während das Kinder entzückte, liess es die Erwachsenen zurück an die eigene Kindheit denken. Diese wunderbaren Spielzeuge, die immer für uns da waren und uns auch mal halfen, schwierige Momente durchzustehen. Doch was für Gefühle haben diese Spielsachen? Wie herzzerbrechend ein solches "Leben" sein kann, wurde schon in den ersten beiden Fortsetzungen (unter anderem anhand von Cowgirl Jessie und Plüschbär Lotso) gezeigt. In Toy Story 4 hat nun Protagonist Woody seine Sinnkrise. Sein Auftrag ist nach dem Weggang von Andy erfüllt und er versucht dieses Loch zu füllen, indem er Forky hilft, ein gutes Spielzeug zu sein. Doch damit ist der Sheriff wieder nur für jemand anderen da. Was ist mit ihm selbst? Von was träumt er? Ist es vielleicht nicht auch für Woody Zeit, über das Spielzeugzimmer hinauszublicken? Um diese innere Reise, diesen Selbstfindungstrip geht es in Toy Story 4, welcher den Figuren noch mehr als die Vorgänger auch seelisch ein richtiges Eigenleben gibt. Das geht ans Herz und wird nicht wenige zu Tränen rühren. Bei so vielen Emotionen stört es auch nicht gross, dass die Bösewichterseite im Vergleich etwas schwächer ausgefallen ist.

Doch keine Angst: Das 21. Werk aus dem Hause Pixar ist keine reine psychoanalytische Lektion, sondern auch einfach sehr gut gemachtes Animationsfilmkino. Die Vielzahl an Details ist fast nur mit der Zuhilfenahme einer Pause-Taste wirklich erkennbar. Alleine die Abnützungen an den Spielsachen sind bemerkenswert ausgearbeitet. Abgenutzt sind zum Glück nur die Oberflächen der in die Jahre gekommenen Figuren. Denn das Erzähltempo, die tollen Gags (Buzz Lightyear hat herrliche Momente) und die neu eingeführten Figuren - allen voran zwei Plüschtiere und ein in der Originalfassung von Keanu Reeves gesprochener Stunt-Man - lassen das Ganze frisch wirken und unterstreichen nochmals die Daseinsberechtigung dieses von vielen im Vorfeld als unnötig abgestempelten vierten Teils. Wie die eigenen Spielzeuge von früher sollte man die Magie, die Freude und die Kraft, welche die Pixar-Spielsachen auszulösen vermögen, nie unterschätzen. Eine wunderschöne Hymne an die treuen Begleiter einer Kindheit. A beautiful and wonderful Toy Story.

/ crs