Tony Driver (2019)

Tony Driver (2019)

  1. 73 Minuten

Filmkritik: Grenzerfahrungen

Noch besser als ein Tesla? Gar kein Auto!
Noch besser als ein Tesla? Gar kein Auto! © Xenix Filmdistribution GmbH

Von seiner Heimat Italien weiss der mittlerweile fast im Rentenalter angekommene Pasquale nicht mehr viel. Bereits als kleiner Junge hat er sie damals verlassen und ist zusammen mit seinen Eltern in die USA ausgewandert. Heute lebt er als «Tony» in Arizona und fühlt sich durch und durch als Amerikaner.

Etwas kauzig und sehr schnauzig
Etwas kauzig und sehr schnauzig © Xenix Filmdistribution GmbH

Ab und an hilft Tony als Fahrer Mexikanern über die US-Grenze. Bei einer solchen Fahrt wird er aber gefasst und muss sich nun entscheiden zwischen Inhaftierung in den USA oder Ausschaffung nach Italien. Da sich Tony auf gar keinen Fall einsperren lassen möchte, entscheidet er sich für die Rückkehr nach Europa, was er aber ziemlich schnell bereut. In Apulien blickt er von seiner schäbigen Unterkunft auf ein kleines zurückgebliebenes Italien - ohne Chancen und Träume. Doch Tony gibt nicht auf. In seinem Exil schmiedet er einen Plan, in die USA zurückzukehren.

Die tolle Inszenierung, die mit wundervoller Bildsprache und einem clever gemachten Soundtrack punkten kann, wird leider immer wieder von der ruppigen und unsympathischen Art der Hauptfigur überschattet. Es fällt schwer, mit diesem Tony mitzufiebern, wenn er rassistische Bemerkungen macht oder er sich beim Aufgabeln einer Frau in einer Bar nicht von seiner besten Seite zeigt. Denn noch ist der etwas andere Blickwinkel auf das Thema Heimat und Identität äusserst spannend und die Bilder erinnern in ihrer Qualität gar an die oscarprämierte Kameraarbeit von Nomadland.

Das Kino fordert uns oft damit heraus, uns mit Figuren zu identifizieren, um die wir im wahren Leben einen grossen Bogen machen würden. Bei einem Dokumentarfilm ist dies noch schwieriger, da wir wissen, dass hier kein Schauspieler am Werk ist. Daran liegt das Hauptproblem von Tony Driver. Protagonist Pasquale wirkt nicht wie ein freundlicher Zeitgenosse, sondern strahlt eine eher unsympathische Haltung aus.

Die Themen des Filmes bleiben trotz Pasquale spannend. Vor allem der verrückte Plan, den er ausheckt, lässt auf ein spektakuläres Finale hoffen. Aus rein rechtlichen Gründen fällt dies vielleicht nicht so actionlastig wie erhofft aus, gipfelt aber in einem perfekten Schlussbild. Überhaupt sind es die Bilder, die am meisten beeindrucken. Nach einem skurrilen Anfang, der kurz die Absurdität eines Quentin-Dupieux-Filmes aufblitzen lässt, gibt es ganz viel «Americana» und einen Hauch von Westernfeeling.

Beim Soundtrack haben sich die Filmemacher um Regisseur Ascanio Petrini etwas ganz Besonderes einfallen lassen und setzen immer wieder die Stimme ihrer Hauptfigur auf dem Soundtrack ein. Dies lässt Tony Driver fast schon wie eine Kunstfigur erscheinen, die etwas «larger than life» ist.

Marco Albini [ma]

2003 verfasste Marco seine erste Kritik auf OutNow und ist heute vor allem als Co-Moderator des OutCast tätig. Der leidenschaftliche «Star Wars»-Fan aus Basel gräbt gerne obskure Genrefilme aus, aber Komödien sind ihm ein Gräuel.

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Trailer Italienisch, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:52