3 from Hell (2019)

3 from Hell (2019)

  1. 115 Minuten

Filmkritik: Free the three!

Bald ist Ruhe!
Bald ist Ruhe!

Wer dachte, dass die Firefly-Familie im Kugelhagel der Polizei umgekommen ist, der wird bald eines Besseren belehrt. Serienkiller Otis (Bill Moseley), die verrückte Baby (Sherri Moon Zombie) und Psycho-Clown Captain Spaulding (Sid Haig) haben überlebt und werden hinter dicken Mauern wieder aufgepäppelt. Während Opa Spaulding die Todesstrafe erhält, befreien sich Otis und Baby in üblicher, brutaler Manier aus ihrer Gefangenschaft und ziehen mit Neuzugang Midnight Wolfman (Richard Brake) in Richtung Mexiko. Dort unten kennt sie niemand und sie glauben, endlich ihre Ruhe finden zu können.

Familienfoto bitte!
Familienfoto bitte!

In einem kleinen Kaff wird ihnen ein Zimmer vermietet, ein paar Schlampen angekarrt und Alkohol gebracht. Eigentlich könnte es genau das Leben sein, das die Killerfamilie seit längerem sucht. Da aber auch in Mexiko Nachrichten gesendet werden und der Hotelbesitzer natürlich weiss, wen er da bei sich einquartiert hat, tauchen bald mexikanische Killer in Lucha-Libre-Masken auf. Sie wollen einen der ihren rächen, der von Otis ermordet wurde und eröffnen die Jagd. Drei psychopathische Killer stehen nun einer Horde wütender Mexikaner gegenüber. Das kann ja heiter werden.

Im Cast von 3 from Hell wird sogar Machete Danny Trejo geführt. Das darf aber, da er nur ein paar Sekunden lang zu sehen ist, als blanke Verarschung aufgefasst werden. Es passt zum Gesamtbild. Die Figuren in 3 from Hell bleiben platt und uninteressant, die Brutalität wird zelebriert und wer eine ausgeklügelte Story erwartet, wird enttäuscht. Für Fans der Fireflies kann man sicher ein Auge riskieren - für alle anderen heisst es: «Finger weg!»

Rob Zombie, schräger Kerl mit Hang zu düsterer Musik und noch düstereren Filmen, hatte 2003 mit House of the 1000 Corpses ein recht ansehnliches Gruseldebut als Regisseur, legte mit The Devil's Rejects erfolgreich nach und wollte seine Figuren danach zur Ruhe betten. Schliesslich standen mit Halloween und Halloween II grössere Projekte an. Die Jahre zogen ins Land und nun holt Zombie seine Firefly-Familie wieder an die Oberfläche und spendiert den Figuren mit 3 from Hell einen dritten Teil ihrer Geschichte. Sollte der erfolgreich sein, dürfte wohl noch ein Anhang folgen.

Mit dem im September 2019 verstorbenen Sid Haig hatte einer der bekannten Figuren leider nur einen Kurzauftritt, aber da Haig bei den Dreharbeiten schon körperlich kaum mehr in der Lage war, richtig zu spielen, wurde sein Charakter schon früh im Film aus dem Verkehr gezogen. Mit Richard Brake als Wolfman hat man aber einen guten Ersatz gefunden, der durchgeknallt und brutal dargestellt wird. Bill Moseley und Sherri Moon Zombie haben sichtbar keine Mühe, auch nach längerer Pause wieder in ihre Rollen zu schlüpfen. Wobei allerdings vor allem Baby ein paar schräge, weil ziemlich blöde, Momente zu meistern hat. Ihre männlichen Kollegen sind da einfacher gestrickt und knallen lieber unschuldige Leute über den Haufen, als sich mit ihrem eigenen Charakter zu beschäftigen.

3 from Hell startet dokumentarisch angehaucht, stellt die Sachlage nochmal vor und entwickelt sich dann zum Roadtrip, der (natürlich) blutig und brutal wird. Die zweite Filmhälfte in Mexiko bringt dann die Schwächen der Geschichte und des Films klar zum Ausdruck. Regisseur Zombie hat keine Ahnung, wohin er mit seinen Figuren will. Charakterentwicklung suchen wir vergebens, die Handlung stockt und ausser grossem Geballere und blutigem Gemetzel wird dem Zuschauer nicht mehr viel geboten. Natürlich war das ein bisschen zu erwarten. Nichtsdestotrotz ist das, was Zombie hier abliefert, schon fast ein bisschen hilflos. Dementsprechend tief ist auch der Unterhaltungswert.

/ muri