Weathering with You - Tenki no ko (2019)

Weathering with You - Tenki no ko (2019)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Wolkig mit Aussicht auf Romantik

Wenn's oobe schifft und unde seicht ...
Wenn's oobe schifft und unde seicht ... © Courtesy of TIFF

Weil er seine Heimat auf einer Insel an der Küste Japans satt hat, reist der junge Hodaka Morishima mit dem Schiff nach Tokio. Auf dem Schiff trifft er den leicht versifften Redaktionsleiter Keisuke Suga, der ihm seine Visitenkarte hinterlässt, sollte er einmal Hilfe brauchen. Da Hodoka ziemlich unvorbereitet in Tokio ankam, ernährt er sich tagelang von Suppe in einem McDonalds. Einem jungen Mädchen fällt das auf, worauf sie ihm einen Big Mac spendiert.

Hiiier kommt die Sonne!
Hiiier kommt die Sonne! © Courtesy of TIFF

Nach einigen erfolglosen Versuchen, einen Nebenjob zu finden, schliesst sich er sich Keisuke an und hilft ihm, sein skurriles Magazin über das Übernatürliche zu füllen. Beim Verlassen einer Einrichtung sieht er, wie das Mädchen, das ihm den Burger spendierte, von zwei Männern belästigt wird. Er packt sie am Arm und die beiden flüchten. Er erfährt, dass sie Hina heisst und ... das Wetter kontrollieren kann? Hodoka, auf der Suche nach einem Einkommen, beginnt mit Hina einen Dienst aufzubauen, bei dem sie für Geld die Sonne scheinen lassen. Nach nicht allzu langer Zeit funkt es dann auch bei den beiden Teenagern.

Makoto Shinkai schafft es nicht ganz, an die Qualität seines Vorgängerfilms Your Name anzuknüpfen, präsentiert aber dennoch einen herzigen, wunderschön animierten und kurzweiligen Film über eine Jugendliebe. Diesmal mit etwas weniger Kitsch, weniger Leichtfüssigkeit und weniger einfallsreichen Figuren. Trotzdem schliesst man die beiden Protagonisten ins Herz und fiebert mit ihnen bis zum Schluss mit.

Spätestens mit Your Name hat sich der japanische Regisseur Makoto Shinkai auch ausserhalb seiner Heimat einen Namen gemacht. So wird er sogar der neue Hayao Miyazaki (Spirited Away) genannt. Mit seinem neuen Film Tenki no ko (deutsch: Wetterkind) erzählt er erneut die Geschichte einer Jugendliebe, diesmal mit einem Touch Klimawandel.

Diese Geschichte ist herzig und vermittelt eine schöne Botschaft: Die Liebe ist wichtiger als alles rundherum. Sowohl die Haupt- als auch die Nebencharaktere sind dabei aber leider nicht sonderlich einfallsreich und funktionieren etwas gar schablonenhaft. Dennoch schliesst man die beiden ins Herz und die Liebesgeschichte funktioniert. Dabei ist Weathering With You nicht annähernd so kitschig wie Your Name oder vor allem Garden of Words, sondern bedeutend bodenständiger. So ist die Geschichte zwar kurzweilig und stellenweise ganz witzig, aber auch vorhersehbar und nie besonders spannend oder aufregend.

Wie hingegen die beiden genannten Filme ist auch sein neuster Film eine Augenweide. Die Animation ist toll, aber speziell beeindruckend sind die Umgebungen. Alles wirkt extrem echt und belebt, sowohl die überlaufenen Strassen Shinjukus als auch die Innenräume der Wohnungen. Was die Filme von Makoto Shinkai und seinen Animatoren auszeichnet, ist der Einsatz von Licht. Dieser ist bedeutend auffälliger und natürlicher als in vielen anderen Anime-Filmen und -Serien. Dazu kommt der Einsatz von 3D-Einstellungen, die in vielen 2D-Animationen fehl am Platz wirken. Nicht so hier.

Zwar ist Weathering With You nicht so clever oder so wunderschön kitschig wie Your Name, aber dennoch schön anzusehen, herzig und kurzweilig. Ausserdem ist er trotz einem wahnsinnig typischen J-Rock-Soundtrack sehr zugänglich. Die Botschaft im Hintergrund - leg dich nicht mit der Natur und dem Wetter an - ist dazu so zeitnah wie kaum ein anderes Thema.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

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