To the Ends of the Earth - Tabi no Owari Sekai no Hajimari (2019)

To the Ends of the Earth - Tabi no Owari Sekai no Hajimari (2019)

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  2. 120 Minuten

Filmkritik: Lola rennt in Usbekistan

2. OutNow Film Festival 2021
Da, wo der Bartli den Most holt.
Da, wo der Bartli den Most holt. © trigon-film

Yoko (Atsuko Maeda) ist Reisemoderatorin und reist mit einer Filmcrew durch Usbekistan, um dem Publikum zu Hause das Land und seine Sitten vorzustellen. Als Japanerin in einem fremden Land und als einzige Frau in der Crew fühlt sich Yoko sehr isoliert. Vor der Kamera stets fröhlich lächelnd und aufgestellt wirkend, zeigt sich ihre reservierte und zurückhaltende Art, sobald die Kamera abgestellt ist. Gleichzeitig sogt sie sich um ihren Freund, der in Tokio als Feuerwehrmann an der Küste arbeitet.

Flachschuh-Catwalk
Flachschuh-Catwalk © trigon-film

Da die Pläne der Crew ständig schieflaufen, ist immer wieder ihre künstlerische und organisatorische Flexibilität gefragt. Eigentlich wollen sie endlich den legendären «Bramul» fangen, einen Fisch, der im Aydarsee leben soll. Da sich dieser jedoch nicht blicken lässt, ist die Crew gezwungen, andere Seiten Usbekistans zu finden, die sich in einer Reportage gut zeigen lassen. Somit muss Yoko immer wieder ihre Komfortzone verlassen, wobei sie langsam die Schönheit des fremden Landes, aber auch immer mehr zu sich selbst findet.

Die talentierte Atsuko Maeda spielt die isolierte, zurückhaltende Reporterin aus Japan sehr überzeugend und vermag ihr Unwohlsein auf das Publikum zu übertragen. Einerseits macht das To the Ends of the Earth etwas anstrengend. Andererseits lässt es über gewisse repetitive Längen des Films hinwegschauen.

Eins gleich vorneweg: To the Ends of the Earth ist kein entspanntes Filmerlebnis. Nichtsdestotrotz lohnt es sich einen Blick in das neuste Werk von Kiyoshi Kurosawa (Pulse) zu werfen. Während zwei Stunden wird gezeigt, wie frustrierend und mühsam das Reisen in fremden Kulturen sein kann. Zugleich werden die zwei Seiten der japanischen Fernsehindustrie gezeigt: vor der Kamera immer extrem aufgestellt und extravertiert, hinter der Kamera ernsthaft und reserviert. Kurosawa gelingt es sehr eindrücklich, die Abgegrenztheit und Isolation darzustellen, die gewisse japanische Konventionen nach sich ziehen.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Yoko als reservierte, zurückhaltende Protagonistin, die weder die eigene Crew noch die Einheimischen von Usbekistan an sich heranlässt. Atsuko Maeda (The Complex) spielt die Reporterin sehr überzeugend und lässt das Publikum am eigenen Leib spüren, wie es ist dauernd die eigene Komfortzone verlassen zu müssen. Dies macht den Film einerseits interessant, aber eben auch etwas ungemütlich.

In einem fremden Land mit einer fremden Kultur sowie einer fremden Sprache und einzige Frau in der Crew versucht Yoko einerseits Neues zu entdecken, steht sich selbst aber immer wieder im Weg. So zieht sie sich gegenüber der Crew ständig zurück und möchte auch nicht in Kontakt mit Einheimischen kommen. Diese abweisende Art gegenüber den Einheimischen, die alle eigentlich sehr nett zu ihr sein wollen, beginnt mit der Zeit zu nerven. Auch das dauernde Davonrennen von irgendwelchen böswirkenden Gestalten wird nach dem dritten Mal repetitiv. Wie häufig kann denn jemand tagsüber in einer dunklen bedrohlichen Gasse landen!? So wechselt sich die Stimmung innerhalb der zwei Stunden immer mal wieder zwischen Mitleid, Genervtheit und Langeweile ab.

Trotz den Längen des Films, den repetitiven Situationen und den unangenehmen Momenten lässt To the Ends of the Earth die Zuschauer aber mit einem Gefühl zurück, einen neuen und persönlichen Einblick in eine wenig bekannte Welt erfahren zu haben.

Diana Rolny [dro]

Diana arbeitet seit 2013 als Freelancerin bei OutNow. Sie liebt Dokumentationen wie «The Life of Brian» und Wanderfilme aus Mittelerde. Zu schwarzhumorigen Komödien geniesst sie gerne einen Martini Dry, bei Sci-Fi einen Pangalactic Gargleblaster und bei sinnfreien Kunstfilmen einen Molotowcocktail.

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Trailer Originalversion, mit deutschen und französischen Untertitel, 01:04