The Sun Is Also a Star (2019)

The Sun Is Also a Star (2019)

  1. 94 Minuten

Filmkritik: I'm Insta-Loving It!

Sind wir nicht schön? #275
Sind wir nicht schön? #275

Die 17-jährige, bodenständige und rational denkende Natasha Kingsley (Yara Shahidi) wandelt vielleicht zum letzten Mal in ihrem Leben auf den Strassen von New York. Ihre aus Jamaika stammende Familie soll nämlich abgeschoben werden, weshalb ihre Eltern beschlossen haben, am nächsten Tag freiwillig auszureisen. Natasha, die in New York lebt, seit sie acht Jahre alt ist, möchte jedoch mit allen Mitteln versuchen, in den USA zu bleiben und sucht sich deshalb Hilfe bei einem Anwalt.

Sind wir nicht schön? #317
Sind wir nicht schön? #317

Auch der gleichaltrige Träumer Daniel Bae (Charles Melton) hat einen grossen Tag vor sich: Weil seine aus Südkorea stammenden Eltern möchten, dass er Arzt wird, soll er zu einem Bewerbungsgespräch für eine Empfehlung fürs College gehen. Als Daniel jedoch Natasha begegnet, glaubt er, dass ihr Zusammentreffen Schicksal ist. Und weil er sie auch davon überzeugen will, verbringen die beiden ungleichen Teenager den ganzen Tag miteinander. Ein Tag, an dem sie das Leben, die Liebe und das Schicksal ganz neu kennenlernen und sich beide mit ihrer Zukunft auseinandersetzen müssen.

Wie macht man aus einer potenziell tragischen Lovestory eine Feelgood-Romanze? Ganz einfach: Man setzt sich gar nicht erst gross mit den implizierten ernsten Themen auseinander, sondern setzt ganz auf Ästhetik. Und die sitzt bei The Sun Is Also A Star in jeder Sekunde. Mit den beiden fast schon unanständig schönen Hauptdarstellern Yara Shahidi (Black-ish) und Charles Melton (Riverdale) sowie einem New York, das direkt einem lüpfigen Coca-Cola-Spot entsprungen sein könnte, bietet der Film so fraglos wunderschöne Bilder, aber etwa so viel Gehalt, wie man Vitamine beim Anschauen einer Instagram-Story abbekommt.

Schon Everything, Everything, die erste Verfilmung eines Romans von Jugendbuchautorin Nicola Yoon, setzte neben schmachtender Romantik in erster Linie auf die enormen ästhetischen Reize von Darstellern und Setting. Waren es damals ein hyper-modernes Haus und die wunderschöne Szenerie Hawaiis, sind es im Nachfolgerfilm The Sun Is Also A Star von Regisseurin Ry Russo-Young (Before I Fall) die hippen Multi-Kulti-Ecken des Big Apple und ein karibisch-asiatisch-amerikanisches Liebespaar in spe. Als wäre man direkt in eine Insta-Story hineingelaufen, bietet praktisch jede Kameraeinstellung wunderschöne Menschen und sehenswerte Orte, die durch artsy Filter oder spektakuläre Beleuchtung fast schon zum bewegten Kunstobjekt werden.

Schön ist das. Richtig schön. So schön, dass allen, die nicht zur Zielgruppe der weiblichen Teens gehören, fast ein bisschen schlecht werden dürfte. In Kombination mit der sich anbahnenden Romanze, die freilich auch richtig schön unschuldig bleibt, wirkt das Ganze immer wieder so zuckersüss, dass es nicht wirklich kitschig, aber halt doch irgendwie ein bisschen too much ist.

Schade ist es um das Potenzial der Story, welche mit etwas mehr Anspruch hätte kritisch mit Themen wie Abschiebung, Ausgrenzung, Druck durch die Eltern, Rassismus etc. umgehen können. Aber jegliche Gesellschaftskritik und persönliche Tragik verschwindet bald mal hinter der ästhetisierten Bilderflut, die uns eine fast ideale Multi-Kulti-Welt zeigt, in der alles Hässliche ausgeblendet wird, ja sogar keine einzige weisse Figur eine Sprechrolle hat und die ausschaffungswütige US-Politik in der Zeit Trumps höchstens mal nebenbei erwähnt wird. Freilich dürfte dies für die Generation Instagram reichen, für die Inszenierung (vermeintlich?) alles ist. Für die wunderschön eingefangenen Bilder der Grossstadt und des Hauptdarstellerduos reicht die gefällige Geschichte eigentlich schon - man darf nur nicht erwarten, von dem Augenschmaus auch satt zu werden.

/ pps