Her Blue Sky - Sora no Aosa o Shiru Hito yo (2019)

Her Blue Sky - Sora no Aosa o Shiru Hito yo (2019)

  1. , ,
  2. 112 Minuten

Filmkritik: Scheissblau

18. Internationales Festival für Animationsfilm Fantoche 2020
What, wer bist du denn?!
What, wer bist du denn?! © Tatsuyuki Nagai

Als Aoi noch klein war, starben ihre Eltern bei einem Unfall. Seither kümmert sich ihre ältere Schwester Akane um sie. Akane wollte zwar mit ihrem Freund Shinno nach Tokio, doch ihre quasi-elterlichen Pflichten hinderten sie daran, diesen Traum zu verwirklichen. Shinno hingegen verlässt das Heimatdorf, um in der Musik durchzustarten.

«Aber ich will nicht in den Blockflöten-Unti!»
«Aber ich will nicht in den Blockflöten-Unti!» © Tatsuyuki Nagai

Dreizehn Jahre später spielt Aoi leidenschaftlich Bass - wie es ihr Shinno damals geraten hatte. Für ein Musikfestival engagiert ein Freund von Akane eine bekannte Band aus Tokio. Als diese ankommt, steht neben dem extrovertierten Sänger Nitobe niemand Geringeres als Shinno. Gleichzeitig passiert im alten Proberaum seiner Band, den Aoi noch immer zum Üben nutzt, etwas Seltsames: Die dreizehn Jahre jüngere Version von Shinno erscheint aus dem Nichts. Dieser kann jedoch den Raum nicht verlassen. Langsam aber sicher verliebt sich nicht nur Akane wieder in ihren Shinno, sondern auch Aoi ...

AnoHana-Regisseur Tatsuyuki Nagai erzählt eine Geschichte über Liebe: zwischen Schwestern, Gegenwart und Vergangenheit sowie den damit verbundenen Schmerzen. Her Blue Sky ist ein wunderschön anzusehender, meistens ziemlich bodenständiger und demnach zugänglicher Anime mit der nötigen Portion Herz. Mit ein wenig «Aussetzen der Unglaubwürdigkeit» kann man gar nicht anders, als mit Akane und Aoi mitzufühlen.

Mit der Anime-Serie AnoHana brachte Regisseur Tatsuyuki Nagai weltweit unzählige Anime-Fans zum Heulen. Mit seinem neusten Filmprojekt Her Blue Sky inszeniert er ebenfalls eine emotionale Geschichte über Schwester-, Jugend- und unmögliche Liebe. Und diese trifft mitten ins Herz.

Her Blue Sky funktioniert vor allem wegen seinen zwei Hauptfiguren so hervorragend. Aoi ist mitten in der Pubertät und wehrt sich gegen jeglichen Fremdeinfluss, hat ihre Gefühle nicht im Griff und sagt des öfteren Dinge, die sie später bereut. Akane ist die Ruhe in Person, die ihre eigenen Wünsche stets hinter die der anderen stellt. Im Verlauf des Film werden immer wieder neue schöne Momente enthüllt, die gar nicht anders können als ans Herz zu gehen.

Bei Anime ist es dann auch nicht unüblich, ein übernatürliches Element einzubauen, um die Storyabsichten noch klarer zu kommunizieren. So gibt es in diesem Film zwei Versionen des Love Interests Shinno und es wird auch mal durch die Luft geflogen. Wie das alles genau geht, wird nie erklärt, muss also einfach für gegeben genommen werden. Dies funktioniert dank den starken emotionalen Momenten aber problemlos und lässt einige Ungereimtheiten im Plot nicht so stark ins Gewicht fallen.

Dazu ist Her Blue Sky wunderschön anzusehen. Einige Einzelbild-Einstellungen sehen aus wie Fotos, stehen aber lange genug, um zu erkennen, dass es sich um Zeichnungen handelt. Oftmals wird in Anime sehr übertriebenes Licht verwendet, um starke Kontraste zu erzeugen, doch hier wirkt alles viel weicher und demnach realistischer. Als Location diente die Stadt Chichibu, etwa zwei Stunden westlich von Tokio, als sehr entschleunigte Landgemeinde, eingelassen zwischen mit Wäldern übersäten Bergketten.

Vergleiche mit den Werken von Makoto Shinkai (Your Name, Weathering With You) werden nicht nur wegen den teils hyperrealistischen Abbildungen realer Orte gezogen, sondern auch wegen der Stadt-Land-Thematik sowie den emotionalen zwischenmenschlichen Beziehungen. Her Blue Sky gelingt dies zwar nicht ganz auf demselben Level, braucht sich mit seinen sympathischen Figuren und pittoresken Schauplätzen aber keineswegs zu verstecken.

Nicolas Nater [nna]

Nicolas schreibt seit 2013 für OutNow. Er moderiert seit 2017 zusammen mit Marco Albini den OutCast. Ausser für Geisterbahn-Horrorfilme, überlange Dramen und Souls-Games ist er filmisch wie spielerisch für ziemlich alles zu haben. Ihm wird aber regelmässig vorgeworfen, er hätte nichts gesehen.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Instagram
  6. Letterboxd