Sea of Shadows (2019)

Sea of Shadows (2019)

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  2. 104 Minuten

Filmkritik: Kokain des Meeres

Zurich Film Festival 2019
Der 50'000 Dollar Fisch
Der 50'000 Dollar Fisch

Am Golf von Kalifornien bedrohen mexikanische Drogenkartelle in Kollaboration mit der chinesischen Mafia das gesamte maritime Leben der Region, inklusive das des seltenen kalifornischen Schweinswal, auch Vaquita genannt, nur um den auf dem Schwarzmarkt äusserst wertvollen Totoaba-Fisch zu wildern. Die Schwimmblase des Totoabas gilt in China als Heil- und Potenzmittel und ist daher ein Vermögen wert, obwohl die Heilkraft des Fisches bis heute nicht bewiesen ist.

Walls of Death
Walls of Death

Mithilfe von riesigen Netzen, die in der Sea of Cortez zu Hunderten gespannt werden, versucht man den Totoaba-Fisch zu fangen. Dabei töten die Wilderer auch alle anderen Meeresbewohner, die sich in den Netzen verfangen. Infolgedessen ist der Vaquita vom Aussterben bedroht. Es gibt noch kaum mehr als 20 solcher Tiere. Ein Team aus Journalisten, Wissenschaftlern und Naturschützern hat es sich zum Ziel gesetzt, die kleinen Wale zu retten und dafür Kopf und Kragen zu riskieren.

Die österreichische Dokumentation Sea of Shadows von Richard Ladkani beschäftigt sich nicht nur mit dem Kampf eine ganze Spezies zu retten, sondern auch mit den mexikanischen Kartellen und dem Schwarzmarkt. Im Stile der Oscar-Doku The Cove wird auch hier versucht, mit Thrillerelementen zu arbeiten, was aber nicht wie gewünscht aufgeht. Der von Leonardo DiCaprio mitproduzierte Sea of Shadows ist etwas zu reisserisch und aufdringlich inszeniert, geht aber wie jede "Extinction-Doku" ans Herz und hat eine wichtige Botschaft mit Daseinsberechtigung.

Der Doku-Film ist ein äusserst hilfreiches und wichtiges Medium unserer Zeit. Mit verhältnismässig wenig Aufwand ist es möglich ein breites Publikum auf Unterhaltungsebene auf wichtige Dinge wie zum Beispiel Umweltschutz anzusprechen. Auch Hollywood-Superstar Leonardo DiCaprio, der sich selbst sehr engagiert um das Wohl der Erde kümmert, wirkte in Vergangenheit als Produzent bei einigen solchen "Öko-Dokus" mit. Nachdem der Oscarpreisträger bereits bei The Ivory Game aus der österreichischen Filmproduktionsfirma Terra Mater als Co-Produzent tätig war, hatte er bei der nächsten Produktion des Studios gleich wieder seine prominenten Finger mit im Spiel.

Sea of Shadows wandelt auf den Spuren von The Cove, der 2010 den Oscar für die beste Dokumentation gewann und mit vielen spannungsgeladenen Thrillerelementen mitsamt wackliger Handkamera und geblurrten Gesichtern aufwartete. Während man in The Cove das Abschlachten von Delfinen in Japan aus der Nähe betrachtete, konzentriert man sich bei Sea of Shadows um den fast ganz ausgestorbenen Vaquita, dem kleinsten Wal der Welt. Als Zuschauer verfolgt man die mutigen Umweltaktivisten der Sea Shepherd bei ihrer Arbeit und dem Versuch, die vielen Netze im Meer, auch "Walls of Death" genannt, zu entfernen und die darin verfangenen Tiere zu befreien. Man wird Zeuge, wie die Umweltschützer daran scheitern einen Vaquita in einem Gehege zu isolieren. Hier hat die Doku seine besten Momente, denn es wird sichtbar, dass auch der beste Wille nicht ausreicht und Eingriffe in die Natur nur bedingt möglich sind.

Richard Ladkani, Sean Bogle und Matthew Podolsky, das Regie-Trio hinter der Dokumentation, wollte aber augenscheinlich mehr, als nur auf das Aussterben des kleinsten Wals der Welt aufmerksam machen. Mit etwas gar reisserischen Ermittlungsszenen, die musikalisch einem Actionkracher in Nichts nachstehen, folgt man einem Journalisten, der sich nahe an mexikanische Kartelle heranwagt und auf dem Schwarzmarkt schaurige Entdeckungen macht. Diese Passagen posaunen plakativ heraus, was auf unserem Planeten alles falsch läuft. Hier wäre etwas mehr Subtilität sicher wünschenswert gewesen. Doch anscheinend muss man solche Geschichte heute mit der Brechstange erzählen. Sea of Shadows verfügt nämlich trotz seiner "Mit dem Kopf durch die Wand"-Mentalität Botschaften, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten.

/ yan