Scary Stories to Tell in the Dark (2019)

Scary Stories to Tell in the Dark (2019)

  1. , ,
  2. , ,
  3. 108 Minuten

Filmkritik: Night of the Living Book!

Unheimlich: Der Sound im Autokino.
Unheimlich: Der Sound im Autokino.

USA, 1968: Die Freunde Stella (Zoe Margaret Colletti), Auggie (Gabriel Rush) und Tommy (Austin Abrams) suchen ausgerechnet an Halloween das seit mehreren Jahrzehnten verlassene Anwesen der Bellows auf, um welches sich jede Menge gruselige Legenden ranken. Vor allem um Tochter Sarah Bellows wird einiges erzählt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele unheimliche Geschichten in dem Anwesen niederschrieb. Im Haus entdecken Stella und ihre Freunde eine versteckte Tür, welche zu einem kleinen Verlies führt, wo Sarah lange Zeit gefangen gehalten wurde. Stella findet in dem dunklen Raum ein Buch und nimmt es mit nach Hause. Etwas, dass sie schnell bereuen wird.

"Dieses Buch schadet ihrer Gesundheit?!"
"Dieses Buch schadet ihrer Gesundheit?!"

Denn plötzlich beginnen wie von Geisterhand neue Geschichten in dem Buch zu entstehen, in denen Stella und ihre Freunde die Protagonisten sind. In einem Wettlauf gegen die Zeit müssen die Teenager den dunklen Zauber stoppen. Denn sonst wiederfahren ihnen die schrecklichen Dinge, die nun neu im Buch stehen.

Der sympathische Retro-Grusler Scary Stories to Tell in the Dark bringt die Kurzgeschichten der gleichnamigen Vorlage in einem Film zusammen. Das hat aufgrund der aufgeweckten Teenager-Protagonisten und handgemachten Monstereffekte einen herrlichen Charme. Dabei richtet sich der Film wie auch das Buch eher an ein jüngeres Publikum, was bedeutet, dass erfahrene Horror-Schauer hier wohl eher weniger Albtraummaterial mitnehmen werden. Trotzdem: Diesen kreativen Gruselgeschichten sei eine Fortsetzung gegönnt.

Scary Stories to Tell in the Dark basiert auf den gruseligen Kurzgeschichten von Autor Alvin Schwartz und Illustrator Stephen Gammell, die in drei Büchern zwischen 1981 und 1991 erschienen sind. Da die Zielgruppe jugendliche Leser sind, zogen diese unheimlichen Storys seit dem Erscheinen in den USA immer mal wieder den Ärger von Eltern-Verbänden und religiösen Gruppierungen auf sich. Der Beliebtheit der Bücher hat dies selbstverständlich nicht geschadet und so gilt unter anderem auch Guillermo del Toro zu den grössten Fans. Dem mexikanischen Oscarpreisträger (The Shape of Water) war es so auch ein grosses Anliegen, die Geschichten mal auf die Leinwände dieser Welt zu bringen. Als ausführender Produzent und Co-Drehbuchautor hat er das Vorhaben umgesetzt, wobei er die Regie dem Norweger André Øvredal (The Autopsy of Jane Doe) überlassen hat.

Gleich vorneweg: Gore-Hounds werden definitiv nicht auf ihre Kosten kommen. Scary Stories to Tell in the Dark richtet sich mit seinen Jump-Scares und seiner unblutigen Umsetzung deutlich an ein jüngeres Publikum, weshalb das Werk in den USA auch die begehrte Freigabe «ab 13» bekommen hat. In der Schweiz muss man (theoretisch) 16 sein, um sich den Film im Kino ansehen zu können. Die Zurückhaltung beim gezeigten Horror bringt mit sich, dass der ganz grosse Schrecken ausbleibt. Aber trotzdem kann man sich hier ganz anständig gruseln. Vor allem die Monster, die in liebevoller Handarbeit erschaffen wurden und von denen nur das Wenigste aus dem Computer kommt, werden Horror-Fans viel Freude bereiten.

Es wäre ein leichtes gewesen, einen Episodenfilm à la Trick 'r Treat aus dem Stoff zu machen. Doch stattdessen wurden die in ihren Horroszenarien kreativen Kurzgeschichten in einen Plot eingebettet, der dank den Protagonisten überzeugend funktioniert. Die jungen Helden sind alle sympathisch und erinnern in ihrer Dynamik etwas an den Cast von Stranger Things. Zugegeben, es wird sich hier einiger Klischees bedient, wie dass der Dorf-Rüpel als erstes dranglauben muss. Dieses "Malen nach Zahlen" macht den Film immer wieder etwas vorhersehbar und bringt Längen mit sich. Doch wirkt Scary Stories to Tell in the Dark nie wie eine schlechte Kopie, sondern ist eine Huldigung an Gruselgeschichten und an alte Filme, wobei Night of the Living Dead sogar in einer Szene im Drive-in-Cinema gezeigt wird. So ist dies weniger für die Leute, welche sich einen blutigen Horror-Filmen nach dem anderen reinziehen, sondern vielmehr für jene, welche mit 80s-Gruslern à la Poltergeist aufgewachsen sind oder für junge Kinofans, die ihre ersten Schritte im Bereich Horror machen wollen.

/ crs