The Divine Fury - Saja (2019)

The Divine Fury - Saja (2019)

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  2. 129 Minuten

Filmkritik: Auf Teufel komm raus

1. OutNow Film Festival 2020
«Wieviele Finger hat meine Hand?»
«Wieviele Finger hat meine Hand?» © Splendid Film

Der gottesfürchtige junge Yong-hoo (Park Seo-joon) hat früh seine Mutter verloren und seither eine starke Bindung zu seinem Vater (Lee Seung-joon) aufgebaut. Als dieser bei einem Polizeieinsatz von Wilden tödlich verletzt wird, kann Yong-hoo nicht verstehen, wie Gott das zulassen konnte und wendet sich vom Glauben ab. Jahre später wird Yong-hoo als junges MMA-Talent gefeiert; innere dämonische Stimmen geben ihm die nötige Aggressivität, um seine Gegner schnellstmöglich auszuschalten.

«Mal sehen, ob das funktioniert.»
«Mal sehen, ob das funktioniert.» © Splendid Film

Als eine vermeintliche simple Handverletzung die Ärzte vor ein Rätsel stellt, sucht sich Yong-hoo Rat bei einer blinden Geistheilerin. Und diese ist sich sicher: Der Bursche ist seit seiner Kindheit von Dämonen besessen, die seine Trauer und Rachegelüste nähren. Nur ein Exorzist kann ihm weiterhelfen - und so trifft er auf Father Ahn (Ahn Sung-ki), der genau weiss, was Yong-hoos Wunde zu bedeuten hat.

Langfädig und charakterlos: So lässt sich der dritte Film des südkoreanischen Regisseurs Kim Joo-hwan etwas überspitzt zusammenfassen. Auch wenn der Exorzismus-Aufguss mit einer empathischen Story und ein paar netten Effekten aufwartet, so richtig will der Funke nicht überspringen. Genrefans werden sich an The Divine Fury nicht wirklich die Finger lecken können.

Wie kann man einen Film im Exorzismus-Unversium drehen und sich davor hüten, in der Klischee-Schublade zu wühlen? Oder anders gefragt: Was haben wir Zuschauer in diesem Subgenre nicht bereits zigmal durchgekaut? Martial-Arts, Baby! The Divine Fury des südkoreanischen Regisseurs Kim Joo-hwan sorgt bereits mit seiner Kurzsynopsis für gehobene Augenbrauen: Ein Martial-Arts-Kämpfer, der seit seiner Kindheit von Dämonen besessen ist und nun mit einem alternden Exorzisten - notabene seiner neuen Vaterfigur - anderen Menschen wortwörtlich den Teufel austreibt: Das haben wir noch nicht gesehen!

Trotz anfänglicher Euphorie kommt es, wie es kommen muss. The Divine Fury verliert sich in seiner langfädigen Erzählung, baut zwar interessante Charaktere auf, geht aber zu wenig auf sie ein, als dass sie die Story befriedigend abrunden könnte. Die inneren Dämonen unseres Helden, die auch als Metapher funktionieren könnten, spielen irgendwann keine grosse Rolle mehr. Die Devise lautet nur noch, Menschen den Teufel auszutreiben und weiter gehts. Und das mächtige, hinterlistige Böse wird irgendwann zum eindimensionalen Endgegner degradiert. Das schockiert wirklich niemanden mehr.

Trotz seiner zahlreichen Schwächen und der Überlänge kann der Film uns jedoch mit visuell interessanten Aspekten - wir danken an dieser Stelle dem Director of Photography Jo Sang-yoon - und seiner Grundstimmung einigermassen unterhalten. Seoul als Schauplatz des Bösen, die Strassen der Metropole bei Nacht oder Neonfarben im mysteriösen Underground-Club: So interessant war diese Welt seit Seoul Station und Train To Busan nicht mehr. The Divine Fury hat ansatzweise Potenzial und darum ist es doppelt schade, dass es Kim Joo-hwans Drehbuch nicht ausschöpfen kann. Einmal mehr werden wir mit einem Genrefilm abgespeist, der das Durchschnittslevel seiner Gattung nicht übertrifft.

/ woc