Richard Jewell (2019)

Richard Jewell (2019)

Der Fall Richard Jewell
  1. , ,
  2. 131 Minuten

Filmkritik: Der Presse auf die Fresse

Telefonspiele...
Telefonspiele... © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Während der olympischen Spiele in Atlanta im Jahr 1996 findet der 33-jährige Wachmann Richard Jewell (Paul Walter Hauser) einen unbewachten und deshalb verdächtigen Rucksack. Der bei solchen Sachen oftmals übertrieben vorsichtige Richard soll jedoch mit seinem Verdacht recht behalten - es befindet sich tatsächlich eine Bombe in dem Gepäckstück. Durch seine Aufmerksamkeit und seine Mithilfe bei der Evakuierung des Geländes rettet er viele Leben und wird am nächsten Tag von allen Seiten gefeiert.

...mit den «netten» Leuten des FBI.
...mit den «netten» Leuten des FBI. © Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.

Doch der Ruhm hält nicht lange an. Da das FBI auch Tage nach dem Anschlag immer noch auf der Suche nach Verdächtigen ist, schauen sie sich auch Richard etwas genauer an. Die Theorie wird diskutiert, ob nicht vielleicht Richard die Bombe selbst gelegt hat, damit er bei glimpflichem Ausgang später als Held dasteht. Über den FBI-Agenten Tom Shaw (Jon Hamm) gelangt diese Theorie zu der Journalistin Kathy Scruggs (Olivia Wilde), die keinen Skrupel zeigt, diese in der Zeitung abzudrucken - und so das Leben des eigentlich unschuldigen Richard völlig auf den Kopf stellt.

Die wahre Geschichte des Richard Jewell berührt vor allem dank Hauptdarsteller Paul Walter Hauser. Der Mann, welcher sonst oft in Nebenrollen zu sehen ist, trägt den Film fast alleine. Nur schade, dass er während den zwei Stunden Film auch immer wieder gegen plakative Elemente des Skripts ankämpfen muss. Wie Regisseur Clint Eastwood zum Beispiel die Presse darstellt, ist recht billig und ärgerlich.

Paul Walter Hauser ist nicht gerade ein Schauspielername, der vielen geläufig ist. Doch dank seinem urkomischen Auftritt als «Bodyguard» in I, Tonya dürfte das Gesicht des Mannes einem einigermassen bekannt vorkommen. In Clint Eastwoods Richard Jewell spielt der sonst auf eher kleinere Rollen abonnierte Hauser nun seine erste grosse Hauptrolle. Er ist der Aufgabe zweifelsohne gewachsen. Das ist nicht nur bemerkbar, weil man mit seinem tapsigen Sicherheitsmann, den er hier spielt, mitfiebert, sondern der Schauspieler nebenbei auch noch einige plakative Stellen im Film auszubügeln vermag.

Die hier präsentierte Geschichte des Richard Jewell ist nicht erfunden. Der Mann, die Heldentat und die Medienhetze basieren auf wahren Begebenheiten. Eastwood zeichnet das Bild eines Mannes, der grossen Respekt vor Gesetzeshütern aller Art hat und am liebsten auch dazugehören möchte. Seine Bemühungen, für Recht und Ordnung zu sorgen, sind zu Beginn des Filmes recht belustigend und man beginnt diesen kuschlig wirkenden Mann schnell zu mögen. So tut es dann doppelt weh, wenn er von genau jenen Leuten betrogen und ausgenutzt wird, zu denen er sein ganzes Leben lang aufgesehen hat. Man möchte als Zuschauer diesen, sich auf der Leinwand befindenden, Richard Jewell zwischendurch fast anschreien und ihm sagen, dass er nun doch endlich realisieren soll, was genau hier abgeht.

Das ist durchaus berührend, doch leider vergreift sich Eastwood in den zwei Stunden Film immer mal wieder im Ton. Vor allem bei der Portraitierung der Journalistin Kathy Scruggs, welche die Medienhetze gegen Jewell losgetreten hat, ist dies zu bemerken. Eastwood zeichnet sie als komplettes Klischee. Eine Frau, die alles für eine heisse Story tut und anscheinend kaum Skrupel kennt. Der sonst durchaus aufwühlende und vom Erzähltempo her gmögige Film verliert jedes Mal, wenn Olivia Wildes Cruggs auftaucht, an Klasse. Solch überzeichnete Figuren wie ihre passen besser in eine Satire wie Network als in ein ernstes Drama. Hier merkt man, dass Eastwood vor allem der Presse etwas auf die Fresse geben wollte.

Hätte sich Eastwood dort und auch vielen FBI-Szenen etwas zurückgehalten, wäre sein Film deutlich besser geworden. So zieht man am Ende vor allem einfach den Hut vor der Leistung von Paul Walter Hauser sowie vor jener von Oscarpreisträger Sam Rockwell, welcher den Anwalt von Jewell verkörpert. Wäre nur schön gewesen, wenn man diesen Hut während des Films wegen der Plakativität nicht so oft vor das Gesicht hätte halten müssen.

Christoph Schelb [crs]

Christoph arbeitet seit 2008 für OutNow und leitet die Redaktion seit 2011. Er liebt die Filme von Christopher Nolan, die Festivals in Cannes und Toronto und kann nicht wirklich viel mit Jean-Luc Godard anfangen, was aber wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Gewinner des Filmpodium-Filmbuff-Quiz 2019.

  1. Artikel
  2. Profil
  3. E-Mail
  4. Twitter
  5. Letterboxd