Queen & Slim (2019)

Queen & Slim (2019)

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  2. 132 Minuten

Filmkritik: Eben nicht "Bonnie and Clyde"

Freedom!
Freedom!

Auf Tinder lernen sich die beiden Afroamerikaner Angela (Jodie Turner-Smith) und Ernest (Daniel Kaluuya) kennen, doch erst drei Wochen nach der ersten Kontaktaufnahme gehen sie auf ein Date miteinander. Im Restaurant will es jedoch nicht so recht funken und so fährt er sie nach dem Essen wieder nach Hause. Dabei werden sie aus dem Nichts von einem Polizisten angehalten, welcher das Auto von Ernest etwas gar pingelig untersucht. Die Situation eskaliert, wobei Angela am Bein angeschossen wird und Ernest daraufhin den Polizisten aus Notwehr erschiesst.

Red Room... of Love
Red Room... of Love

Da Angela Anwältin ist, weiss sie nur allzu gut, dass ihre Chancen auf Gerechtigkeit nur sehr klein sind. Aus Angst beschliessen die beiden aufs Gaspedal zu drücken und vom Tatort zu fliehen. Zusammen wollen sie sich von Ohio bis nach Florida durchschlagen. Während sie ihrem Ziel näherkommen, kommen sich auch die beiden Flüchtigen näher.

In ihrem Spielfilmdebüt zeigt Melina Matsoukas zwei Afroamerikaner auf der Flucht vor dem Gesetz. Das ist weit weniger actionreich als man denken könnte und auch Spannung kommt eher selten auf. Stattdessen ist ihr ein schwelgerisches und stimmiges Roadmovie durch die Vereinigten Staaten von heute gelungen, das mit zunehmender Laufzeit einvernehmender wird. Nicht der ganz grosse Wurf, aber trotzdem eine interessante Visitenkarte einer jungen Regisseurin.

"Well, if it isn't the black Bonnie and Clyde." So werden die beiden Flüchtigen in dem Spielfilmdebüt von Melina Matsoukas mal angesprochen. Das ist völliger Blödsinn. Die zwei sind vielmehr Thelma and Louise, die sich auch nach einer schlimmen, aber überhaupt nicht beabsichtigten Tat plötzlich auf der Flucht vor dem Gesetz befinden. Doch das ist durchaus ein interessantes Statement, das Matsoukas und Drehbuchautorin Lena Waithe (Master of None) hier machen. Aussenstehende Personen können Situationen ganz anders wahrnehmen, und so werden hier aus den aus Panik und Angst agierenden Protagonisten plötzlich coole Outlaws, welche sich in Zeiten von #BlackLivesMatter gegen Polizeigewalt zur Wehr setzen. Ein spannender Aspekt in einem Film, der seine 135 Minuten aber etwas zu verträumt verbringt.

Ohnehin besitzt Queen & Slim aufgrund des Inhalts und dem Zeitpunkt seiner Veröffentlichung gewaltige Sprengkraft. Doch würde man den Film nicht wie einen "Spike-Lee-Joint" als ein wütendes Werk bezeichnen. Queen & Slim ist ein lebensbejahendes und Zusammenhalt feierendes Roadmovie. Auch wenn das Gesetz den beiden hier im Nacken sitzt, wird so nicht gross auf Spannungsmache gesetzt. Stattdessen erinnert die schwelgerische Inszenierung mehr an Filme von Terrence Malick. An Intensität nimmt der Film erst gegen Ende zu. Das ist nur logisch: Hat man schon fast zwei Stunden in diese Figuren investiert, hofft man letzten Endes dann schon, dass sie ihr Ziel erreichen.

Schön wäre es nur gewesen, wenn man als Zuschauer von Anfang an mitgebannt hätte. Wie Queen & Slim jedoch startet, macht es nicht einfach, dieses Paar zu mögen. Ohne die schicksalshafte Begegnung mit dem Polizisten wären die beiden wohl für immer getrennte Wege gegangen. So werden sie mehr durch die Umstände zusammengeschweisst, weshalb es von den Zuschauern einiges an Goodwill braucht, um die aufkeimende Liebe zu akzeptieren.

Wenn so auch nicht alles wie gewünscht funktioniert, ist Queen and Slim trotzdem einer jener Filme, die mit fortschreitender Laufzeit besser werden. Eine überzeugendere Figurenzeichnung zu Beginn und eine bessere Chemie zwischen den Hauptdarstellern hätte dem Ganzen jedoch zweifelsohne geholfen. So reicht es leider nur für ein "Ganz OK".

/ crs