Push (2019)

Push (2019)

Push - Für das Grundrecht auf Wohnen
  1. 92 Minuten

Filmkritik: Shift happens!

So sieht eine echte Superheldin aus.
So sieht eine echte Superheldin aus.

Leilani Farhas Jobbezeichnung hat es in sich: UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen. Als solche kämpft sie rund um die Welt für diese Rechte. Mit dem von ihr initiierten Projekt "Shift" versucht sie, einen Wandel zu bewirken und möglichst viele Politikerinnen und Politiker auf ihre Seite zu ziehen. Überall werden langjährige Mieter aus ihren Wohnungen verdrängt, da diese von ausländischen Hedgefonds, Pensionskassen und anderen Investoren aufgekauft und saniert werden. Durch die daraus resultierenden Mietpreiserhöhungen sorgen dafür, dass sich niemand mehr eine Wohnung in diesen Gebäuden leisten kann.

Kein Bock auf diesen Block.
Kein Bock auf diesen Block.

Solche Zustände verändern viele Quartiere und locken Grosskonzerne und Ketten an. Die Quartiere verlieren so den Gemeinschafts-Charakter. Gemeinsam mit ihrer jungen Assistentin ist es Farhas Mission, diesen Missstand aufzuzeigen. Denn erst, wenn Politiker diese Missstände realisieren, kann gemeinsam ein Lösungsansatz gefunden werden. Bei ihren Reisen stosst die engagierte Anwältin aber nicht nur auf offene Ohren, sondern wird von vielen nur belächelt und zur Seite geschoben. Genauso wie die Mieter, für die sie kämpft.

Etwas herumgepusht werden die Zuschauer schon in dieser oftmals interessanten, aber etwas sprunghaften Doku. Leilani Farha und ihre Arbeit sind faszinierend, ihr Engagement ist bewundernswert. So irritiert es manchmal, wenn der Film aufhört, ihr zu folgen und andere Stränge aufgreift. So springt er oft zu sehr hin und her zwischen verschiedenen Menschen und Themen, dass kein richtiger Fluss entstehen kann und es auch schwierig ist, ein Zeitgefühl für Fahras Reisen zu bekommen. Hoch anzurechnen ist Regisseur Fredrik Gertten aber, dass er dieses wichtige Thema aufgreift und so darauf aufmerksam macht und auch Hoffnung auf Veränderung gibt.

Es kann argumentiert werden, Push sei eine einseitige Dokumentation. Klar, das Publikum dürfte zu 95 Prozent auf der Seite der Filmemacher stehen, doch es wirkt trotzdem wie ein Versäumnis, dass die Seite der Investoren, Banker und hohen Tiere gar nicht erst zu Wort kommt. Dafür wurde mit Leilani Fahra eine Hauptfigur gefunden, die definitiv fasziniert.

Doch der Film beschränkt sich nicht auf ein Porträt der Menschenrechtlerin, sondern springt auch mal wieder zu anderen Experten und Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben wurden. Gerade diese Geschichten verärgern und bewegen, und genau bei diesen Menschen bleibt Regisseur Fredrik Gertten nicht lange genug.

Ein Intermezzo um eine Zwangsräumung ist erschütternd, die Geschichte der Bewohner des Londoner Wohnturms, der in Flammen aufging, ernüchternd. Mit einer Laufzeit von knapp 90 Minuten ist es natürlich schwierig, alles in einen Film zu packen, und so hätte man sich vielleicht lieber etwas mehr eingeschränkt. All diese Kritikpunkte sollen nicht davon abhalten, sich den Film anzuschauen. Das Thema ist aktuell, wichtig und muss thematisiert werden, und somit hat der Film seine Hauptaufgabe erfüllt. Schade nur, ist beim grossen Informationsgehalt das Erzählerische etwas auf der Strecke geblieben.

/ ma