Proxima (2019)

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  3. 107 Minuten

Filmkritik: Deep (Emotional) Impact

44th Toronto International Film Festival
Auch Astronauten nehmen den Bus.
Auch Astronauten nehmen den Bus.

Schon als kleines Mädchen wollte Sarah (Eva Green) Astronautin werden. Zielgerichtet ging sie ihrem Traum nach und hat es nun tatsächlich in das Weltraumprogramm geschafft. In Kürze wird sie mit einem amerikanischen Astronauten und einem russischen Kosmonauten zur internationalen Raumstation ISS fliegen und dort ein Jahr lang leben. Sarah ist körperlich bereit und hat das Gefühl, es auch mental zu sein.

Doch in den Wochen vor dem grossen Abflug macht sich immer mehr bemerkbar, dass Sarahs junge Tochter Stella (Zélie Boulant) nicht wirklich bereit ist, ihr Mami auf dieses Abenteuer gehen zu lassen. Zwar ist sie bei ihrem Vater gut untergebracht, aber sie will und braucht ihre Mutter. Während sich Sarah in Russland und Kasachstan auf ihre Mission vorbereitet, versucht sie von der Ferne aus irgendwie auch eine möglichst gute Mutter zu sein. Keine leichte Aufgabe.

Das Mutter-Tochter-Drama Proxima ist zwar gut gespielt, aber zu behäbig, um wirklich in höhere Sphären aufzusteigen. Die Schwierigkeit, Muttersein und Karriere unter einen Hut - oder in diesem Fall unter einen Astronauten-Helm - zu packen, wird glaubwürdig dargestellt, doch ab einem gewissen Punkt setzt hier trotzdem die Langweile ein.

Alice Winocour (Maryland ) zeigt in ihrem Film, wie schwierig es sein kann, das Muttersein und Karriere unter einen Hut zu bringen. Dafür hat sie sich mit ihrem Co-Autor, dem Schweizer Dokumentarfilmer Jean-Stéphane Bron (Mais im Bundeshuus), gleich ein Extrembeispiel ausgesucht: Denn Astronauten durchlaufen vor ihren Missionen ein knallhartes Training und werden auch mal für mehrere Tage unter Quarantäne gestellt. Sachen, die man unter anderem auch in Damien Chazelles First Man gesehen hat. Winocour schildert das Ganze jetzt aus der Perspektive eines weiblichen Astronauten. Obwohl ihr Film spannende Ansätze hat, scheint Winocour wie auch Protagonistin Sarah irgendwann nicht mehr zu wissen, ob es nun vorwärts oder rückwärts gehen soll.

Das kann natürlich beabsichtigt sein, um so Sarahs Hin-und-Her darzustellen. Aber wirklich interessant ist es irgendwann nicht mehr. Winocour macht ihre Statements klar und unmissverständlich. Doch ab einem gewissen Punkt sollte der Plot eigentlich mal vorwärtsgehen. Aber das tut ihr Film nicht. Es ist jedoch schon faszinierend zu sehen, was für ein Programm Astronauten vor dem Flug ins All durchlaufen müssen. Winocour und Co. haben gründlich recherchiert und es wurde sogar an Originalschauplätzen - darunter im Europäischen Astronautenzentrum in Köln - gedreht. So wirkt Proxima die ganze Zeit über authentisch.

Doch dafür könnte man auch eine Dokumentation schauen, wenn man mehr über die Vorbereitungen eines Astronauten erfahren möchte. Winocaurs Film bleibt aufgrund seiner langsamen Erzählweise immerhin am Boden, doch es wäre wünschenswert gewesen, wenn ihr Film auch mal abhebt. Der russische Kosmonaut sagt der von Eva Green gespielten Protagonistin einmal, dass das Ganze vor dem Trip ins All einfach wäre und das Schwierige erst bei der Rückkehr kommt. Denn während der einjährigen Weltall-Mission hat sich die Welt ohne die Involvierung der Astronauten weiterbewegt. Danach wieder Anschluss zu finden, kann schwer sein. Schade, dass Proxima sich trotzdem nur auf das Vorher fokussiert. Ein Sequel wäre also sicherlich wünschenswert, denn die Darsteller vollbringen tolle Arbeit und man würde ihnen gerne auch bei ihrer Rückkehr zuschauen.

/ crs