Das perfekte Geheimnis (2019)

Das perfekte Geheimnis (2019)

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  2. 111 Minuten

Filmkritik: Dänn nimm i halt mis Handy und mäld mi bi de Sandy.

Da finden alle das Spiel noch lustig.
Da finden alle das Spiel noch lustig.

Das Essen ist fast parat, der Tisch gedeckt und die Vorfreude gross. Das Paar Eva (Jessica Schwarz) und Rocco (Wotan Wilke Möhring) hat Freunde zu einem gemütlichen Abend bei ihnen Zuhause eingeladen. Nacheinander treffen die Gäste ein. Da wären Carlotta (Karoline Herfurth) und ihr Ehemann Leo (Elyas M'Barek), die endlich mal einen Abend ohne die zwei gemeinsamen Kinder geniessen möchten, die glücklich verliebten Bianca (Jella Haase) und Simon (Frederick Lau) sowie der schüchterne Lehrer Pepe (Florian David Fitz). Die Stimmung ist locker, auch wenn die Essenskreationen von Rocco nicht unbedingt allen schmecken.

Nach einer Weile bleibt nur der Griff zur Flasche.
Nach einer Weile bleibt nur der Griff zur Flasche.

Dann plötzlich die verrückte Idee zu einem Spiel: Wie wäre es, wenn alle Anwesenden ihre Smartphones in die Mitte des Tisches legen würden und alle eintreffenden Kurznachrichten, Mails und Anrufe für alle sichtbar und hörbar gemacht werden. Schliesslich hat ja niemand etwas vor seinen Liebsten zu verbergen. Es dauert nicht lange, bis sich das als schlimmer Irrtum entpuppt.

Das perfekte Geheimnis ist das deutsche Remake des italienischen Kassenschlagers Perfetti sconosciuti. Der Humor ist hier ganz im Stile von Fack Ju Göhte etwas deftiger als gewöhnlich, was dann aber nicht ganz mit den Drama-Teilen der Geschichten aufgeht. Doch die gut aufgelegten Darsteller machen diese Defizite locker wett.

Hier was für alle Trivia-Freunde: Der italienische Streifen Perfetti sconosciuti steht im Guinness-Buch der Weltrekorde als jener Film, der am meisten Remakes bekommen hat. Stand Oktober 2019 wurde die Geschichte um sieben Freunde, die sich gegenseitig für einen Abend lang alles auf ihren Smartphones offenlegen, 18 Mal neuverfilmt, darunter in Ländern wie Frankreich, Polen, Südkorea und Mexiko. Während das italienische Original in der Schweiz nur im Tessin lief - und dort gerade einmal 2'399 Tickets verkaufte -, lief die französische Version mit dem Titel Le Jeu vor knapp einem Jahr mit ebenfalls mässigem Erfolg in den hiesigen Kinos. Es dürfte also hierzulande noch genügend Leute geben, welche die Geschichte und vor allem die Enthüllungen und Twists noch nicht kennen. Von den Machern der Fack Ju Göhte-Reihe kommt nun die deutsche Variante - und diese orientiert sich vor allem am Humor der Kinohits mit Elyas M'Barek, Karoline Herfurth und Jella Haase. Alle drei sind auch hier zu sehen.

Komplettiert wird die Darstellerriege durch Jessica Schwarz, Wotan Wilke Möhring, Frederick Lau und Florian David Fitz; fast alle momentan angesagten deutschen Schauspieler versammeln sich hier. Dieses Star-Aufgebot verbreitet trotz den omnipräsentierten Alltagssorgen der Figuren schnell gute Laune. Einige Pointen zielen dabei auch mal unter die Gürtellinie, was Das perfekte Geheimnis dann in den dramatisch gehaltenen Szenen ein wenig zum Verhängnis wird. So gehen uns die Schicksale der zwischendurch als Knalltüten dargestellten Figuren nicht so nahe, wie sie das sollten. Diese sind unter anderem geprägt von den Fragen nach Selbstbestimmung, Homophobie und Affären. Trotzdem gibt es Lob für den Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin, da er die Figuren im Gegensatz zum Original moderner gemacht hat. Die Frauen hier sind stärker, während das Macho-Gehabe der Männer recht zurückgefahren wurde.

Auch diese Komödie bereitet die grösste Freude in einem gefüllten Kinosaal. Es kann mehrfach laut herausgelacht werden und es darf einem auch einmal ein "Oh mein Gott" über die Lippen kommen. Das perfekte Geheimnis ist amüsant und bietet für fast zwei Stunden anständige Unterhaltung - und das sollte idealerweise kein Geheimnis bleiben.

/ crs

Kommentare Total: 4

movie4mee

@ebe Danke für den Hinweis, das hab ich nicht gesehen. Ja ich finds einfach schade ein Original immer neu zu verfilmen und dann mit der gleichen Geschichte. Keine Variation usw.

ebe

@movie4mee: Stimmt nicht ganz. Das Original Perfetti sconosciuti stammt - wie auch in der Kritik steht - aus Italien. In den vergangenen drei Jahren wurde der Stoff nun sage und schreibe 18-mal (!) in verschiedenen Ländern adaptiert - und hat sich damit den Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde gesichert.

movie4mee

"Intimate Strangers" heisst das koreanische original. https://www.screeningmovies.ch/2019/08/09/intimate-strangers-unsere-ge…
Schon immer schade, dass gute Filme einfach kopiert werden ...

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