The Peanut Butter Falcon (2019)

The Peanut Butter Falcon (2019)

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  2. 97 Minuten

Filmkritik: Friends are the family you choose

We're sailing.
We're sailing.

Zak (Zack Gottsagen) ist 22 Jahre alt und kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. Aus diesem Grund wird er seit geraumer Zeit in einem Heim rund um die Uhr betreut. Doch Zak verfolgt eigene Ziele, die er im Heim nicht umsetzen kann. Er möchte ein Wrestling-Profi werden und büxt darum auch immer wieder aus. Seiner Betreuerin Eleanor (Dakota Johnson), die den jungen Mann ins Herz geschlossen hat, gehen langsam die Ideen aus, wie sie ihn davon abhalten kann, auszureissen.

Wenn du schon nicht glücklich sein kannst, dann wenigstens betrunken.
Wenn du schon nicht glücklich sein kannst, dann wenigstens betrunken.

Mithilfe seines Mitbewohners Carl (Bruce Dern) gelingt es Zak eines Nachts abzuhauen. Sein Ziel ist die Wrestling-Schule in Florida. Auf seinem Weg trifft er auf den kleinkriminellen Fischer Tyler (Shia LeBeouf), der mit dem Tod seines Bruders zu kämpfen hat und von ein paar finsteren Gestalten durch den Sumpf gejagt wird. Das ungleiche Duo verbündet sich und Tyler verspricht Zak, ihn heil nach Florida zu bringen. Doch auch Eleanor ist bereits auf der Suche nach Zak und fast krank vor Sorge.

Im leichtfüssigen Abenteuerfilm trifft das schmalzlose, aber empathische Raubein Tyler (Shia LaBeouf) auf den 22-jährigen Zak (Zack Gottsagen), der trotz Trisomie 21 aus seinem Heim abgehauen ist, um eine Wrestlingschule zu besuchen. Das ungleiche Duo ist Balsam für die Seele. Gottsagen strahlt eine Lebensfreude aus, die sogar den mürrischen LaBeouf umstimmt und den Zuschauer zu Freudentränen rühren wird. Dem Regieduo Tyler Nilson und Michael Schwartz ist mit The Peanut Butter Falcon ein Feel-Good-Movie gelungen, das man sofort ins Herz schliessen wird.

Bevor Regisseur Taika Waititi mit Thor: Ragnarok und seiner Hitler-Satire Jojo Rabbit international für Furore sorgte, hatte der Neuseeländer mit Hunt for the Wilderpeople einen kleinen, aber liebenswerten Abenteuerfilm mit Sam Neill und Newcomer Julian Dennison gedreht, der mitten ins Herz traf. Das Regiedebüt von Michael Schwartz und Tyler Nilson schlägt nicht nur mit dem eigenwilligen Titel The Peanut Butter Falcon in die gleiche Kerbe; auch sonst hätte der ungewöhnliche, aber äusserst herzerwärmende Buddy-Movie aus der Feder Waititis stammen können.

Das Regieduo Schwartz/Nilson präsentiert den talentierten Zack Gottsagen in seiner ersten grossen Filmrolle. Der 24-jährige Amerikaner kam mit dem Down-Syndrom zur Welt, was für ihn aber nie ein Grund war, auf gewisse Dinge zu verzichten. Auch wenn das von Mark Twain inspirierte Abenteuer fiktiv ist, flossen seine persönlichen Erlebnisse in die Geschichte ein und sein Filmcharakter Zak basiert auch grösstenteils auf seiner Persönlichkeit.

Zusammen mit Shia LaBeouf, der sich anscheinend in kleineren Indie-Produktionen wohler fühlt als in Big Hollywood, ergibt sich ein Duo, das nicht nur unglaublich viel Charme ausstrahlt, sondern auch auf emotionaler Ebene authentisch wirkt und viel gute Laune versprüht. Dabei geht die Dritte im Bunde fast etwas unter. Dakota Johnson (Fifty Shades of Grey) als Zaks Betreuerin dreht erst in der zweiten Hälfte des Abenteuers auf, was aber nichts mit ihrer schauspielerischen Leistung, sondern mehr mit der Entwicklung ihres Charakters zu tun hat.

Dass ein Buddy-Movie aber auch tiefgründiger sein kann, beweisen die starken Dialoge unter den beiden Hauptfiguren. Zwischen vielen Lachern, schrägen Einfällen und etwas Fantasie ist The Peanut Butter Falcon eben auch ein Drama über das Leben eines jungen Menschen mit Down-Syndrom. Doch anstatt hier künstlich auf die Tränendrüsen zu drücken und kitschige Floskeln abzuhaken, gelang den Machern den Spagat zwischen abenteuerlichem Huckleberry-Finn-Epos und existenziellen Drama vorzüglich.

Hauptsächlich geht es aber um Freundschaft - eine Freundschaft, die sich echt anfühlt. LaBeouf selbst hat in einem Interview erwähnt, dass er Gottsagen sehr viel zu verdanken habe. Ohne ihn wäre er wohl nicht vom Alkohol losgekommen. Ein schöne Side-Story zu einem wunderbaren Film. The Peanut Butter Falcon ist ein Gewinner auf ganzer Linie; eine emotionale Achterbahnfahrt mit herzlichen Lachern und tollen Feel-Good-Momenten.

/ yan

Trailer Englisch, 02:36