Les particules (2019)

Les particules (2019)

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  3. 98 Minuten

Filmkritik: Strange Things

72e Festival de Cannes 2019
Freude am Leben
Freude am Leben © Studio / Produzent

P.A. (Thomas Daloz) und seine Freunde Mérou (Salvatore Ferro), Cole (Léo Couilfort) und JB (Nicolas Marcant) leben an der Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz, in unmittelbarer Nähe zum Teilchenbeschleuniger des Cern in Genf. P.A. spielt Saxophon und verbringt seine Freizeit mit seinen Kumpels, was Jugendliche im Abschlussjahr des Gymnasiums halt eben so tun. Eine gewisse Faszination für physikalische Ereignisse und das Cern zeichnet ihn aus, P.A. ist der schweigsamste, zurückhaltendste der vier Jungs.

What the hell is going on?
What the hell is going on? © Studio / Produzent

Als der Winter anbricht, steht eine Besichtigung des Cern an. Bereits zuvor glaubte P.A., mysteriöse Ereignisse zu beobachten. Nach dem Besuch und einem gemeinsamen Camping-Trip im Wald nehmen diese Geschehnisse rasant zu. P.A. freundet sich langsam mit Léa (Emma Josserand) an, welche die unheimlichen Vorkommnisse ebenfalls zu spüren scheint.

Les particules ist in der zweiten Hälfte ein stimmiger kleiner Mysterythriller, zuvor zieht er sich zu sehr in die Länge und hat wenig mit Mystery zu tun. Indem eine Meta-Ebene erschaffen wird, bleibt es den Zuschauern selbst überlassen, die Story einzuordnen in Realität, Fiktion, Traum oder Vorstellung. Der ganz grosse Wurf ist der Film nicht geworden, ansehen kann man ihn sich aber dennoch.

Mystery-Thriller rund um das Thema Medical Research sind spätetens seit der Kultserie Stranger Things beim Publikum hoch im Kurs. Les Particules springt auf diesen fahrenden Zug auf. Da es an der schweizerisch-französischen Grenze keine Medical-Research-Labs gibt, aus welchen durch misslungene Experimente irgendwelche Zombies entstehen könnten, jedoch den Teilchenbeschleuniger des Cern, wird die Story rund um physikalische Geschehnisse aufgebaut.

Wie in Super 8 geht es in Les Particules um eine Gruppe Jugendlicher, welche ein normales Leben führt. Sie gehen ins Gymnasium, haben nur mässig Bock auf Schule und machen zwischendurch jugendlich-leichtsinnigen Unfug. Nichts Aussergewöhnliches soweit also. Lange geht diesen Leben planmässig vonstatten, besondere (besorgniserregende) Ereignisse gibt es keine. Les Particules ist erstmal einfach Buddy-Movie. Beinahe zu lange, der Film plätschert vor sich hin, die Szenen und Aufnahmen sind langsam und öfters in Slow-Motion abgefilmt. Erst durch den Besuch im Cern selbst beginnt sich etwas zu bewegen, wenn auch dieser Prozess langsam erfolgt. Ab diesem Zeitpunkt wird klar, dass der Teilchenbeschleuniger einen Einfluss haben wird. Die zuvor gezeigten, kurzen Szenen, welche Mystery-Elemente enthalten, könnten durchaus der Vorstellung von P.A. entspringen.

Les Particules wirkt stellenweise wie ein Abschlussfilm einer Filmschule, durchaus engagiert, motiviert und kreativ, jedoch auf einfache Art und Weise zusammen mit einigen Freunden gedreht. Der Cast ist mit grossem Engagement bei der Sache und legt Leidenschaft ans Tageslicht. Thomas Daloz als Hauptdarsteller verkörpert authentisch einen introvertierten, eventuell sogar leicht autistischen Jungen, der übernatürliche Kräfte zu spüren beginnt und nicht wirklich damit umgehen kann.

Viele Aufnahmen wurden mit Drohnen gemacht, so fliegt die Kamera mehrmals und für längere Zeit mit einem fahrenden Bus oder einem Auto auf einer Landstrasse mit. Die Mystery-Szenen wirken anfänglich etwas wie der Zerrfilter bei der eingebauten Laptop-Cam, mit dem man sich einen unglaublich grossen Kopf oder dünnen Bauch simulieren kann. Später, als es mehr um die titelgebenden Partikel geht, wirken die Effekte souveräner und sind recht ansehlich gestaltet sowie musikalisch untermalt.

Les Particules ist ein kurzweiliges Mystery-Drama, welches recht gut mit bescheidenen Mitteln auskommt und mit sphärischen Klängen auftrumpft, die eine Meta-Dimension der Existenz durchaus nicht ausschliessen lassen. Wie die Vorgänge schlussendlich zu deuten sind, wird den Zuschauern überlassen.

Yannick Bracher [yab]

Yannick ist Freelancer bei OutNow seit Sommer 2015. Er mag (Indie-)Dramen mit Sozialkritik und packende Thriller. Seine Leidenschaft sind Filmfestivals und die grosse Leinwand. Er hantiert phasenweise noch mit einem Super-8-Projektor und lernt die alten Filmklassiker kennen und schätzen.

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Trailer Französisch, mit deutschen Untertitel, 01:43